Superbike-WM-Vorschau (Archivversion) Battle of the Twins

Der Donnerhall der Twins dominiert, in verschiedenster Ausprägung, die Superbike-WM mehr und mehr. Zwei Drittel der Fahrer und die Mehrheit der Werke setzen inzwischen auf die Zweizylinder.

Holten die Ducati Twins ihre bisherigen acht Superbike-WM-Titel quasi »allein gegen alle«, hat der dumpfe Schlag der Zweizylinder-V-Motoren im Startfeld 2000 die Zwei-Drittel-Mehrheit errungen. Neben Ducati, auf die auch immer mehr Privatiers setzen, vertrauen mit Aprilia, Honda und Bimota jetzt vier der sieben in der Superbike-WM engagierten Werke auf 1000 cm³-Twins, die ihnen den bekannten Viertelliter mehr Hubraum gegenüber der Vierzylinder-Konkurrenz sichern. Die Honda-Entwickler realisierten mit ihrer brandneuen VTR 1000 SP-1 dabei wohl auf ein etwas elaborierteres Konzept als das italienische Trio. »Die Honda-Motoren klingen nicht so brutal wie die Ducati oder Aprilia«, stellte zum Beispiel Thomas Franz fest, der Motorentechniker im deutschen Alpha Technik-Team, »wie wenn alles viel feiner, leichter, mit weniger Reibung laufen würde.« Mit entsprechender Leichtigkeit gingen bei den offiziellen Vorsaisontestfahrten in Valencia auch die Honda-Werks-Fahrer Colin Edwards und Simon Crafar ans Werk. »Texas Tornado« Edwards legte Wert darauf, »dass ich im Gegensatz zu vielen anderen Fahrern noch nie hier war«. Und fuhr in der letzten Testsitzung in 1.35,700 Minuten dennoch Bestzeit. Der Neuseeländer Crafar, erst in Valencia als Ersatz für den erkrankten Aaron Slight, zunächst für die ersten drei Rennen, bestätigt worden, hatte noch Anpassungsprobleme nach fünfmonatiger Rennstreckenabstinenz.Weltmeister Carl Fogarty war während der spanischen Woche deutlich besserer Stimmung als bei den vorhergehenden Tests. »Die neuen Ducati-Motoren mit nur noch einer Einspritzdüse zeigen inzwischen eine deutlich verbesserte Gasannahme.« Das Resultat: Foggy hielt die Bestzeit in allen Sitzungen, bis er am Ende des zweiten Tages spektakulär stürzte und danach wegen einer geprellten Schulter nicht mehr fuhr.Just zu diesem Zeitpunkt realisierte Ducati-Junior Ben Bostrom die viertschnellste Zeit. Dennoch wird sich der Kalifornier in seiner ersten vollen WM-Saison nicht nur mit der markenfremden Konkurrenz herumschlagen müssen, sondern vor allem mit einer knappen Handvoll halboffizieller Ducati, welche die Nummer zwei des Werks-Teams als Dauermesslatte ausgesucht haben.Ex-500er Grand Prix-Fahrer Juan Bautista Borja, neu im traditionsreichen NCR-Team als einziger Ducatista auf Dunlop-Reifen unterwegs, konnte Bostrom schon einmal hinter sich lassen.Während 125er Ex-Weltmeister Haruchika Aoki in Doriano Rombonis R&D-Team und Andreas Meklau noch etwas Zurückhaltung zeigten, donnerte Robert Ulm, Meklaus neuer Teamkollege im Gerin-Red Bull-Remus-Team, quasi der »österreichischen Nationalmannschaft«, respektlos zur fünftbesten Zeit der Valencia-Schlussrangliste. Schneller als Troy Corser auf der Werks-Aprilia, der dennoch seinem neuen Arbeitsgerät gute Noten gab. »Wir kommen jetzt endlich dazu, das große Potenzial der RSV mille auch umzusetzen.« Erstmals und pünktlich zu Saisonbeginn konnte der australische Ex-Weltmeister nämlich mit der Spitze mithalten. Während bei Aprilia also die Ampeln auf grün stehen, ist vom neuen Bimota-Werksteam mit Manager Virginio Ferrari und Fahrer Anthony Gobert noch nichts zu sehen. »Wir sind sehr spät dran«, so Ferrari, »aber wir sind zuversichtlich, dass wir beim Saisonauftakt am 2. April in Kyalami starten.«Die schnellsten Runden der zur Minderheit degenerierten 750er Vierzylinder-Fraktion drehte der italienische Publikumsheld Pierfrancesco Chili auf der Alstare Corona-Werks-Suzuki als Fünfter. Sein Teamkollege bleibt trotz eher mäßiger Resultate im Vorjahr der Japaner Katsuaki Fujiwara.Organisatorische Änderungen setzte Yamaha-Superstar Noriyuki Haga bei seinem Arbeitgeber durch. Haga fährt wie 1998 wieder auf Dunlop-Reifen und genießt jetzt die gesamte Aufmerksamkeit der komplett japanischen Werksmechaniker-Crew. Yamaha-Nummer zwei Vittoriano Guareschi wurde zum halboffiziellen Fahrer beim italienischen Importeur Belgarda degradiert. Guareschi wird dadurch ähnlich wie Bostrom bei Ducati zum Gradmesser der Yamaha-Priavtteams. In Valenica war die bayerische Alpha Technik-Truppe aber noch längst nicht in Schlagdistanz. Die WM-Novizen Jürgen Oelschläger und Markus Barth kämpften während der gesamten Testtage mit den Tücken eines von Alpha Technik selbst entwickelten elektronischen Motormanagements und kamen kaum zum Fahren. »Es ist wie verhext«, so Josef Hofmann, einer der Alpha Technik-Chefs, »auf dem Prüfstand haben wir zehn PS mehr als die Kit-Elektronik. Und hier läufts nicht.«Ganz anderer Ärger plagte Kawasaki-Teamchef Harald Eckl. Nach dem seine Fahrer Akira Yanagawa und Gregorio Lavilla erneut zeigen konnten, dass mit der nur scheinbar veralteten Vergaser-ZX-7RR auch weiterhin zu rechnen ist, und mit der deutschen Ölfirma Fuchs ein neuer Hauptsponsor im Team ist, verdarb ein Kahnbeinbruch von Lavilla die grüne Aufbruchstimmung. Rundenzeiten in Valencia1. Colin Edwards (USA) Honda, 1.35,700 min, 2. Carl Fogarty (GB), 1.36,162 min, 3. Juan Bautista Borja (E), 1.36,365, 4. Ben Bostrom (USA), alle Ducati, 1.36,392, 5. Pierfrancesco Chili (I) Suzuki, 1.36,452, 6. Robert Ulm (A) Ducati, 1.36,533, 7. Troy Corser (AUS) Aprilia, 1.36,540, 8. Noriyuki Haga (J) Yamaha, 1.36,587, 9. Katsuaki Fujiwara (J) Suzuki, 1.36,654, 10. Akira Yanagawa (J) Kawasaki, 1.36,853,…, 19. Jürgen Oelschläger (D) Yamaha, 1.38,509,..., 25. Markus Barth (D) Yamaha, 1.40,152.

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