Superbike-WM in Kyalami/Südafrika (Archivversion) African King

Erstmals eine Expedition auf den afrikanischen Kontinent wagte die Superbike-WM mit dem Trip nach Kyalami - hinter Pierfrancesco Chili als kaum umstrittenem Anführer.

Nur wenig Zeit hatten die Organisatoren für die Vorbereitung auf das erste Superbike-WM-Rennen auf dem afrikanischen Kontinent. Erst Mitte Mai war das Gastspiel auf der vor sieben Jahren völlig umgestalteten Traditionsstrecke in Kyalami, am Rande der brodelnden südafrikanischen Metropole Johannesburg, klar.Dennoch stellte das vom großen Rennsport etwas entwöhnte Team um den Sportdirektor des südafrikanischen Automobilclubs AA, Selwyn Nathan, außer vom AA selbst tatkräftig unterstützt von BMW Südafrika und der TV-Station Vodacom, in der kurzen Zeit eine gelungene Veranstaltung auf die Beine. »Die Superbike-WM kann für Südafrika der Durchbruch zum internationalen Motorsport sein«, erklärte Nathan, »dies wie auch die ermutigenden Vorverkaufszahlen waren unsere Motivation. 1999 wollen wir neben den Superbikes auch wieder die Formel 1 in Kyalami haben.« Und tatsächlich, rund 40000 Zuschauer am Sonntag lieferten den Rennen eine überraschend starke Kulisse.Promoter Maurizo Flammini sah schon im Vorfeld kaum Probleme. »Als wir Ersatz für das abgesagte Rennen im brasiliansichen Interlagos brauchten, war Kyalami von Anfang an mein Favorit«, so der Italiener, »ich kenne die Organisatoren und die Strecke hier gut. Die Superbike-WM ist nun eine echte Weltmeisterschaft, mit Rennen auf allen fünf Kontinenten - die einzige übrigens im Motorsport.«Die unmittelbar Beteiligten, Teams und Fahrer, fühlten sich durch die kurze Vorlaufzeit auch nicht behindert. »Die zentral organisierte Reiselogistik hat gut geklappt«, so Virginio Ferrari, Teamchef des ADVF-Ducati-Werksteams, « bleibt zu hoffen, daß es so weitergeht. Schließlich müssen wir schon in einer Woche auf der Strecke von Laguna Seca in Kalifornien sein.«Kawasaki-Teamchef Harald Eckl sah selbst das einzige strukturelle Problem in Kyalami als weniger gravierend an. »Wir fahren hier in rund 1600 Metern Meereshöhe. Das führt zu Leistungsverlusten, bei Honda und Ducati mit ihren Einspritzmotoren vielleicht etwas weniger, aber auch sie werden Leistung verlieren«, so der Bayer, »das einzige, was helfen würde, wären überarbeitete Motoren mit erhöhter Verdichtung. Doch dafür war die Zeit viel zu kurz.«Tatsächlich zeigten sich aber doch Abweichungen gegenüber der etablierten Superbike-Hierachie. Ganz vorn waren zwar die Ducati mit dem unwiderstehlichen Doppelsieger Pierfrancesco Chili sowie Carl Fogarty zweimal als Zweiter. Der völlig unglückliche Troy Corser konnte jedoch wegen eines Lecks in der Benzinleitung in der Warm up-Runde im ersten Rennen gar nicht starten und fiel im zweiten mit Motorproblemen auf Rang acht zurück. Und Gregorio Lavilla warf seine DeCecco-Ducati nach superbem dritten Platz im ersten Lauf in Rennen zwei schon frühzeitig der Spitzengruppe vor die Räder.Trotzdem sahen die ansonsten mindestens gleichwertigen Honda in Südafrika nur wenig Land. Als einzige beschwerten sich die beiden Honda-Werksreiter Aaron Slight und Colin Edwards über eine holprige Fahrbahn. »Außerdem haben wir dramatischen Leistungsverlust«, ergänzte der Neuseeländer Slight. Zwei achte Plätze waren ernüchternd, auch wenn der gute Aaron im zweiten Rennen als Lavilla-Opfer erst einmal seine RC 45 wieder aus dem Staub aufheben und hinter dem Feld her donnern mußte, was ihm am Schluß sogar noch um einen Punkt an Troy Corser vorbei an die Spitze der WM-Tabelle brachte.Sein Teamkollege Colin Edwards, im ersten Rennen gar nur Neunter, konnte im zweiten Rennen als Vierter hinter Haga wenigstens mit den anderen Vierzylinder-Fahrern mithalten, von denen in Kyalami vor allem die Suzuki-Piloten Peter Goddard und James Whitham herausragten. Nach einem Superstart fühlte sich Goddard im ersten Rennen auf Rang drei »lange Zeit wie ein Lokomotivführer, der seinen Zug nicht so recht unter Kontrolle hatte«. Denn hinter ihm drängelte nicht nur seine Freund Whitham, sondern auch Lavilla, Kawasaki-Werksfahrer Yanagawa, Haga und die beiden Honda-Fahrer Slight und Edwards. Vorbei kamen aber nur Lavilla und Whitham.Im zweiten Rennen wurde Goddard Sechster, während Whitham leider zu Boden mußte. »Anscheinend hatten wir ein glückliches Händchen mit der Motorabstimmung, aber Kyalami ist auch ganz klar eine Fahrerstrecke«, grinste Goddard am Ende.Auf diese Weise machte der Australier den beiden Ducati-Helden Chili und Fogarty ein größeres Kompliment, denn die beiden waren in beiden Rennen eine Klasse für sich. Fogarty führte im ersten Lauf bis in die vorletzte Runde, »obwohl meine Reifen völlig am Ende waren«, bevor Signore Chili sich bequemte, den Briten zu überholen. »Das hättest du ruhig ein bißchen früher machen können«, knurrte Foggy im Ziel, »das wäre ein bißchen netter gewesen.«»Ganz so einfach war’s auch wieder nicht«, relativierte der Sieger, der im zweiten Rennen mehr Fortune als Zugführer hatte als Goddard davor, »Carls Maschine beschleunigte nämlich etwas besser als meine.«Aber gegen Frankie Chili war trotzdem nichts zu machen, er war für drei Tage der König von Afrika.

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