Superbike-WM in Sugo/Japan (Archivversion) Auswärtsspiel

Die japanische Superbike-WM-Runde in Sugo gilt als das härteste und beschwerlichste Rennen der ganzen Saison, nicht nur wegen der anstrengenden Anreise der Stars aus Übersee.

Die Reise nach Sugo ist nicht ohne. Die Flugodyssee von Phillip Island an der Südspitze Australiens, wo der Superbike-WM-Zirkus eine Woche zuvor Station machte, dauert gut 17 Stunden. Angenehmer ist es, in Tokio einen der pfeilschnellen Züge zu besteigen. Und ganz besonders Mutige wagen sich mit einem Mietwagen auf die gut 300 Kilometer von Tokio nach Sugo, außerhalb der urbanen Gebiete wegen der japanischen Schrift auf den Wegweisern ganz auf ihre Pfadfindervergangenheit vertrauend: sich am Stand der Sonne und mit Kompass zu orientieren.Ähnlich verloren fühlen sich in Sugo die ausländischen Superbike-WM-Stars. Seit 1995 gewinnen hier nur Lokalhelden, meist Wild-Card-Fahrer mit feinsten Werksmaschinen. In diesem Jahr der 24-jährige Makoto Tamado. Ausgerüstet mit einer formidablen Werks-Honda VTR 1000 SP-2, dominierte er das Wochenende nach Belieben. Die Konkurrenz blieb in allen Trainings bis zu einer ganzen Sekunde zurück.Tamada-san konnte sich sogar mäßige Starts aus der Pole Position leisten. Jeweils von Rang sechs begann dann in beiden Rennen die unwiderstehliche Siegesfahrt. »Meine Starts waren wirklich schlecht«, so Tamada, »aber als ich Corser überholt hatte, wusste ich, dass ich wegfahren kann. Und im zweiten Lauf bin ich lange hinter Kawasaki-Fahrer Izutsu geblieben, weil es mehr Spaß macht, mit einem Gegner zusammen zu fahren, als allein vornweg zu braten.«Auch Tamadas Landsleute ließen für die Platzhirsche der Superbike-WM wenig übrig. Lediglich der neue WM-Leader Troy Corser auf seiner Werks-Aprilia konnte die Kreise der Samurai stören und war als Zweiter des ersten Rennens einziger Nicht-Japaner auf dem Podest. Ansonsten dominierte hinter der rot-weißen Sieger-Honda die Farbe Grün: Rang drei und zwei für den japanischen Superbike-Meister 2000 und Vorjahres-Doppelsieger Hitoyasu Izutsu und dessen Kollege aus dem Kawasaki Racing Team Japan, Tamaki Serizawa auf Platz drei in Lauf zwei.Diese Dominanz traf Troy Corsers Gegner im WM-Titelkampf besonders heftig. Weltmeister Colin Edwards kam über die Ränge zwölf und 13 nicht hinaus und klagte lautstark: »Grip hatten wir eigentlich gar nicht. Ich bin nur herum gerutscht.« Tatsächlich war der Titelverteidiger im ersten Lauf als bester Michelin-Fahrer im Ziel gewesen, hinter elf Maschinen auf Dunlop. Im zweiten Lauf fiel diese zweifelhafte Ehre seinem japanischen Castrol-Honda-Teamkollegen Tadayuki Okada zu, wieder nur als Zwölfter.Noch viel schlimmer traf es das Michelin-Duo im Ducati-Werksteam. Während Ben Bostrom sich als Neunter und Vierter manierlich aus der Affäre ziehen konnte, eierte Troy Bayliss, bis dahin immerhin WM-Spitzenreiter, auf die Ränge 13 und 15, während Ruben Xaus als 18. und 22. völlig unterging. Beide Ducati-Helden hatten nicht einmal den Einzug in die Superpole-Qualifikation der 16 Trainingschnellsten geschafft. »Das gab es noch nie«, tobte Ducati-Renndirektor Davide Tardozzi.Wesentlich besser drauf war in Sugo das Wilbers-Suspension-Yamaha-Deutschland-Team. Weltmeister Jörg Teuchert fuhr nach dem »wohl besten Start meiner ganzen Karriere« vom zehnten auf den zweiten Platz hinter seinem Markenkollegen Paolo Casoli. Sein Teamgefährte Christian Kellner war dagegen als Neunter nur mittlerer Stimmung.Und MOTORRAD-Mitarbeiter Markus Barth wusste am Ende nicht so recht, warum er sich die beschwerliche Anreise zum Auswärtsspiel überhaupt gegeben hatte. Startplatz 30 und ein Sturz von seiner Alpha-Technik-Honda im Rennen sorgten für weniger fröhliche Gedanken während des ewig langen Rückflugs.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote