Superbike-WM in Kyalami/Südafrika (Archivversion)

Out of Africa

Auf der über 1600 Meter hoch gelegenen Kyalami-Piste am Rande der brodelnden südafrikanischen Metropole Johannesburg fiel der Startschuß zur Superbike-WM. Titelverteidiger Carl Fogarty und Ducati haben ihren Vorsprung weiter ausgebaut, mental wie technisch.

Davide Tardozzi, der Chef des Ducati-Werksteams in der Superbike-WM, beteuert es immer wieder: »Carl Fogarty und Troy Corser sind einfach die besten Fahrer. Sie bekommen absolut gleichwertiges Material. Das ist genauso wichtig wie die Qualität unserer Maschinen.« Tardozzi, für den 1996 Corser und 1998 Fogarty den Titel gewannen, ist eine ehrliche Haut. Man darf ihm dies glauben.Auch bezüglich der technischen Weiterentwicklung der Ducati 996 gibt sich der Teamchef offen: »In der zweiten Saisonhälfte 1998 hatten wir bereits die Zuluftführung verbessert, außerdem bekam der Motor drei statt früher zwei Einspritzdüsen pro Zylinder. Jetzt haben wir noch die Zylinderköpfe angepaßt sowie die Strömung und die Ventilsteuerung optimiert.« Die offiziell 163 PS starken Werks-Ducati, schon vorher im Ruf traktorähnlicher Durchzugskraft, ließen beim aktuellen WM-Start in Südafrika sämtliche Gegner beim Beschleunigen am Kurvenausgang förmlich stehen. Und das ist gerade in Kyalami, wo nie schneller als 225 km/h gefahren wird, schon mehr als die halbe Miete zum Sieg. Und den Rest erledigt das Fahrwerk. »Unsere Maschinen sind jetzt auch wesentlich handlicher«, freut sich Tardozzi. Seine beiden Spitzenfahrer bestätigten den Erfolg der Öhlins-Fahrwerkstechniker, die der Ducati ein neues Federbein spendiert haben, und vor allem neue Gabeln mit enger beieinander stehenden 42- Millimeter-Gabelholmen.Kalt und ohne Begeisterung wie immer holte Troy Corser vor Carl Fogarty den ersten Startplatz in der Superpole-Qualifikation. In den beiden Rennen aber hatte sich Corser im Reifenpoker verzockt. Sein Ducati-Teamkollege hatte die glücklichere Hand mit dem pechschwarzen Gold und siegte in beiden Rennen mit dramatischer Überlegenheit. Einmal gewann Fogarty vor Corser und Hondas Nummer- eins-Pilot Aaron Slight, im zweiten Heat tauschten die Verfolger die Plätze.Hauptgegner Honda will den drohenden Ducati-Triumphzug mit bewährter Hochtechnik möglichst wieder erschweren. Die Homologation der in der Serienversion längst nicht mehr produzierten Honda RC 45 wurde unmittelbar vor Saisonbeginn ein zweites Mal, nun bis Ende 2000, verlängert. Und angesichts der überlegenen Power des offiziell 180 PS starken 750er V4-Triebwerks finden sich die wichtigen 1999er Modifikationen der RC 45 am Fahrwerk. Auch hier gibt es neue Gabeln von Showa, die vor allem im Grenzbereich sensibler reagieren und damit auf welligen Strecken große Vorteile bieten sollen. Die neuen Brembo-Bremsen mit Radialzangen finden dagegen bei den Fahrern wenig Gegenliebe.Kawasaki verließ Kyalami nicht unglücklich. Akira Yanagawa schaffte die Plätze sechs und fünf. Team-Neuling Gregorio Lavilla wurde Achter und Sechster, obwohl er große Probleme mit dem Fahrwerk hatte. »Die ZX-7RR verlangt einen sehr harten, fast brutalen Fahrstil«, erklärt Teamchef Harald Eckl, »das ist seit längerem bekannt. Und Akira Yanagawa kommt damit hervorragend zurecht. Das Motorrad ist aber dennoch extrem handlich, und das macht dann ein perfektes Fahrwerks-Set-up sehr diffizil.