Superbike-WM in Losail/Qatar (Archivversion) Supersport-WM

Honda wehrt ersten Angriff der außerirdischen R6 von Yamaha Deutschland Racing ab.

Yamaha-Deutschland-Teamchef Terrell Thien versuchte bis unmittelbar vor dem Saison-
auftakt-Rennen der Supersport-WM 2006 in Qatar, den Ball extrem bis verdächtig flach zu halten. Sämtlichen Vorschlusslorbeeren für die nagelneue Yamaha YZF-R6, Jahrgang 2006, begegnete der Hesse mit US-Pass recht massiv: »Unsere Saisonvorbereitungen laufen perfekt, speziell in Qatar aber sollte Ten-Kate-Honda mit seiner ausgereiften CBR 600 RR noch einen
klaren Vorteil haben, vor allem
auch angesichts vieler Testkilometer dort.« Im Training dann entdeckte die deutsche Yamaha-Crew Anpassungsschwierigkeiten des neuen Geräts auf die topfebene Wüstenpiste. »Offensichtlich sind durch
die fast buckel- und wellenfreie Strecke wesentlich höhere Schräglagen möglich als anderswo – denn plötzlich setzt die Fuhre bei unseren Fahrern Kevin Curtain und Broc
Parkes in Linkskurven auf.«
Unmittelbar vor dem Start, Curtain auf Platz drei in der ersten Reihe, Parkes auf der fünften Position in Reihe zwei, folgte dann der Gipfel an Tiefstapelei. »Alle neuen R6
haben riesige Probleme mit der Haltbarkeit des Vorderreifens«, so Thien, »es würde mich deshalb nicht wundern, wenn wir ab Runde neun, folglich noch vor Halbzeit der 18 Rennrunden, massiven Ärger bekämen. Am Ende müssen wir um jede Honda froh sein, die wir hinter uns lassen können.«
Den Samstagabend nach dem Rennen konnte Thien dann doch äußerst frohen Mutes am Hotelpool ge-
nießen, obwohl Broc Parkes nach einem Kupplungsdefekt gestürzt war. Kevin Curtain fuhr in Runde zwölf, also klar nach dem vorhergesagten Kollaps, seine schnellste Runde und ließ im Ziel nur eine Honda vor sich. Die gehörte Weltmeister Sébastien Charpentier.
Nach dem starken Auftritt von Vizeweltmeister Curtain, der bis wenige Runden vor Schluss die Ten-Kate-Honda unter Druck halten konnte, fand als Erster Motorenspezialist Marcus Eschenbacher aus der Ecke der Yamaha-Zweckpessimisten: »Wir stehen jetzt mit der neuen R6 ins-
gesamt ungefähr da, wo wir am Schluss mit der alten waren. Aber wir sind noch am Anfang und haben noch sehr viel Potenzial offen.«
Eine klare Kampfansage an die niederländische Weltmeister-Crew, die ihrerseits ein Trumpfass im Ärmel hat, welches speziell bei Yamaha-Deutschland zu tiefsinnigen Gedanken führen dürfte: Kenan Sofuoglu, im Vorjahr auf einer Yamaha R1 Vizemeister des Supersport-1000-FIM-Cups und fast der kompletten Belegschaft von Yamaha Deutschland in Neuß ans Herz gewachsen, fährt 2006 die Supersport-WM für Ten-Kate-Honda. Und wie: Schnellster im Regentraining, Zweiter in der Startaufstellung, Dritter im Rennen – das alles bei seinem ersten WM-Rennen überhaupt. mtr

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote