Superbike-WM in Assen/Niederlande und Oschersleben (Archivversion) Konzertierte Aktion

Mit perfektem Teamwork und dank tatkräftiger Mithilfe von Shootingstar Ruben Xaus holte Troy Bayliss den Superbike-WM-Titel für Ducati zurück.

Noch vor dem alles entscheidenden zweiten Superbike-WM-Rennen in Assen vor gut 50000 Zuschauern hatte niemand ernsthaft an eine vorzeitige Titelentscheidung gedacht. Honda-Werksfahrer Colin Edwards war im ersten Rennen halbwegs standesgemäß Dritter hinter dem Ducati-Werksfahrer-Duo Troy Bayliss und Ruben Xaus geworden. Und bei einem ähnlichen Ergebnis im zweiten Lauf wären die Chancen auf eine Titelverteidigung für den Texas-Tornado zwar geschrumpft, aber immer noch vorhanden gewesen, auch wenn der Weltmeister nicht gerade scharf ist auf dritte Plätze: »Dritter zu sein ist besser als Vierter, ansonsten kann ich nichts Gutes daran finden.«Aber es sollte noch schlimmer kommen für den armen Colin. Bayliss und Xaus gelang von ihren Plätzen eins und zwei ein noch besserer Start als im ersten Rennen, als Xaus zunächst ins Mittelfeld abgerutscht war, bevor er sich nach einigen Runden wieder ans Hinterrad seines Kollegen in Rot herangearbeitet hatte. Das zweite Rennen war von Anfang eine Demonstration der Überlegenheit des Ducati-Infostrada-Werksteams. Bayliss fuhr, eskortiert von seinem katalanischen Freund Xaus, einem nie gefährdeten Sieg entgegen.Der 23-jährige Jungstar, offenbar beflügelt von seinem Überraschungssieg eine Woche zuvor in Oschersleben, spielte zwar brav seine Nummer-zwei-Rolle, zeigte jedoch in beiden Rennen seinem Cheffahrer ziemlich beeindruckend das Vorderrad. Jeweils im zweiten Renndrittel übernahm Xaus für einige Runden die Spitze, wohl um zu verdeutlichen, was da ohne den Druck der WM-Tabelle möglich gewesen wäre. »Natürlich war es völlig undenkbar, dass ich heute vor Troy Bayliss ins Ziel gefahren wäre«, erklärte Xaus nach den Rennen cool, »aber ich wollte auch zeigen, dass meine Erfolge in Oschersleben nicht zufällig waren. Ganz im Gegenteil habe ich nämlich jetzt endlich die Form gefunden, die alle, auch ich selber, von mir erwartet haben.« Sprach’s und bestieg das Siegerpodest nach beiden Rennen feixend auf dem Umweg über die oberste Stufe.Doch das perfekte Teamwork des Ruben Xaus allein hätte für die vorzeitige WM-Entscheidung zugunsten von Troy Bayliss nicht gereicht. Denn außer den beiden unangetasteten Siegfahrten des 32-jährigen Australiers brauchte es dazu auch einen völlig unerwarteten Schwächeanfall von Colin Edwards im zweiten Rennen. Schon in der Anfangsphase konnte die Honda-Nummer-eins das Ducati-Tempo an der Spitze nicht mehr mitgehen und fiel, ganz offensichtlich mit den falschen Reifen auf der an diesem extrem wetterwendischen Wochenende gerade mal wieder trockenen, aber sehr kalten Fahrbahn zurück in die Tiefe des Albtraums – bis auf Rang elf im Ziel.Troy Bayliss war also längst neuer Superbike-Weltmeister und wusste es noch gar nicht. »Gut, ich hatte zwei saubere Siege hier in Assen herausgefahren und war deswegen natürlich bester Laune in der Auslaufrunde«, erinnerte sich der Champion, »aber an mehr habe ich ehrlich nicht gedacht. Erst als ich beim Einbiegen in den Parc fermé das ganze Team in diesem T-Shirt sah, hatte ich eine Ahnung davon, was hier gerade wirklich passiert war.«Ducati-Teamchef Davide Tardozzi war inzwischen außer sich vor Freude. »Ich bin heute der glücklichste Mensch der Welt«, jubelte der impulsive Italiener, »Troy gewinnt die WM in seiner ersten kompletten Superbike-Saison, und Ruben hat den Schritt zur absoluten Weltklasse gemacht.« Was Tardozzi nicht gesagt, vielleicht aber gedacht hat: Seine Fahrer, die am Anfang der Saison nicht gerade zu den Superstars der Szene gezählt wurden, haben mit dem WM-Titel schon im Jahre eins nach Carl Fogarty den großen Schatten des Superhelden beiseite geschoben.Eine neue, alte Bedrohung für Bayliss’ Platz an der Sonne lauert jedoch bereits am Horizont. Aprilia-Chefingenieur Giuseppe Bernicchia plant den ganz großen Coup, und erste Weichen dafür wurden in Assen bereits gestellt. »Wir sind stark an einer Verpflichtung von Noriyuki Haga interessiert«, so der Italiener, »Haga auf dem Superbike und Troy Corser mit seinem bekannten Fähigkeiten als Entwicklungsfahrer auf unserem neuen GP1-Motorrad – das wäre doch eine Super-Kombination für 2002.«Nur bis Saisonende 2001 denkt derzeit noch Supersport-Weltmeister Jörg Teuchert. In Assen fuhr er zwar von Startplatz 16 auf Rang vier vor in einem Rennen, das nach drei Runden wegen Regen abgebrochen, im Trockenen neu gestartet und am Ende doch wieder von einem Platzregen abgeduscht wurde. Seine beiden Titelrivalen Paolo Casoli und Andrew Pitt aber wurde Erster und Zweiter und haben sich damit weiter vom Tabellendritten Teuchert abgesetzt, der vor dem Finale in Imola nur noch theoretische Titelchancen hat, wie übrigens auch im Vorjahr in Brands Hatch.

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