Superbike-WM in Phillip Island/Australien (Archivversion)

Und platsch

Phillip Island beansprucht den Titel der schönsten und besten Rennstrecke der Welt. Nur am Wetter müssen unsere Freunde in Down under noch ein bisschen arbeiten.

Es ist immer das Gleiche. Die Rennsportwelt freut sich auf Phillip Island und reist voller Fröhlichkeit aus allen Ecken und Enden der Welt auf diese kleine Insel, gut anderthalb Autostunden südlich der Millionenstadt Melbourne. Schließlich finden wir dort eine der schönsten Rennstrecken der Welt, lauter freundliche, rennverrückte Menschen – und irgendwann beginnt es zu stürmen oder zu regnen.Doch selbst die einheimischen Fahrer erinnerten sich kaum an üblere Bedingungen als im ersten Superbike-WM-Lauf dieses Jahres. Sogar Aussie Troy Corser fehlten nach Rang sechs fast die Worte: »Der Wind, der Regen, du siehst überhaupt nichts. Es ist die pure Lotterie und lebensgefährlich noch dazu.« Zu allem Überfluss hatte der Aprilia-Pilot in der Sintflut auch noch die WM-Führung verloren.Denn neben dem Honda-Werksfahrer-Duo aus Weltmeister Colin Edwards und Tadayuki Okada zog Ducati-Werksfahrer Troy Bayliss in der Rennlotterie den Hauptgewinn. Der Australier lag zu Beginn sogar an der Spitze, bevor die Honda-Flaggschiffe ihn überrollten und in ihrem Kielwasser allein zurückließen. Colin Edwards glänzte im Regen und Sturm und fuhr einem wirklich weltmeisterlichen Solosieg entgegen, der von seinem Teamkollegen Okada auf Rang zwei komplettiert wurde. »Es war unglaublich schwer, denn unter solchen Bedingungen liegst du blitzschnell im Dreck, bist von oben bis unten voll Schlamm, und die ganze Welt lacht über dich«, wusste der Texaner im Ziel. Okada hatte dagegen weniger vom schlechten Wetter, dafür aber von großer Genugtuung zu berichten. »Endlich, endlich, nach vier Nullern, bin ich mal im Ziel, und dann gleich auf dem Podest«, grinste der Japaner im Dauerregen.Was ihm nach dem Supersport-Rennen drei Lokalhelden gleichtaten. Einem australischen Flottenverband gleich bekämpften Kevin Curtain, Adam Fergusson und Andrew Pitt zunächst den Führenden, Suzuki-Streiter Katsuaki Fujiwara, um nach dessen Abflug im zweiten Renndrittel den Sieg unter sich auszumachen. Bemerkenswert an dem australischen Dreifachsieg ist, dass in allen drei Siegerteams unter anderem deutsch gesprochen wird. Kevin Curtains BKM-Crew, die seit diesem Jahr von Honda für die Supersport-WM unterstützt wird, sitzt in Eupen, im deutschsprachigen Ostteil von Belgien. Im bayerischen Alpha-Technik-Honda-Team freute sich Boss Sepp Hofmann ganz besonders über den zweiten Rang von Adam Fergusson: »Nachdem uns die Testfahrten und das erste Rennen in Valencia ernüchtert haben, gibt uns dieses Resultat massiv Auftrieb.« Fergussons Teamgefährte, MOTORRAD-Mitarbeiter Markus Barth, kämpfte sich von Startplatz 22 auf Rang 13 zu drei WM-Punkten durch. Andrew Pitts Boss, Kawasaki Racing Team-Chef Harald Eckl, fasste sich eher kurz: »Es war höchste Zeit für dieses Erfolgserlebnis.«Das eigentliche deutsche Vorzeige-Supersport-Team Wilbers-Suspension-Yamaha um Weltmeister Jörg Teuchert und Christian Kellner erlebte dagegen ein katastrophales Wochenende. Titelverteidiger Teuchert und Kellner starteten neben Markus Barth als 21. und 23. Im Ziel war wenigstens der Champion einigermaßen versöhnt. »Von so weit hinten noch auf den achten Platz zu fahren, da darfst du nicht mehr meckern«, resümierte der Franke. Kellner verlor in der letzten Runde noch den 15. Platz und damit den letzten WM-Punkt und war entsprechend niedergeschlagen: »Das ganze Wochenende kannst du nur ganz schnell abhaken.«Dasselbe hatte Troy Corser dann mit dem zweiten Superbike-Lauf vor. Als die Boxengasse zur Informationsrunde geöffnet wurde, stand er an der Boxenausfahrt und versuchte seine Kollegen zu überzeugen, dass die stetig steigende Sintflut kein Rennen zulassen würde. »Schon das erste Rennen hätten wir nicht fahren dürfen, und jetzt ist es noch schlimmer«, stellte Corser klar, der auch versuchte, sich eventuellen Startwilligen in den Weg zu stellen. Ausgerechnet Colin Edwards aber schaffte den Weg vorbei an dem menschlichen Bollwerk Corser, um bei seiner Streckeninspektion festzustellen, dass, »an zwei Stellen fast zwei Meter breite Schlammflüsse auf der Strecke sind« und mit fliegenden Fahnen zur Corser-Fraktion überzulaufen.Letztlich hatte die Rennleitung ein Einsehen, sagte den zweiten Lauf der Superbikes sowie das noch ausstehende Gespann-Rennen ab und beendete damit die große Superbike-Party Phillip Island 2001 vorzeitig. Das Verrückte jedoch ist: Auch 2002 wird sich wieder die ganze Rennsportwelt auf die kleine Insel an der Südspitze Australiens freuen. Und irgendwann wird es wieder zu stürmen oder zu regnen beginnen. Oder hoffentlich ausnahmsweise mal nicht.
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Supersport-WM in Phillip Island (Archivversion) - Die Kängurus versenken den Drachen