«Technisch ist das letzte verbliebene Vergaser-Superbike nur dezent weiterentwickelt worden. »Alles entscheidend ist das Fahrwerk, und da scheinen wir nicht so schlecht zu liegen, entdecke ich doch einige sehr bekannte Lösungen, wenn ich mir die 1999er Werks-Suzuki genauer anschaue«, grinst Eckl. Auch das eklatante Leistungsmanko der mit 158 PS angegebenen Werks-Kawasaki zur RC 45 beunruhigt den Bayern nicht: »Die Honda hat sicher rund 20 PS mehr als wir. Aber auch die Superbikes sind an der Grenze des Sinnvollen. Es geht viel mehr um Beschleunigung und Fahrbarkeit als um die schiere Kraft.«Alles frisch ist das Motto bei Suzuki. Das Werks-team wird jetzt von der Supersport-Meisterequipe Corona-Alstare gebildet. Endlich werden auch die Einspritzer-Motoren eingesetzt. Und dazu kommt mit dem bei Ducati in Ungnade gefallenen italienischen Volkshelden Pierfrancesco Chili ein neuer Top-Fahrer. »Hast du gesehen, wie Fogarty mir aus den Kurven heraus davonfährt?« resümierte Chili sein wechselvolles Wochenende, das ihm die Ränge sieben und acht bescherte, »wir haben noch viel zu wenig Leistung in allen Bereichen.« Teamchef Francis C. Batta zog ebenfalls ein durchwachsenes Faizit: »Die Einspritzer-Motoren sind noch zu schwach. Das macht es schwierig, die neuen Fahrwerksteile schon optimal einzusetzen.« Bei Yamaha ist das Motorrad komplett neu. »Wir haben jetzt endlich eine hochmoderne Rennmaschine mit perfekter Fahrwerksgeometrie, steiler Gabel und extrem langer Schwinge«, freut sich Teamchef Davide Brivio. Das Potential des 170 PS starken 750er Einspritzer-Motors konnte das Team beim Saisonstart längst noch nicht ausschöpfen. Aber offenbar ließ sich Kamikaze Noriyuki Haga davon nicht sehr beeindrucken. Obwohl seine neue Wunderwaffe beim Topspeed das langsamste Werks-Superbike war, hetzte er die R7 im ersten Rennen auf Rang vier, mußte jedoch im zweiten Rennen auf Rang zwei zu Boden. Bereits im ersten Lauf mußte auch Aprilia-Werksfahrer Peter Goddard Bekanntschaft mit der roten Erde Afrikas machen. Und spätestens da zeigte sich in aller Deutlichkeit, wie geheim das jüngste Projekt aus Venetien ist. Nur wenige Minuten nach dem Sturz war Chefingenieur Giuseppe Bernicchia mit zwei Mechanikern und einer Decke zur Stelle, um die gestrandete RSV mille vor neugierigen Kamera-Blicken zu schützen. Immerhin ließ sich Bernicchia grundsätzliche Überlegungen zum Thema Zylinderwinkel entlocken: »Wir haben bisher keine thermischen Probleme, wie von vielen prophezeit. Hier hat der V-60-Grad-Twin also keine Nachteile gegenüber größeren Winkeln. Dafür erlaubt uns die kompakte Bauweise, ein der 250er ähnliches Fahrwerk zu bauen.« Strengster Geheimhaltung unterliegt auch die freie Sicht auf den neben den Ducati zweiten 1000er Zweizylinder im Feld. »Wenn wir euch ein Foto ohne Verkleidung erlauben, reißt uns Renndirektor Jan Witteveen den Kopf runter, noch bevor wir wieder zu Hause in Italien sind«, grinste Aprilias Teammanger Fernando de Ceccho. Aber manchmal tun wir nicht nur, was uns erlaubt ist. Das Foto ist im Heft, und die Köpfe von de Ceccho, Bernicchia und Goddard sind sicher noch drauf, denn im zweiten Rennen kam das schwarze Geheimnis auf einem ermutigenden siebten Rang ins Ziel.
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parc fermé (Archivversion)

Robert UlmEiner, der aufsteigt1998 wurde der 26jährige Österreicher Robert Ulm Zehnter der Supersport 600-Weltserie auf Yamaha. Im Winter glänzte er mehrfach bei Superbike-Testfahrten und wurde schließlich beim italienischen Kawasaki-Importeursteam Bertocchi unter Vertrag genommen, das zu diesem Anlaß mit dem neugegründeten Team des österreichischen Druckereibesitzers Gerin vereinigt wurde. Und gleich beim Auftakt in Kyalami zeigte die Italo-Austria-Truppe ihre Schlagkraft. Ulm trieb die Kit-Kawasaki in den Trainings phasenweise bis auf Rang sieben vor die beiden Werks-ZX-7RR von Akira Yanagawa und Gregorio Lavilla. Im Rennen blieben dann die Ränge zehn und elf. »Aber ich bin eher vorsichtig gefahren«, so Ulm, »ich wollte nicht gleich am Anfang auf die Nase fallen.« Immerhin lag er damit vor dem deutschen Meister und österreichischen Nationalhelden Andreas Meklau, der im ersten Lauf Zwölfter wurde und im zweiten Rennen mit zu knapp kalkuliertem Benzinverbrauch strandete.Lance IsaacsNew South AfricaLance Isaacs ist 20 Jahre alt, der erste Südafrikaner in der Superbike-WM und der erste Fahrer mit dunkler Hautfarbe. »Eigentlich sollte ich nur hier in Kyalami die Ducati des italienischen NCR-Teams fahren«, schildert der frühere BMX-Fahrrad-Crosser, »aber dann hat sich mein Hauptsponsor Vodacom entschlossen, die ganze Saison abzusichern.« Vodacom ist die führende Telefongesellschaft in Südafrika und nebenbei auch Mehrheitseigner der Rennstrecke in Kyalami. Isaacs war übrigens nur verbal beeindruckt von der Ducati-Power. »Dieses Ding hat 60 PS mehr als alles, was ich bisher gefahren bin«, erklärte der bisherige Honda-Supersport 600-Mann. In den Rennen erreichte er zwei respektable 14. Ränge, holte vier WM-Punkte und schlug Alessandro Gramigni, der 1992 immerhin 125er Weltmeister war.Superbike-WM 2000Drei deutsche Rennen?Erstmals bei einem Motorrad-Rennen war der Geschäftsführer der neuen ADAC Motorsport GmbH, Hans-Jürg Weick, im früheren Leben als Geschäftsführer des Verbandes ITR einer der maßgeblichen Macher der Deutschen Tourenwagen-meisterschaft. »Motorradrennsport ist eine völlig andere Welt. Etwas weniger professionell zwar, aber dafür ist das, was die Fahrer zeigen, einfach unglaublich«, so Weick, der 1999 für alle deutschen WM-Rennen (Grand Prix Sachsenring, Superbike-WM Nürburgring und Hockenheim) verantwortlich ist. Außer vielen neuen Eindrücken brachte Weick auch erstaunliche Informationen aus Südafrika zurück. »Superbike-Promoter Maurizio Flammini hat in Aussicht gestellt, daß im Jahr 2000 in Oschersleben ein drittes WM-Rennen in Deutschland stattfinden könnte.« Die Voraussetzungen sind aber auch klar: Der Nürburgring-Event darf nicht wieder ein ähnlicher Flop werden wie 1998.

