Superbike-WM in Brands Hatch/England (Archivversion)

Kein Mitleid

Colin Edwards nützte die verletzungsbedingte Schwäche von Titelverteidiger Troy Bayliss gnadenlos zu einem Doppelsieg in Brands Hatch. Aber auch auf dem anlaufenden Transferkarussell für 2003 kennen die Superbike-Stars keine Freunde.

Rund 25 Stunden vor dem Start des ersten Superbike-WM-Rennens in Brands Hatch lag Superbike-Weltmeister Troy Bayliss bewusstlos auf der Trage eines Rettungswagens. Nach einer äußerst unglücklichen Kollision mit seinem Ducati-Werksfahrer-Kollegen Ruben Xaus in der Anlaufrunde zum Qualifikationstraining wurde der Australier im Sturz vom eigenen Motorrad ausgeknockt und brach sich eine Rippe.Nur fünf Stunden später zwängte sich der Champion als Superpole-Vierter in die erste Startreihe. Die Rennen am Sonntag absolvierte er dann heldenhaft als Dritter und Zweiter, einmal hinter, einmal nach heftigstem Kampf vor Lokalheld Neil Hodgson.Gegen den sehr gut aufgelegten Texas Tornado und dessen Werks-Honda aber hatte der lädierte Bayliss vor 126000 Zuschauern keine Chance. Doppelsieger Edwards zeigte zwar größten Respekt: »Gestern Mittag noch liegt der ohnmächtig in der Ambulanz und heute muss ich wirklich alles geben, um Troy zu schlagen, Hut ab.« Auf der Strecke aber gab es kein Pardon für den angeschlagenen Champion.Ebenfalls ohne allzu große Rücksicht auf den Mitstreiter geht es auf dem Transferkarussell zu, das sich heuer wilder dreht als in den Vorjahren. Die neue Situation in der MotoGP-WM sowie die neuen Superbike-WM-Regeln, die ab 2003 auch 1000-cm³-Vierzylinder - wahrscheinlich mit Air-Restriktoren - zulassen, bringen viel Unruhe in die Szene.Das Epizentrum liegt dabei ganz eindeutig im Ducati-Werksteam. Troy Bayliss wird hausintern ins neue Ducati-MotoGP-Team wechseln, mit dem derzeitigen Yamaha-GP-Star Carlos Checa als Partner sowie den Hauptsponsoren Marlboro und Piaggio. Bayliss’ Nachfolger als Werks-Superbiker wird Neil Hodgson. Um den Platz neben dem englischen Nationalhelden streiten sich vier Kandidaten: Ben Bostrom, Ruben Xaus, Anthony Gobert und Colin Edwards.Und sollte Ducati-Teamchef Davide Tardozzi mit seiner weithin bekannten Einstellung – »ich will immer die zwei besten Fahrer, die ich bekommen kann« – recht behalten, muss sich Castrol-Honda-Boss Neil Tuxworth schleunigst auch aufs Karussell begeben. Bereit steht hier der US-Jungstar Nicky Hayden, quasi zur multiplen Verwendung. Unter den Fittichen von Superheld Mick Doohan bei den MotoGP, als Edwards-Nachfolger in der Superbike-WM oder gar als Nummer zwei hinter Edwards in einem wieder aufgestockten Superbike-Team – alles ist denkbar.Wenn die Herren Bostrom oder Xaus bei Ducati nicht zum Zuge kommen sollten, hätte das Edel-Privatteam GSE-Ducati sofort Verwendung für einen der beiden. Dort wurde außerdem Nachwuchsmann James Toseland weiter verpflichtet. Aber Xaus hätte auch Chancen in einem der spanisch geführten MotoGP-Teams.Und für California Dreamboy Ben Bostrom könnte die Zukunft plötzlich grün werden. »Ben Bostrom und Andrew Pitt«, hieß die Auskunft von Kawasaki-Teamchef Harald Eckl für den Fall, dass er für sein neues MotoGP-Team den Wunschkandidaten Loris Capirossi doch nicht verpflichten kann, »Capirossi ist schon ziemlich teuer.«Komplett anderer Ansicht zu diesem Thema ist Alstare-Corona-Suzuki-Chef Francis Batta: »Capirossi kostet nicht viel. Er oder Troy Corser werden neben Gregorio Lavilla 2003 auf Suzuki GSX-R 1000 für uns antreten.«Damit sorgte der Belgier, der im übrigen klipp und klar sagt, »mit der vorzeitigen Einführung der 1000er-Vierzylinder ist die Krise der Superbike-WM vorbei«, für erheblichen Wirbel, bei Corsers derzeitigem Team Foggy Petronas geht man nämlich davon aus, dass der Australier auch ohne Rennen 2002 seinen Dreijahresvertrag erfüllen wird.»2004 sind wir wieder werksseitig in der Superbike-WM«, erklärte Laurens Klein Koerkamp, Yamaha-Motorsport-Koordinator Europa, »für 2003 kann ich heute weder ja noch nein sagen.« Dies betrifft auch die Zukunft des Yamaha Deutschland Supersport-Teams. »Wir sind zuversichtlich, dass es unverändert weitergeht, die Entscheidung steht aber noch aus«, übt sich Teamchef Terrell Thien in optimistischer Zurückhaltung.Definitiv ist dagegen der vorübergehende Rückzug von Kawasaki. »2003 fahren wir nur Supersport-WM«, so Christian Bourgeois, Harald Eckls Nachfolger als Teamchef, »erst ab 2004 haben wir wieder ein konkurrenzfähiges Superbike.«Lieber nicht in die Zukunft schaut dagegen Aprilias Superbike-Crew. Da wird offiziell die Rückkehr eines vollwertigen Zwei-Mann-Werksteams angekündigt, in Brands Hatch aber erschienen die Venetier als Torso ohne PR- und Hospitality-Crew. Angesichts der Gesamtsituation des arg gebeutelten Herstellers ein Alarmzeichen. Aber selbst für die sympathische Mannschaft um Publikumsliebling Nitro-Nori Haga wird es kein Mitleid geben.
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ERGEBNISSE (Archivversion)