Nach einem Blitzstart an die Spitze des Supersport-Feldes wehrte sich Katsuaki Fujiwara, wie es sich für einen guten Samurai-Kämpfer gehört, mit größtem Heldenmut, um sich in der australischen Sintflut, die gleich im Flottenverband angetretene australische Marine vom Leibe zu halten. Die drei feindlichen Honda-Brüder Kevin Curtain, Adam Fergusson und Chris Vermeulen sowie Kawasaki-Werksfahrer Andrew Pitt aber zeigten auch bei übelstem Wind und Nässe in Perfektion die kämpferischen Tugenden, welche die inoffzielle australische Sportflagge mit den boxenden gelben Känguru auf grünem Grund symbolisiert. Sie befehdeten sich gegenseitig, vor allem aber den japanischen Eindringling, als gäbe es die katastrophalen Wetterumstände überhaupt nicht.Und tatsächlich, das ungleiche Känguru-Quartett schaffte es, den bösen Drachen ins Aus zu boxen. Nach 13 von 21 Runden rutschte Fujiwara von seiner Alstare-Corona-Suzuki, gerade als er sich entschossen hatte, den an der Spitze entfliehenden Kevin Curtain und dessen BKM-Honda wieder zu stellen. Auch die einheimischen Verbände hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Verluste erlitten. Der schon länger in England lebende Chris Vermeulen war zwei Runden vor Fujiwara schon von seiner Castrol-Honda geweht worden.Das verbliebene Trio aber segelte zu einem souveränen australischen Totaltriumph. Curtain und Alpha Technik-Reiter Fergusson besorgten den Honda-Doppelsieg. Und Andrew Pitt sorgte für die dritte australische Fahne am Siegerpodest. »Gesehen hast du da draußen außer den Reifenspuren deines Vordermannes eigentlich gar nichts«, grinste Sieger Curtain, der mit dem in Phillip Island Viertplazierten Valencia-Sieger Pere Riba an der WM-Spitze gleichzog. Bemerkenswert an dem australischen Dreifachsieg ist aus deutschsprachiger Sicht, dass in allen drei Siegerteams im wesentlichen deutsch gesprochen wird. Kevin Curtains BKM-Crew sitzt in Eupen im deutschsprachigen Ostteil von Belgien. Und Teamchef Michael Bartholemy fühlte sich »endlich in unserer jahrelangen Arbeit bestätigt. Wir haben in diesem Jahr mit Honda erstmals einen großen Hersteller als offiziellen Partner. Und da stehen wir schon im zweiten Rennen ganz oben. Das ist unglaublich.«Im bayerischen Alpha Technik-Honda-Team freute sich Teamchef Sepp Hofmann ganz besonders über den zweiten Rang von Adam Fergusson: »Nach dem schweren Sturz bei den Wintertests in Misano ist es sensationell, das Adam gleich bei seinem ersten Rennen für uns auf das Siegerpodest fährt. Das gibt der ganzen Truppe natürlich massiv Auftrieb, nachdem die letzten Testfahrten und auch das erste Rennen im März in Valencia uns doch ernüchtert haben.« Fergussons Teamgefährte, MOTORRAD-Mitarbeiter Markus Barth kämpfte sich von Startplatz 22 auf Rang 13 zu drei WM-Punkten durch. »Es war nicht zu fassen«, so Markus im Ziel, »ich habe schon in der ersten Kurve fast nichts mehr gesehen und war Letzter. So habe ich mich im Blindflug nach vorn gekämpft.« Andrew Pitts Boss, Kawasaki Racing Team-Chef Harald Eckl, fasste sich eher kurz: »Endlich haben unsere Supersport-Jungs wieder ein Erfolgserlebnis. Das war auch höchste Zeit.«Das eigentliche deutsche Vorzeige-Supersport-Team Wilbers-Suspension-Yamaha um Weltmeister Jörg Teuchert und Christian Kellner erlebte dagegen ein annähernd katastrophales Phillip Island-Wochenende. Im Training lief weder am trockenen Freitag noch später im Nassen auch nur irgendwas zusammen. Titelverteidiger Teuchert und der aktuelle WM-Tabellendritte Kellner starteten neben Markus Barth als 21. und 23. Im Ziel war wenigstens der Champion einigermaßen versöhnt. »Von soweit hinten noch auf den achten Platz zu fahren, da darfst du nicht mehr meckern«, resümierte der Franke. Kellner verlor, symptomatisch für den ganzen Australien-Trip seines Teams, in der letzten Runde noch den 15. Platz und damit den letzten WM-Punkt an den italienischen Suzuki-Fahrer Iannuzzi und war entsprechend niedergeschlagen: »Das ganze Wochenende kannst du nur ganz schnell abhaken.«Teamchef Udo Mark dagegen blickt lieber nach vorn: »Nächste Woche sind wir in Sugo. Und dort in Japan haben wir einen Doppelsieg zu verteidigen.“

