Superbike-WM in Brands Hatch/GB (Archivversion) Abschieds-Sieg

James Toseland setzte sich selbst mächtig unter Druck. Am Donnerstag vor dem Heimspiel in Brands Hatch hatte er offiziell seinen Wechsel in die MotoGP-WM bekannt gegeben (siehe Kasten rechts). Damit wurde sein diesjähriger Auftritt vor den weit über 80000 Fans unweigerlich zur Abschiedsvorstellung, denn der britische Grand Prix wird auf absehbare Zeit mit Sicherheit nicht in Brands Hatch stattfinden.
Aber der gute James musste vorher unbedingt noch was erledigen. »Ich fahre seit 1998 in der Supersport- und Superbike-WM und habe noch nie in Brands Hatch gewonnen. Das ist ein unmöglicher Zustand für einen englischen Fahrer«, machte der Ten-Kate-Honda-Werksfahrer sein Ziel für das Heimspiel klar, »und ich habe nur noch dieses Wochenende, das zu ändern.« Von Anfang an bestimmte er das Geschehen an der Spitze des ersten Rennens und hatte – zum ersten Mal in Brands Hatch –auch das Glück auf seiner Seite.
Weltmeister Troy Bayliss und Noriyuki Haga, nach der Form in den Trainings-tagen die Einzigen, die Toselands Pro-jekt Abschiedssieg hätten stören können, brachten sich unabhängig voneinander vorzeitig aus dem Spiel. Bayliss hatte mit seiner Werks-Ducati an der Startlinie verdächtig früh gezuckt, weshalb er anschließend mit einer Boxendurchfahrtsstrafe rechnete und als die nicht kam, gar mit Schlimmerem: »Ich hatte befürchtet, das ‚Ride-through‘-Signal übersehen zu haben, und erwartete eigentlich die schwarze Flagge.« Aber auch die kam nicht. Der Start war offiziell korrekt, Bayliss in seiner Konzentration indes offensichtlich derart gestört, dass er in Runde fünf beim Anbremsen der Druids-Rechtskehre ausrutschte.
Haga ließ sich immerhin bis in die 17. von 25 Runden Zeit, bevor er von seiner Yamaha purzelte. Er konnte weiterfahren und noch Rang sieben erkämpfen. Für James Toseland jedoch war der Kampf beendet – und zwar erfolgreich. Mit knapp zwei Sekunden Sicherheitsabstand holte er seinen ersten Brands-Hatch-Sieg, vor Hagas Yamaha-Kollegen Troy Corser und Max Biaggi, der auf seine alten Tage mit der Alstare-Corona-Suzuki noch eine neue Rennstrecke lernen musste, was er mit Rang drei eindrucksvoll erledigte.
Während Bayliss im zweiten Rennen mit Reifenproblemen auf Rang sieben endete, setzte Haga, als Zweiter des aktuellen WM-Stands nicht ganz chancenlos auf den Titel, Tabellenführer Toseland über die gesamte Renndauer massiv zu. Aber James Toseland hatte noch eine andere Mission zu erfüllen. »Ich konnte selbst in meinem Weltmeisterjahr 2004 nie beide Superbike-Rennen eines Events gewinnen. Dieses Manko musste schließlich auch noch beseitigt werden«, so der strahlende Sieger.
Ebenfalls strahlen konnte Toselands Teamkollege aus der Supersport-WM. Kenan Sofuoglu wurde mit einem sicheren zweiten Platz hinter Yamaha-Fahrer Broc Parkes vorzeitig Supersport-Weltmeister, als sechster Ten-Kate-Honda-Fahrer in Folge und vor allem als erster türkischer Motorsportler überhaupt. Mtr

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