Superbike-WM in Brünn/CZ (Archivversion) Römisches Reich

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Jetzt fahren wir nach Brünn, da gewinnt sowieso Max Biaggi.« Tausendmal gehört haben wir diesen Spruch in den vergangenen zwölf Jahren im Grand-Prix-Fahrerlager, und meistens machte es der selbst ernannte römische Imperator tatsächlich wahr. So waren die Erwartungen auf der wundervollen Berg-und-Tal-Bahn mit ihren vielen schnellen, flüssigen Kurven an und für den siebenfachen Brünn-Sieger (viermal 250er, zweimal 500er, einmal MotoGP) auch nach seinem Umstieg in die Superbike-WM ziemlich klar, obwohl in dieser Klasse noch weitere Fahrer An-sprüche auf den Ruf eines Brünn-Spezialisten anmelden können.
Noriyuki Haga zum Beispiel, auf der Werks-Yamaha R1 vor zwei Jahren vom desaströsen 18. Startplatz zum Sieg geflogen, stand in diesem Jahr nach ganz anderer Trainingsleistung auf der Pole Position; dazu natürlich Tabellenführer James Toseland, der auf seiner Ten-Kate-Honda mit größter Kampfkraft den Superbike-WM-Titel erzwingen will, um anschließend zügig in die MotoGP-WM aufsteigen zu können (siehe auch Seite 138). Nicht vergessen darf man außerdem Biaggis Teamkollegen im Alstare-Corona-Extra-Suzuki-Werksteam. Der heuer in seiner Form ziemlich instabile Japaner Yukio Kagayama hatte schließlich im Vorjahr beide Superbike-WM-Rennen in Brünn gewonnen. Von Ducatis Aus­hängeschild, Weltmeister Troy Bayliss, ist dagegen in Tschechien normalerweise weniger zu erwarten.
Die beiden Rennen bestätigten die Vorwetten weitgehend. James Toseland versuchte mit einem Blitzstart vom vierten Startplatz in der ersten Reihe, von Beginn an den gefürchteten Posi-tionskämpfen auf der sehr breiten Strecke zu entfliehen, die vor und in fast jeder Kurve gleich eine ganze Reihe von erfolgver­sprechenden Kampflinien anbietet. Denn inzwischen kennt längst nicht mehr nur Seriensieger Biaggi die beste Art, in Brünn schnellstmöglich und somit eventuell auch zum Sieg zu fahren: perfekter Start und dann in Ruhe an der Spitze auf der Ideallinie seinen Vorsprung ausbauen. Ist dies ungestört möglich, haben die Gegner keine Chance. Bleibt dagegen ein kämpfender Pulk zusammen, muss wegen der zahlreichen Überholmöglichkeiten jeder Fahrer ununterbrochen seine Position verteidigen. Die durch die große Streckenbreite für Angriffe anfällige Ideallinie rückt dadurch in weite Ferne, und das Renntempo wird langsamer.
Max Biaggi jedoch erkannte Toselands Fluchtplan rechtzeitig und einigte sich bald auf einen vorübergehenden Waffenstillstand mit Haga und Kagayama. Im Stile einer gut funtkionierenden Mannschaft schnupfte das Trio Toselands Vorsprung auf und flog am potenziellen Weltmeister vorbei. Der 24-jährige Brite schaute sich das Spitzen-Trio einige Runden von hinten genau an – und schlug zurück. Mit der ihm eigenen Entschlossenheit zwängte er sich wieder zurück an die Spitze und siegte tatsächlich vor Brünn-Hausmeister Biaggi, der im Ziel als Folge eines vom Hinterrad der Toseland-Honda aufgewirbelten Steins eine Risswunde im linken Zeigefinger und eine beschädigte Suzuki-Verkleidung zu beklagen hatte. Biaggis Teamkollege Kagayama konnte das Duell um Platz drei gegen Noriyuki Haga für sich entscheiden.
Das zweite Rennen, in der Aufwärmrunde wegen leichten Regens abgebrochen und verspätet als Regenrennen und damit ohne die Option, aus Wettergründen abbrechen zu können, neu gestartet, blieb schließlich doch von Schauern verschont. Biaggi konnte sich im letzten Renndrittel zwingend von Toseland und Haga absetzen und standesgemäß gewinnen, Kagayama war mal wieder früh gestürzt. Nitro-Nori Haga wurden am Schluss noch vom italienischen Jungangreifer Michel Fabrizio auf Honda vom Podest gestoßen, der sich im Windschatten seines großen Landsmanns allmählich ebenfalls zum Brünn-Spezialisten entwickelt.
Der Deutsche Max Neukirchner hatte in Brünn erstmals einen 2006er-Werksmotor in seiner Suzuki, wurde aber von Reifenproblemen auf die Ränge neun und zwölf zurückgeworfen.
In der Supersport-WM näherte sich Kenan Sofuoglu dem WM-Titel mit einem einsamen Sieg ein großes Stück. mtr
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