Superbike-WM Phillip Island/AUS (Archivversion)

Aaron SlightSupertourenwagen in EnglandEnde der vergangenen Saison von Honda entlassen, kehrt Aaron Slight dem Motorrad-Rennsport endgültig den Rücken. 2001 ursprünglich als Nachfolger für John Kocinski im offiziellen Ducati-Team in der US-Superbike-Meisterschaft verpflichtet, lief der Neuseeländer nach wenigen Wochen wieder davon, ebenso wie sein von Andreas Meklau ausgeliehener österreichischer Techniker Charlie Putz. »Weder die Maschinen noch das Team entsprachen auch nur annähernd konkurrenzfähigem Niveau. So einen Abstieg brauche ich nicht«, erzählte der Neuseeländer. Zumal sich eine reizvolle Alternative auftat. Der britische Peugeot-Importeur verpflichtete Aaron Slight für die restlichen Rennen zur britischen Supertourenwagen-Meisterschaft. Rob PhillisBack on TrackRob Phillis, Kawasakis Superbike-Held der frühen 90er Jahre, ist wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Der sympathische Australier, der durch die Einsätze in der Superbike-DM auch in Deutschland viele Fans hatte, erklärte: »Ich bin als Nachfolger von Peter Doyle, der ja schon mein Teamchef war, Rennleiter bei Kawasaki-Australien.« In Phillip Island war er verantwortlich für den 18-jährigen Shaun Geronimi, der als australischer Meister der 250er-Serienmaschinen in die Supersport-Klasse aufgestiegen ist.Wayne GardnerNachwuchsförderungDer 19-jährige Junior in der Superbike-WM, Broc Parkes, hat einen prominenten Mentor. »Mein Manager heißt Wayne Gardner«, verkündete der australische Ducati-NCR-Pilot zu Beginn der Saison stolz, »ich fuhr im vergangenen Jahr für Moriwaki-Honda in der japanischen Superbike-Meisterschaft, und Gardner war in Sachen Autorennen für Toyota in Japan aktiv. So haben wir uns fast zwangsläufig kennengelernt.« Parkes legt Wert darauf, dass die Verbindung zum 500er-Weltmeister von 1987 nicht nur ein Publicity-Gag ist. Dass dies auch von Gardner so gesehen wird, beweist dessen finanzielles Engagement. Der Ex-GP-Star steuert in dieser Saison 600 000 Mark aus der eigenen Tasche bei, um Parkes´ Karriere mit zu finanzieren.Aprilia-SponsorInternet-FightMit neuem Hauptsponsor trat das Aprilia-Werks-Team um Troy Corser und Régis Laconi in Phillip Island an. »Virgilio« prangte in leuchtendem Orange auf der schwarzen Verkleidungen des Werks-RSV mille SP. Dabei handelt es sich um die Internetgesellschaft der Telecom Italia. Pikant an diesem Deal ist, dass die Venzianer damit nicht nur auf der Strecke mit den Erzrivalen von Ducati konkurrieren. Denn Virgilio steht in direktem Wettbewerb mit Mobilfunkanbieter und Ducati-Hauptsponsor Infostrada.Gespann-WMAußer Spesen...Nach der Absage des zweiten Superbike-WM-Rennens wurde natürlich auch der Seitenwagenlauf gestrichen. »Für uns ist das natürlich besonders bitter«, so der enttäuschte Jörg Steinhausen, der sich mit seinem britischen Co Andy Hetherington erstmals für die Pole Position qualifiziert hatte, »denn die Superbiker hatten wenigstens ihr erstes Rennen, und das Supersport-Rennen lief halbwegs regulär. Es ist schon niederschmetternd, ans andere Ende der Welt zu reisen – für nichts.« Als sich Steinhausen gesenkten Hauptes durch die Sintflut zu seinen Teamzelt durchkämpfte, begegnete ihm Supersport-Vizeweltmeister Paolo Casoli und zeigte Mitgefühl. »Der ist aber traurig«, schaute der Italiener versonnen dem allmählich im Regen verschwindenden Gespann-Piloten nach.