Supersport 600-WM (Archivversion) - Freud und Leid

Das neugegründete Yamaha Deutschland-Racing-Team lag sich nach der Premieren-Vorstellung der Supersport 600-WM überglücklich in den Armen. In einem stetigen Aufwärtstrend, der nach vorsichtigem Abtasten im ersten freien Training über das gesamte Wochenende anhielt, stürmte der zweifache deutsche Supersport-Meister Jörg Teuchert mit der Yamaha R6 auf Podestrang drei. Und sein Teamkollege Christian Kellner wurde Vierter. Damit war das deutsche Duo hinter Sieger Iain MacPherson von Harald Eckls Kawasaki-Team und Suzuki-Werksfahrer Stépahne Chambon klar bestes Yamaha-Team.»Das Ergebnis ist unglaublich«, jubelte Teamchef Udo Mark, » unser Ziel hier waren Plätze um zehn, und jetzt hätten wir fast beide Fahrer aufs Podest gebracht. Wahnsinn.«Zu diesem Zeitpunkt wußte aber weder Udo Mark noch die meisten anderen der Supersport-Szene von dem Desaster, in das auch das eigentliche Yamaha-Spitzenteam, die italienische Belgarda-Crew verwickelt war, dessen erklärter Titelfavorit Piergiorgio Bontempi chancenlos außerhalb der Punktränge blieb. Weit schlimmer aber war die Verkettung von mehreren Stürzen, in die auch der zweite Belgarda-Fahrer Massimo Meregalli involviert war.Der südafrikanische Supersport-Meister Brett Macleod hatte nach einem Blitzstart an die Spitze des Felds noch in der ersten Runde heftige Zündaussetzer an seiner Suzuki und war innerhalb einer halben Runde etwa auf Rang zehn zurückgefallen, als ausgangs der Schikane vor der Zielkurve vor ihm der französische Honda-Fahrer William Costes stürzte. Macleod konnte zwar sowohl dem am Boden rutschenden Costes wie auch dessen Maschine ausweichen, stieß aber während seines Ausweichmanövers, möglicherweise wegen erneuter technischer Probleme an seiner Maschine, mit Meregalli zusammen. Beide kamen zu Sturz, Meregalli brach sich das rechte Handgelenk, Macleod hatte alles Pech der Welt auf sich vereint. Er wurde vom nachfolgenden Ducati-Fahrer Davide Bulega überfahren und verstarb noch an der Unfallstelle. Das Rennen wurde sofort abgebrochen und neu gestartet.Die übrigen Fahrer wurden erst längere Zeit nach dem Rennen von der Katastrophe informiert.

Ergebnisse (Archivversion)

1. Lauf: 1. Carl Fogarty (GB), 25 Runden in 43.35,637 min ( = 146,821 km/h), 2. Troy Corser (AUS), beide Ducati, 3. Aaron Slight (NZ) Honda, 4. Noriyuki Haga (J) Yamaha, 5. Colin Edwards (USA) Honda, 6. Akira Yanagawa (J) Kawasaki, 7. Pierfrancesco Chili (I) Suzuki, 8. Gregorio Lavilla (E) Kawasaki, 9. Doriano Romboni (I) Ducati, 10. Robert Ulm (A) Kawasaki, 11. Katsuaki Fujiwara (J) Suzuki, 12. Vittoriano Guareschi (I) Yamaha, 13. Andreas Meklau (A) Ducati, 14. Lance Isaacs (RSA) Ducati, 15. Alessandro Gramigni (I) Yamaha;2. Lauf: 1. Fogarty, 43.41,963 min ( = 146,467 km/h), 2. Slight, 3. Corser, 4. Edwards, 5. Yanagawa, 6. Lavilla, 7. Peter Goddard (AUS) Aprilia, 8. Chili, 9. Romboni, 10. Fujiwara, 11. Ulm, 12. Lucio Pedercini (I) Ducati, 13. Guareschi, 14. Isaacs, 15. Igor Jermon (SLO) Kawasaki;Schnellste Runde: Fogarty in 1.43,477 min ( = 148,45 km/h; Rekord);WM-Stand: 1. Fogarty 50 Punkte, 2. Slight und Corser, je 36, 4. Edwards 24, 5. Yanagawa 21, 6. Lavilla 18, 7. Chili 17, 8. Romboni 16;Marken-WM: 1. Ducati 50, 2. Honda 36, 3. Kawasaki 21, 4. Suzuki 17, 5. Yamaha 16, 6. Aprilia 9;Supersport 600: 1. Iain MacPherson (GB) Kawasaki, 23/41.52,104 min ( = 140,642 km/h), 2. Stéphane Chambon (F) Suzuki, 3. Jörg Teuchert (D), 4. Christian Kellner (D), 5. Russell Lee Wood (RSA), alle Yamaha, 6. James Toseland (GB) Honda, 7. Paolo Casoli (I) Ducati, 8. Wilco Zeeelenberg (NL) Yamaha, 9. David de Gea (E), 10. Wiliam Costes (F), beide Honda;Schnellste Runde: MacPherson in 1.48,343 min ( = 141,783 km/h).

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