Superbike-WM in Imola/Italien (Archivversion)

Jagdfieber

Beflügelt von seiner Siegesserie war Colin Edwards in Imola nicht zu schlagen. Titelverteidiger Troy Bayliss hatte trotz Top-Form keine Chance.

Dass die 97000 Zuschauer rund um den Circuito Enzo e Dino Ferrari am Stadtrand von Imola von vier Führungswechseln in der allerletzten Runde der Superbike-WM-Saison 2002 fast in den Wahnsinn getrieben wurden, war nur noch die Zugabe. Honda-Werksfahrer Colin Edwards, vor allem aber der zu diesem Zeitpunkt bereits entthronte Weltmeister und Ducati-Held Troy Bayliss kämpften mit allergrößter Hingabe um diesen Sieg.Denn entschieden war die WM schon einige Runden früher. Vor dem finalen Rennen lag Bayliss sechs Punkte hinter dem Honda-Solist und war somit auf die Hilfe seines Nummer-zwei-Piloten Ruben Xaus angewiesen. Nur wenn es dem langen Katalanen gelingen würde, vor Edwards ins Ziel zu fahren, hätte ein Sieg Bayliss den Titel retten können.Genau aus diesem Grund forcierte Edwards, nach mäßigem Start aus der Pole Position zunächst nur Dritter, das Tempo in schier unglaublicher Weise. So gut wie in jeder Runde unterboten sowohl der Texas Tornado wie auch Noch-Champion Bayliss den bestehenden Rundenrekord von Troy Corser auf der Werks-Aprilia von 2001 deutlich. Edwards setzte sich schließlich an die Spitze. Und Bayliss musste erkennen, dass dieses Höllentempo sogar für seinen Adjutanten auf Rang drei zu heftig war, vom Rest der Superbike-Welt ganz zu schweigen.Der Noch-Weltmeister zwängte seine Ducati an Edwards vorbei und reduzierte prompt das Tempo um zwei Sekunden pro Runde. Und tatsächlich, Ruben Xaus reagierte sofort und ließ den Rückstand auf Bayliss/Edwards von drei auf weniger als eine Sekunde schrumpfen. Aber Colin Edwards wollte im Kampf »allein gegen die Mafia« nicht untergehen, erhöhte seinerseits den Druck auf Bayliss, holte sich die Spitzenposition zurück, führte seinen australischen Gegner wieder in die Höhen der Rekordrunden, und der Käse war gegessen. Xaus kam nicht mehr mit. Der Weg war frei zum zweiten Edwards-Titel nach 2000 und zu diesem atemberaubenden Herzschlag-Finale, das vor allem für Ex-Weltmeister Bayliss und seine kämpferische Einstellung spricht. Denn er hätte ja auch, geschlagen und zermürbt, Edwards einfach ziehen lassen können.Abgesehen von der grandios gewonnenen WM-Entscheidung herrschte in Imola jedoch nichts als Verwirrung um den neuen Weltmeister, vor allem, was seine Zukunft angeht. Zwar hatte der Texaner schon am Freitag vor dem Rennen die sich seit Wochen wie Kaugummi durch viele Presseorgane ziehenden Meldungen um die sogenannte »Honda-Rückkaufsklausel im Erfolgsfalle« recht deutlich dementiert: »So eine Klausel gibt es in meinem Vertrag nicht.« Viel fröhlicher wirkte Ducati-Superbike-Teamchef Tardozzi deshalb aber nicht. »Ducati hat einen für die Superbike-WM 2003 gültigen Vertrag mit Colin Edwards, keinen Vorvertrag, keine Absichtserklärung, einen gültigen, bindenden Vertrag«, klärte der Italiener auf, um gleich wieder zu relativieren: »Was das heutzutage aber heißt, werden wir hoffentlich bald wissen.«Colin Edwards will entgegen früherer Bekundungen – »es sind mir einfach zu viele Idioten im GP-Fahrerlager« – doch gern in die MotoGP-WM wechseln, vor allem seit klar ist, dass der bezüglich seinen fahrerischen Fähigkeiten höchst umstrittene US-Superbike-Meister Nicky Hayden mit einer V5-GP-Honda verwöhnt wird. Bei Yamaha hatte sich der Texas Tornado offenbar selbst ins Gespräch gebracht. Auch zum neuen Kawasaki-GP-Team von Harald Eckl gab es Kontakte. Und plötzlich soll doch ein Honda-MotoGP-Angebot vorliegen, wobei über das endgültige Team noch nicht gesprochen wird.Der neue Superbike-Weltmeister versucht inzwischen, sich so gut es geht aus der Sache herauszuhalten: »Wo ich 2003 fahre, steht noch nicht fest.« Erstaunlicherweise ist Ducati-Chef Federico Minoli persönlich über diese Bemerkung weit weniger echauffiert, wie er es angesichts eines gültigen Vertrags sein müsste. »Für Ducati«, so der Italo-Amerikaner freundlich, »wäre es eine große Ehre, wenn Colin Edwards, gerade auch als Weltmeister, mit unserer neuen 999 in der Superbike-WM 2003 starten würde.«Bei Edwards’ bisherigem Arbeitgeber Honda ist sich die Situation bezüglich der Superbike-WM 2003 ähnlich undurchschaubar. Zwar gaben die Japaner ihre Aufstellung für die Supersport-WM 2003 mit der neuen CBR 600 RR bekannt (siehe Superbike-Journal). Zu ihren Superbike-Aktivitäten dagegen gibt es keinerlei offizielle Aussagen. Die Abwerbung des Ducati-Vorzeige-Privatteams GSE mit den Fahrern James Toseland und Chris Walker, der Import des japanischen Cabin-Honda-Teams mit Sugo-Wild-Card-Sieger Makoto Tamada, der vorübergehende Rückzug, um 2004 mit einem neuen 1000er-V4-Motorrad wieder zu kommen – all dies gilt nach offiziellem Honda-Sprachgebrauch als »mögliche Option«. Aber wie wir wissen: Nichts ist unmöglich –außer vielleicht, dass Toyota in die Superbike-WM einsteigt.
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Superbike-WM Imola/I (Archivversion)