Superbike-WM Phillip Island/AUS (Archivversion)

Ergebnisse1. Lauf: 22 Runden = 97,790 km1. Colin Edwards (USA) Honda 39.58,665 min2. Tadayuki Okada (J) Honda -4,4553. Troy Bayliss (AUS) Ducati -22,8844. Akira Yanagawa (J) Kawasaki -49,7315. Broc Parkes (AUS) Ducati -1.17,1836. Troy Corser (AUS) Aprilia -1.17,9987. Pierfrancesco Chili (I) Suzuki -1.38,6108. Stéphane Chambon (F) Suzuki -1.39,6399. Robert Ulm (A) Ducati -1 Runde10. Martin Graggill (AUS) Ducati -1 Runde11. Neil Hodgson (GB) Ducati -1 Runde12. Steve Martin (AUS) Ducati -1 Runde13. Alister Maxwell (AUS) Kawasaki -1 Runde14. James Toselnand (GB) Ducati -1 Runde15. Jiri Mrkvyka (CZ) Ducati -1 RundeSchnitt des Siegers: 146,767 km/h2. Lauf: abgesagt wegen überfluteter Strecke1.Schnellste Rennrunde: Ruben Xaus (E) Ducati in 1.46,456 min = 150,316 km/hPole Position: Corser in 1.33,576 min = 171,005 km/hWM-StandBayliss 96Corser 92Edwards 73Bostrom 54Lavilla 45Chili 45Yanagawa 42Chambon 32Laconi 31Hodgson 29Xaus 26Parkes 23Okada 20Ulm 18Bussei 12Toseland 11Supersport: 21 Runden = 93,345 km1. Kevin Curtain (AUS) Honda 39.32,490 min2. Adam Fergusson (AUS) Honda -2,2203. Andrew Pitt (AUS) Kawasaki -12,6744. Vittoriano Guareschi (I) Ducati -17,6155. Pere Riba (E) Honda -20,1636. Dean Thomas (GB) Ducati -23,8997. Paolo Casoli (I) Yamaha -31,7448. Jörg Teuchert (D) Yamaha -53,6619. Ivan Goi (I) Honda -56,19710. Christophe Cogan (F) Yamaha - 59,97111. Christer Lindholm (S) Yamaha -1.11,87112. Robbie Baird (AUS) Yamaha -1.16,55913. Markus Barth (D) Honda -1.35,53614. Piergiorgio Bontempi (I) Yamaha -1.40,86115. Vittorio Iannuzzo (I) Suzuki -1.50,333Schnitt des Siegers: 141,641 km/hSchnellste Rennrunde: Iain MacPherson (GB) Kawasaki in 1.50,610 min = 144,700 km/hPole Position: Casoli in 1.36,917 min = 165,110 km/hWM-StandCurtain 36Riba 36Bontempi 22Pitt 21Guareschi 21Fergusson 20Kellner 16Cogan 15Fujiwara 13Casoli 13Muggeridge 10Thomas 10Teuchert 8Lindholm 8Pirovano 7Goi 7Phillip Island/Australien22. April 2001Streckenlänge: 4,445 kmWetter: zunehmender, am Ende sintflutartiger RegenNächstes Rennen: 29. April 2001 in Sugo/Japan

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