Superbike: 1. Lauf1. Colin Edwards (USA) Honda 36.27,5552. Neil Hodgson (GB) Ducati -1,1733. Troy Bayliss (AUS) Ducati -10,3274. Noriyuki Haga (J) Aprilia -22,2435. Ruben Xaus (E) Ducati -22,4836. Chris Walker (GB) Kawasaki -26,4967. Ben Bostrom (USA) Ducati -26,5358. Pierfrancesco Chili (I) Ducati -26,7889. James Toseland (GB) Ducati -32,32210. Shane Byrne (GB) Ducati -32,634Superpole: Hodgson in 1.25,752 min (= 177,204 km/h)Schnellste Rennrunde: Bayliss in 1.26,690 min (= 175,287 km/h) – RekordSchnitt des Siegers: 173,659 km/h; 25 Runden = 105,525 km2. Lauf:1. Colin Edwards (USA) Honda 36.27,6552. Troy Bayliss (AUS) Ducati -2,3263. Neil Hodgson (GB) Ducati -2,7484. Ben Bostrom (USA) Ducati -13,1305. Noriyuki Haga (J) Aprilia -13,2726. Ruben Xaus (E) Ducati -13,2937. Pierfrancesco Chili (I) Ducati -14,9648. Chris Walker (GB) Kawasaki -21,9249. Michael Rutter (GB) Ducati -24,70810. Shane Byrne (GB) Ducati -29,830Schnitt des Siegers: 173,655 km/hWM-StandBayliss 441Edwards 402Hodgson 257Haga 206Bostrom 206Xaus 193Toseland 131Walker 126Chili 107Lavilla 89Supersport1. Katsuaki Fujiwara (J) Suzuki 35.09,4412. Fabien Forêt (F) Honda -0,2863. Paolo Casoli (I) Yamaha -1,4424. Iain MacPherson (GB) Honda -4,9555. Jörg Teuchert (D) Yamaha -6,2986. Christian Kellner (D) Yamaha -7,7417. Alessio Corradi (I) Yamaha -12,3758. Chris Vermeulen (AUS) Honda -14,4129. Kevin Curtain (AUS) Yamaha -25,49110. Stuart Easton (GB) Ducati -27,837Pole Position: Forêt in 1.29,212 min (= 170,331 km/h)Schnellste Rennrunde: MacPherson in 1.30,095 min (= 168,682 km/h)Schnitt des Siegers: 165,683 km/h – 23 Runden = 97,083 kmWM-StandForêt 138Fujiwara 129Chambon 115Pitt 113Kellner 88Casoli 87Vermeulen 74Whitham 71Teuchert 71MacPherson 54

Superbike-Journal (Archivversion)

Gespann-WM Auf TitelkursNach erbittertstem Kampf gegen ihre Erzrivalen Klaffenböck/Parzer wurden Jörg Steinhausen und sein Co Trevor Hopkinson zwar nur Vierte hinter Webster/Woodhead, Hanks/Biggs und den Österreichern. In der WM-Tabelle führt der Deutsche aber vor dem Heimspiel in Oschersleben am 1. September mit 119 WM-Punkten vor dem Engländer Abbott (107), in Brands Hatch Fünfter.Foggy Petronas RacingShow PremiereMit beeindruckendem Hospitality-Palast und vorbildlich eingerichteter Box zeigten sich Carl Fogarty und sein FPR-Team erstmals der Öffentlichkeit und manifestierten damit die Ernsthaftigkeit ihres Superbike-Unternehmens. Darüber hinaus stimmten der vierfache Weltmeister selbst sowie seine Fahrer Troy Corser und James Haydon die englischen Fanmassen in Brands Hatch mit einigen Demonstrationsrunden auf dem neuen 900er-Dreizylinder schon mal auf die Superbike-WM-Saison 2003 ein.

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