Superbike-WM in Donington/GB (Archivversion) Gorch Fog

Mit Carl Fogarty fährt das Superbike-Flaggschiff Ducati wieder unter vollen Segeln. Der Engländer übernahm bei seinem Heim-Rennen die Führung in der Superbike-WM.

Regen war und bleibt das zentrale Thema in der Superbike-WM 1997 - selbst wenn er gar nicht fällt. Im mittelenglischen Himmel über Donington Park hingen nach zwei trockenen Trainingstagen am Renntag nämlich massiv drohende Regenwolken. Und ausgerechnet Lokalmatador Carl Fogarty wurde ihr einziges Opfer. Der englische Nationalheld bekam zum ersten Rennen von seiner Ducati-Werks-Crew, die ihm immerhin zu den WM-Titeln 1994 und 1995 verholfen hatte, die falsche Maschine in die Hand gedrückt. »Die haben mir die für Regen vorbereitete Maschine gegeben«, erklärte Foggy nach dem dennoch hart erkämpften zweiten Platz in Rennen eins, »deren Federung war natürlich viel zu weich abgestimmt.«Um so erstaunlicher, daß er über weite Strecken des ersten Laufes die Spitzengruppe mit seinem Teamkollegen Neil Hodgson und dem italienischen Ducati-Markengefährten Pierfrancesco Chili kontrollieren konnten. Dahinter aber näherte sich unaufhaltsam Aaron Slight, »nach meinem wie gewohnt katastrophalen Start«, wie der Neuseeländer im Ziel grinsend erzählen konnte. Denn er erlegte die drei Ducati-Musketiere, einen nach dem andern, auf die selbe Weise. Jeweils am Ende der Hangar-Geraden, dem einzigen Vollgas-Stück in Donington, setzte Slight seine Honda neben die Ducati und überließ den Rest der Arbeit seiner brachialen Brembo-Bremse. Erst schnappte er sich Chili, dann Hodgson und schließlich den in Führung liegenden Carl Fogarty.Doch nicht nur Abstimmung und Bremsen, auch die Reifen waren in Donington ein heikles Thema.Bei Michelin beklagten sich die meisten Fahrer wie die beiden Sieger über mangelnde Traktion. Offenbar sind die neuentwickelten 1997 Pneus nicht der erhoffte Fortschritt gegenüber dem Vorjahr. Die Dunlop-Teams tauchten derweil tief in die geheimnisvollen Zahlenkombinationen der Typenbezeichnungen ein. Und einer tauchte sehr erfolgreich wieder auf. Kawasaki-Werksfahrer Simon Crafar profitierte in der Endphase des ersten Rennens zunächst vom Sturz des viertplazierten Chili und dann von der intensiven Beratung seines Teamchefs Harald Eckl. Denn nach nur mäßigem Start war der Gentleman unter den Superbikern ständig auf dem Vormarsch und beendete seine Aufholjagd mit kaum nachlassendem Grip auf Rang drei.Das zweite Rennen sah zunächst einen rehabilitationswütigen Franky Chili. Der Ducati-Werkspilot im Gattalone-Team übernahm nach wenigen Runden von Fogarty die Spitze und machte sich auf und davon. Aber nur, bis Foggy es an der Zeit fand, sich die beim WM-Promoter Flammini schon länger bereitstehende Trophäe für seinen 40. Superbike-WM-Sieg tatsächlich auch abzuholen. Der Mann mit den feurigsten Augen auf den Rennpisten dieser Welt forcierte gegen Rennmitte, schnappte sich Chili und packte einen beruhigenden Vier-Sekunden-Vorsprung zwischen sich und Aaron Slight, der zwischenzeitlich aus den Untiefen des Mittelfelds ebenfalls an Chili vorbei auf Rang zwei vorgedrungen war. »Es ist verrückt«, lachte der glückliche Fogarty im Ziel, »da habe ich das ganze letzte Jahr Probleme gehabt, mich von der Ducati auf die Honda umzustellen. Und jetzt fahre ich die Ducati wie eine Honda - mit viel zu hoher Drehzahl und dadurch großer Unruhe im Fahrwerk.«Mit seinem dritten Platz rundum zufrieden hatte Crafar dann Eigenartiges zu berichten: »Meine Reifen fühlten sich eigentlich gar nicht so gut an. Ich hatte kein sehr komfortables Gefühl auf der Maschine. Erstaunlicherweise aber ließen sie am Ende kaum nach. So hatte ich im Finale auf einmal einen Reifenvorteil.« Hinter dem einheimischen Trio Niall Mackenzie (Yamaha Britain), Jamie Whitham auf der Werks-Suzuki und Red Bull-Ducati-Fahrer John Reynolds rundete Aaron Slights Honda-Teamkollege John Kocinski die Top-ten ab und verlor so seine WM-Führung. Die Fahrer aus der deutschen Superbike-Meisterschaft bewegen sich im Mittelfeld. Fleißigster Punktesammler war Zweibrücken-Sieger Gregorio Lavilla aus Spanien auf der De Cecco-Ducati mit zwei 13. Plätzen. Die beste Einzelplazierung schaffte der deutsche Meister Christer Lindholm aus Schweden als Zwölfter im Lauf eins, bevor er sich beim Start zum zweiten Rennen die Kupplung verbrannte und aufgeben mußte. Und den letzten Punkt der Veranstaltung als 15. im zweiten Rennen sicherte sich nach Rang 17 im ersten Lauf der österreichische Ducati-Fahrer Andreas Meklau, der von einer massiven Erkältung geplagt wurde, die er sich am Mittwoch vor dem Rennen ausgerechnet bei der Eröffnungsparty der Kart-Bahn in der Nähe des A1-Rings Austria eingefangen hatte.Paolo Casoli hieß der überragende Sieger des seit seiner Aufwertung zum Weltcup boomenden Supersport-600-Felds. »Sie ist einfach viel leichter zu fahren, weil sie weniger Leistung hat als das Superbike.« Dies war bereits die überraschende Enthüllung des Italieners auf die Frage nach dem Geheimnis seiner überlegenen Trainingszeit in Donington Park. Nach dem Rennen stellt sich nur noch die Frage, ob die Ducati 748 des Gia.Co.Moto-Team noch mal in der Leistung zurückgenommen wurde. Denn Unterstatement-Spezialist Casoli legte ein Gala-Solo auf den mittelenglischen Asphalt, das seine Konkurrenten schon nach wenigen Runden nicht mehr sehen konnten. Der beeindruckende Start-Ziel-Sieg wurde allerdings begünstigt von einem fürchterlichen Abflug seines Hauptwidersachers. Titelverteidiger Fabrizio Pirovano stürzte schon in der ersten Runde in der schnellsten Kurve der Srecke und kam mit einer Gehirnerschütterung und Verdacht auf ein gebrochenes rechtes Sprunggelenk recht glimpflich davon. Wesentlich besser zogen sich die deutschen Teams aus der Affäre. DNL-Ducati Fahrer Thomas Körner wurde nach diskretem Start und einer bravourösen Aufholjagd noch Zweiter und hatte dabei einen sehr heiklen Moment. Als er sich in einer sehr engen Haarnadelkuve an Yamaha-Fahrer Vittorio Guareschi auf Rang drei vorbeibremste, unterlief Körner am Kurvenausgang ein Highsider. Der Italiener war hinter ihm bereits voll am Beschleunigen, knallte ins Heck der deutschen Ducati und stürzte. »Ich habe davon gar nichts gemerkt«, hatte Körner zu seiner Entschuldigung zu sagen. Den zweiten Rang erbte der Schwabe dann möglicherweise wegen einer typischen Eigenschaft eines Landsmannes. Den Suzuki-Fahrer Stéphane Mertens aus Belgien ging kurz vor dem Ziel der Sprit aus, wodurch er hinter Körner auf Rang drei zurück fiel. Mertens’ Teamchef heißt Peter Rubatto, kommt aus Oberschwaben und hat vielleicht seiner Sparsamkeit ein bißchen zuviel Freilauf gelassen. Dennoch war die Stimmung im Team nicht zu schlecht. »Wir sind ein kleines Privatteam aus Meckenbeuren und sind in den ersten beiden Läufen Zweiter und Dritter geworden«, resümiert Rubatto. Ebenfalls erwähnenswert ist der neunte Platz von Yamaha-Laaks-Fahrer Jörg Teuchert, der nach verpatztem Start aus dem Niemandsland des Hinterfelds nach vorn kam. Bernhard Schick auf der Bohnhorst-Ducati wurde 15.

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