Superbike-WM-Vorschau (Archivversion) Im Vorhof der Hölle

Teuflisch interessant verspricht die Superbike-WM 2001 zu werden. Dazu steht die beliebte Meisterschaft angesichts der kommenden GP1-Konkurrenz vor einem heißen Jahr wichtiger Entscheidungen.

Die Zeit als Zauberlehrling ist vorbei. Ben Bostrom will sich vom California Dreamboy zum Hexenmeister der Superbike-WM mausern. Und tatsächlich stehen die Zeichen sehr gut für den Wiederaufsteiger im Ducati-Werksteam.» Es läuft fantastisch«, freute sich der 26-Jährige über seine Bestzeit bei den Testfahrten der Superbike-WM-Teams im spanischen Valencia, »der neue Testa-Stretta-Motor hat mehr Dampf als die alte Maschine und dreht höher. Dazu die Dunlop-Reifen - ich kann den Saisonstart am 11. März hier in Valencia kaum erwarten.«Bostrom untersteht als offizieller Werksfahrer zwar wie Troy Bayliss und Ruben Xaus dem Kommando von Teamchef Davide Tardozzi. Dennoch erfreut er sich über eine für ihn maßgeschneiderte Teamstruktur mit jeder Menge amerikanischer Momente, nicht nur bezüglich des groß auf der Verkleidung prangenden Hauptsponsors L&M-Zigaretten.Seine Teamkollegen in den dezenteren Ducati- Infostrada-Farben, der Australier Troy Bayliss und Ruben Xaus aus Spanien, treten zurückhaltender, aber nicht weniger entschlossen auf. »Unser neues Motorrad ist gegenüber dem Vorjahr in vielen Details verbessert, aber nicht komplett neu«, relativiert Bayliss, der stärkste Fahrer der zweiten Saisonhälfte 2000, die Jubelgesänge seines kalifornischen Kollegen. Aber auch für den Mann aus Down under ist klar: Der WM-Titel muss von Honda zurückgeholt werden. In dieses klassische Superbike-Duell will Aprilia allerdings teuflisch dazwischenfunken. »Die Superbike-WM genießt bei Aprilia im Jahr 2001 absolute Priorität«, ordnet Chefingenieur Giuseppe Bernicchia die Haus-interne Hierachie neu. Die Strategie ist auf kurzfristigen Erfolg ausgelegt, und den will auch Nummer-eins-Fahrer Troy Corser: »Wir haben für den um einiges stärkeren 2001er-Motor hier in Valencia die Getriebeübersetzungen sehr gut anpassen können. Mein im Januar in Kyalami verletztes Sprunggelenk heit gut, so dass wir zum Saisonauftakt in bester Form antreten können.«Für Honda, den dritten Vertreter der Zweizylinder-Fraktion, geht es in der neuen Superbike-WM-Saison nur um eins - die Titelverteidigung. »Unser Saisonziel ist verdammt klar«, grinst Weltmeister Colin Edwards, »aber alle werden mich höllisch jagen«. Und den Champion, wie in Valencia geschehen, auch gelegentlich in einen Sturz treiben. Mit seinem Teamkollegen Tadayuki Okada trifft der Texas Tornado dabei auf einen zusätzlichen Feuerteufel. »Ich habe im Winter massiv Aufbautraining gemacht«, so der japanische Grand-Prix-500-Umsteiger, »um mit dem schwereren Superbike klar zu kommen.« Dies hat mit der drittbesten Zeit in Valencia und vor allem einem sehr sauberen Fahrstil hervorragend funktioniert.Für die Vierzylinder-Werksteams von Kawasaki und Suzuki dagegen könnte es tatsächlich zum Martyrium werden. »Uns bleibt nur, die wohlbekannte ZX-7RR immer weiter zu treiben«, so Kawasaki-Teamchef Harald Eckl zwischen Resignation und Hoffnung. Immerhin war Gregorio Lavilla in Valencia schnellster Vieryzlinder-Reiter, noch vor dem Suzuki-Duo Stéphane Chambon und Pierfrancesco Chili auf den neuen, noch etwas schwachbrüstigen GSX-R 750.Ob die Superbike-WM tatsächlich durch die Hölle geht und um ihre Existenz bangen muss, wird sich nach der nach der Saison 2001 zeigen, wenn die Viertakt-Projekte der japanischen und europäischen Werke für die GP1-WM Wirklichkeit geworden sind. Rundenzeiten in Valencia1. Ben Bostrom (USA), 1.35,228 min, 2. Troy Bayliss (AUS), beide Ducati, 1.35,503, 3. Tadayuki Okada (J) Honda, 1.35,709, 4. Troy Corser (AUS) Aprilia, 1.35,744, 5. Colin Edwards (USA) Honda, 1.36,047, 6. Régis Laconi (F) Aprilia, 1.36,393, 7. Ruben Xaus (E) Ducati, 1.36,580, 8. Gregorio Lavilla (E) Kawasaki, 1.36,691.

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