Superbike-WM in Monza/I (Archivversion) Triumph im Schatten

Das Castrol-Honda-Team und Colin Edwards erlebten einen eindrucksvollen Doppelsieg in Monza. Aber sie verloren auch ihren Supersport-Fahrer Michael Paquay durch einen tragischen Unfall.

Colin Edwards war ein überzeugender Sieger im königlichen Park von Monza. Über zwei Jahre mußte er warten, bevor er jetzt vor 52000 Zuschauern bei bestem Sommerwetter seinen ersten Superbike-WM-Sieg holen konnte. Und der 24jährige Texaner krönte den Tag mit einem weiteren Sieg im zweiten Rennen. Aber am linken Oberarm seiner Lederkombi trug er schwarzen Trauerflor, wie sein Castrol-Honda-Kollege Aaron Slight, der im ersten Rennen Zweiter wurde und im zweiten eingangs der letzten Runde in Führung mit Motorschaden ausgefallen war.Der Teamgefährte der beiden Honda-Werksfahrer, Michael Paquay aus Belgien, war bei einem Unfall im Training zum Supersport-600-Weltcup-Rennen tödlich verunglückt. »Der Unfall von Michael ist ein furchtbarer Schock für den gesamten Rennsport und speziell für unser Team«, so der trauernde Aaron Slight am Samstagabend, »wir müssen morgen etwas ganz Besonderes leisten, um wenigstens einigermaßen aufrecht Monza zu verlassen und Michael in gutem Andenken zu halten.«Der Neuseeländer selbst aus der Pole Position und Colin Edwards von Startplatz drei setzten dieses Vorhaben zweimal konsequent um. Das Honda-Duo bestimmte das Geschehen, unterstützt von ihren bärenstarken Werks-RC 45, die, auf der Hochgeschwindigkeitsbahn wieder mit der neuen Zweiarm-Hinterrad-Schwinge, ihre Übermacht in Sachen Motorleistung und Beschleunigung für die Konkurrenz kaum erreichbar ausspielen konnten.Alle drei Ducati-Werksfahrer setzten zwar zu Beginn beider Läufe die Honda-Zwillinge unter Druck. Pünktlich bei Rennmitte aber legten Edwards und Slight einen Zahn zu, und die Helden in Rot, Troy Corser, Pierfrancesco Chili sowie Carl Fogarty, mußten dem weiß-grün-roten V4-Express machtlos nachschauen. Die Endphasen beider Rennen wurden zum brüderlichen Showdown zwischen Edwards und Slight. »Ich habe zuerst dafür gesorgt, daß wir die Ducatisti abhängen konnten, und wollte Colin ausgangs der Parobolica-Kurve mit einem sehr genau geplanten Manöver auf dem Weg zur Ziellinie packen«, berichtete Aaron Slight nach Rennen eins, »aber ich hatte wohl zuviel Taktik im Kopf.« Mit einem ganz engen Weg zur Ziellinie wollte Slight seinen Junior-Partner abfangen. Aber Colin Edwards hatte aufgepaßt, und dem Kopfmenschen Slight fehlten 0,08 Sekunden. »Fünf Runden vor Schluß hielt ich den Sieg für möglich«, resümierte Edwards, »dann habe ich mich nicht mehr darum gekümmert, was Aaron im Schilde führt.«Das zweite Rennen wollte Slight wohl auf andere Weise für sich entscheiden. Er trieb seine Honda schon bei der vorletzten Zieldurchfahrt an Edwards vorbei. Just auf der Ziellinie, bei knapp 310 km/h, aber verendete das V4-Triebwerk mit Feuerzungen aus dem Gehäuse. »Es hätte ja auch eine Runde später passieren können«, haderte Aaron Slight.Aber der Neuseeländer war nicht der einzige Pechvogel der letzten Runde. Ex-Weltmeister Troy Corser teilte sich beide Rennen in seiner gewohnt abwartenden Strategie ein. »Die Honda waren nicht zu halten«, so Corser, »deshalb konzentrierte ich mich auf meine Ducati-Kollegen und Hodgson auf seiner verdammt schnellen Kawasaki.« Lange Runden hing Corser fast unbeteiligt hinter der Spitzengruppe. In der letzten Kurve aber war der Australier plötzlich hinter den Honda auf Rang drei vor dem erstaunlichen Neil Hodgson, der erstmals auf Kawasaki im Vorderfeld fuhr. Im zweiten Rennen blieb für den Briten immerhin noch Rang sieben hinter seinem Teamkollegen Akira Yanagawa, der im ersten Lauf nach einem glimpflichen Sturz seine Werks-Kawa zum spektakulären Feuerwerkskörper umfunktionierte.Corsers gute Plan schien auch im zweiten Lauf aufzugehen. Er war in der Bremszone der Parabolica wieder der Beste vom Rest, durch Slights Ausfall gar auf Rang zwei. Doch dann zwang ihn Carl Fogarty zum finalen Bremsduell. Dieses unfreiwillige Chaosmanöver zwang den guten Troy auf eine unmögliche Linie durch die langgezogene Parabolica. »Ich habe auf der allerletzten Rille gebremst«, grinste Fogarty, »Troy hat es noch später versucht. Das konnte nur ins Kiesbeet führen.« Und zurück auf Rang vier hinter Fogarty und Chili.Weit weg von der Spitze war in Monza das Yamaha-Team um WM-Spitzenreiter Noriyuki Haga. Der Japaner stürzte im Training am Samstagmorgen und zog sich Prellungen am Rücken, dem rechten Knie und Sprunggelenk zu. Haga konnte kaum gehen und biß sich vom 15. Startplatz auf die Ränge neun und zehn durch, die ihn an der WM-Spitze hielten. Seinem Teamkollegen Scott Russell ging es noch schlechter: zwei Ausfälle, einmal mit Fahrwerksärger und gleich am Start des zweiten Rennens mit verbrannter Kupplung.

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