Superbike-WM in Monza/Italien (Archivversion)

Die Schattenmänner

Im Vorjahr noch für Siege gut, sahen die Top-Privatfahrer in der Superbike-WM 2002 bisher alt aus. In Monza fanden sie wenigstens ein paar Sonnenstrahlen.

Sie bringen Farbe in die Superbike-WM, Neil Hodgson mit seiner orange leuchtenden Vorjahres-Werks-Ducati aus dem englischen Privat-Team HMplant sowie Pierfrancesco Chili im grün-weiß-roten Leder auf seiner in elegantem Grau gehaltenen NCR-Ducati, ebenfalls ein Ex-Werks-Renner.Beim fünften Saison-Event vor rund 70000 Zuschauern auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Monza konnten die beiden Top-Privatfahrer, die nach dem überaus dominanten Saisonauftakt von Weltmeister Troy Bayliss und seiner neuen Werks-Ducati 998 F 02 schon fast am Rande der Bedeutungslosigkeit herumrollten, endlich auch andere als nur optische Akzente setzen.Am Ende hatte zwar doch wieder Bayliss zweimal die Nase vorn. Die Kollegen Hodgson und Chili aber waren ganz nah dran. Der Engländer holte überzeugend die Pole Position. Und Publikumsheld Frankie Chili stand hinter Honda-Solist Colin Edwards und Bayliss als Vierter in der ersten Startreihe.Pole-Mann Hodgsons Erklärung zu seinem Comeback an der Spitze des Superbike-Feldes überraschte: »Erst beim letzten Rennen in Sugo habe ich meine Form wieder gefunden. Außerdem bekamen wir dort von Dunlop eine neue Reifengeneration, die uns ebenfalls ein gutes Stück voran bringt.« Den Unterschied zu Bayliss’ Werks-Ducati, die für 2002 einen völlig überarbeiteten kurzhubigeren Motor bekam, der nach Angaben von Ducati-Renndirektor Claudio Domenicali rund acht PS mehr leistet als das letztjährige Modell, hält der britische Superbike-Meister von 2000 dagegen für weniger entscheidend. »Unsere 2001er-Testastretta-Werksmaschinen sind ein großer Fortschritt gegenüber der 2000er-Version. Vielleicht ist sogar umgekehrt eine notwendige Eingewöhnungsphase auf die 998 F 01 verantwortlich für unsere etwas bescheideneren Leistungen zu Saisonstart.«Der neue Nationalheld der britischen Motorradsport-Fans, in Monza trotz der Ränge zwei und vier nicht sehr glücklich, läuft also pünktlich zum nächsten Superbike-WM-Rennen am 28. Mai im heimischen Silverstone zu großer Form auf.Für Frankie Chili lief die Heimvorstellung breits in Monza. Und der ewig junge Italiener war in einer ähnlichen Position wie Hodgson. Von der Werks-Suzuki enttäuscht, wechselte Frankie in das Ducati-Privatteam NCR auf eine Werks-Testastretta, Jahrgang 2001, blieb aber ähnlich wie sein Konkurrent Hodgson zunächst eher blass, bis auch bei ihm in Monza der Kntoen platzte. Zufall? »Ich glaube nicht«, bestärkt Chili Hodgsons Statement, »das Motorrad ist gut. Aber ich musste mich erst darauf einschießen. Die Umstellung von der Suzuki dauerte doch länger, als ich dachte«, und hält die technischen Rückstände gegenüber den Werksfahrern auf den aktuellen Kurzhub-Rennern für weniger gravierend: »Selbstverständlich würde ich nicht nein sagen zu einer aktuellen Werks-Maschine. Doch der Unterschied ist kleiner, als der Saisonauftakt 2002 vermuten lässt.«Die beiden Rennen von Monza hinterließen dennoch einen weniger fröhlichen Frankie Chili. Im ersten Lauf rechnete er fest mit einer Zehn-Sekunden-Strafe für Bayliss und Edwards, nachdem die beiden einmal im Notausgang der ersten Schikane geradeaus fahren mussten, und wähnte sich auf Rang zwei hinter Hodsgon statt nur auf dem vierten Platz. Und das zweite Rennen beendete er an gleicher Stelle mit einem Sturz.Ein wenig aus dem Schatten heraustreten konnte auch Gregorio Lavilla als bester Vieryzlinder-Fahrer. Nach Rang sieben im ersten Lauf trieb der Spanier die Corona-Alstare-Suzuki im zweiten Rennen als Fünfter zum bisher besten Saisonergebnis eines Vierers.Lavillas Teamchef Francis Batta war nicht nur deswegen guter Laune. »Die kommenden Änderungen im System Superbike machen mich sehr zuversichtlich«, grinste der Belgier hintergründig, der in letzter Zeit nicht gerade als chronischer Optimist aufgefallen war. Anfang Juni soll in etwa Folgendes als Zukunft der Superbike-WM offiziell verkündet werden: 1000 cm³ für alle, vor allem aber ein neues, den Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) ähnliches Rennformat mit Sprintrennen am Samstag und einem um rund ein Drittel verlängerten Hauptrennen am Sonntag, das durch die längere Distanz zumindest zum Tanken an die Box zwingt.Für die Supersport-WM stehen bisher noch keine Änderungen an, wenn auch das Yamaha-Deutschland-Duo mit Jört Teuchert (in Monza Neunter) und Christian Kellner (in der zweiten Runde gestürzt) in der nächsten Zeit sehr intensiv daran arbeiten wird, seine Erfolgsbilanz ganz massiv zu verändern. Sieger in Monza war Ten Kate-Honda-Fahrer Fabien Forêt vor seinem jungen australischen Honda-Kollegen Chris Vermeulen und dem japanischen Suzuki-Fahrer Katsuaki Fujiwara, alle drei übrigens auf gelben Motorrädern. Vielleicht ist ja doch die Farbe entscheidend.
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