Supersport-WMEndlich HondaMit immer größer werdenden Geschützen griff Honda in den vergangenen Jahren nach dem Supersport-WM-Titel, der dem japanischen Motorrad-Giganten bislang noch fehlte. 2002 endlich sollte alles passen: Ein taugliches Basis-Motorrad, die CBR 600 FS, mit der niederländischen Ten-Kate-Struktur ein ganz hervorragendes Team, dazu formidable Pirelli-Reifen und Fabien Forêt, der französische Ultra-Spätbremser mit dem unorthodoxen Fahrstil, fügten sich zu einer kaum schlagbaren Kombination. Trotz dem aberkannten Sieg auf dem Eurospeedway Lausitz reichte ein vierter Platz beim Finale in Imola leicht zum WM-Titel vor Suzuki-Alstare-Corona-Fahrer Katsuaki Fujiwara, der das Rennen vor seinem Teamkollegen Stéphane Chambon gewinnen konnte. Für die beiden deutschen Yamaha-Fahrer endete die Saison unterschiedlich. Ex-Weltmeister Jörg Teuchert war als Fünfter einigermaßen zufrieden, während Christian Kellner trotz intensivster Dauerbetreuung seines Physiotherapeuten Martin Grill nicht starten konnte. Ein Bänderriss in der Schulter nach dem Assen-Horror-Sturz behinderte ihn zu sehr. Kellner ist Sechster, Teuchert Achter der WM.Gespann-WMSteinhausen VizeWegen eines ebenso kuriosen wie schweren Unfalls wurde das Gespann-WM-Finale abgebrochen. Der britische Co-Pilot Mike Frith brachte seinen rechten Unterarm zwischen Seitenwagenrad und Karosse und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Bei Abbruch des Rennens lag das deutsch-britische Team Jörg Steinhausen/Trevor Hopkinson auf Rang drei hinter Klaffenböck/Parzer und Webster/Woodhead. Dem 47-jährigen Steve Abbot mit Co James Biggs reichte Rang fünf, um mit Steinhausen in der WM-Tabelle bei 151 Punkten gleichzuziehen und mit drei Saisonsiegen gegen einen des Deutschen den Titel abzustauben.Supersport 2003Totale AufrüstungSchon auf der Münchner Messe Intermot beeindruckten vor allem Honda, Kawasaki und Yamaha mit den jüngsten Versionen ihrer jeweiligen 600er-Supersport-Maschinen als hoffnungsfrohe Basis für die WM. Pünktlich zum Finale 2002 stellten Honda und Yamaha nun die Rennversionen der CBR 600 RR und der neuen Einspritzer-R6 vor. Auch in der am meisten mit der Serie verwandten WM-Klasse zeigen bereits die Homologations-Motorräder einen gnadenlosen Weg zum Rennstreckenerfolg auf.

Superbike-WM Imola/I (Archivversion)

Superbike: 1.Lauf:1. Colin Edwards (USA) Honda 38.17,3242. Troy Bayliss (AUS) Ducati -0,5143. Ruben Xaus (E) Ducati -8,6514. Neil Hodgson (GB) Ducati -20,3955. Noriyuki Haga (J) Aprilia -20,8136. James Toseland (GB) Ducati -37,4907. Pierfrancesco Chili (I) Ducati -41,4008. Gregorio Lavilla (E) Suzuki -42,8019. Broc Parkes (AUS) Ducati -42,99610. Ben Bostrom (USA) Ducati -49,38111. Chris Walker (GB) Kawasaki -53,45612. Alessandro Antonello (I) Ducati -1.02,55113. Steve Martin (AUS) Ducati -1.04,96214. Lucio Pedercini (I) Ducati -1.05,47315. Hitoyasu Izutsu (J) Kawasaki -1.08,86721 Runden = 103,583 kmSchnitt des Siegers: 162,334 km/hSuperbike: 2. Lauf:1. Colin Edwards (USA) Honda 38.13,1282. Troy Bayliss (AUS) Ducati -0,9803. Ruben Xaus (E) Ducati -6,1834. Noriyuki Haga (J) Aprilia -21,6475. Neil Hodgson (GB) Ducati -27,4036. James Toseland (GB) Ducati -34,1877. Gregorio Lavilla (E) Suzuki -41,6098. Broc Parkes (AUS) Ducati -41,8199. Ben Bostrom (USA) Ducati -49,38610. Hitoyasu Izutsu (J) Kawasaki -51,22311. Juan Bautista Borja (E) Ducati -51,41812. Chris Walker (GB) Kawasaki -1.23,21413. Lucio Pedercini (I) Ducati -1.26,78014. Steve Martin (AUS) Ducati -1.39,24915. Mauro Sanchini (I) Kawasaki -1.46,64921 Runden= 103,583 kmSchnitt des Siegers: 162,631 km/hSuperpole: Edwards in 1.48,336 min (163,920 km/h)Schnellste Rennrunde: Bayliss in 1.48,389 min (=163,843 km/h)WM-EndstandEdwards 552Bayliss 541Hodgson 326Haga 278Bostrom 261Xaus 249Toseland 195Chili 167Walker 152Lavilla 130Parkes 77Borja 74Pedercini 71Izutsu 62Borciani 55Supersport1. Katsuaki Fujiwara (J) Suzuki 40.15,1862. Stéphane Chambon (F) Suzuki -3,6613. Chris Vermeulen (AUS) Honda -4,5604. Fabien Forêt (F) Honda -9,1505. Jörg Teuchert (D) Yamaha -10,8506. Antonio Carlacci (I) Yamaha -17,8657. Iain MacPherson (GB) Honda -25,3618. Stefano Cruciani (I) Yamaha -40,3239. Christophe Cogan (F) Honda -41,06610. Robert Frost (GB) Yamaha -43,49911. James Ellison (GB) Kawasaki -44,67912. Robert Ulm (A) Yamaha -47,12313. Matthieu Lagrive (F) Yamaha -48,73214. Paul Young (GB) Honda -49,71115. Martin Laverty (GB) Honda -1.02,21721 Runden = 103,593 kmSchnitt des Siegers: 154,412 km/hPole Position: Fujiwara in 1.53,242 min (=156,820 km/h)Schnellste Rennrunde: Vermeulen in 1.54,064 min (=155,692 km/h)WM-Endstand:Forêt 184Fujiwara 181Chambon 162Casoli 128Pitt 126Kellner 94Vermeulen 90Teuchert 90MacPherson 83Whitham 80Curtain 56Corradi 56Bontempi 51Muggeridge 43Cogan 34

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