Supercross Schalke (Archivversion)

Mach die Fliege

Supercross, Freestyle (Bild) und Super Moto: Diese spektakuläre Mischung lockte 17 000 Fans nach Schalke. Doch nicht alle waren happy.

FC Schalke 04 – für viele Fußballfans im Ruhrpott und auch darüber hinaus ist dieser Klub schlichtweg Kult. Dabei hat die Vereinsgeschichte der Königsblauen nicht nur legendäre sportliche Erfolge und Meistertitel zu bieten, sondern auch handfeste Skandale. Derzeit ist der Name des Revierklubs vor allem wegen seines neuen Stadions in aller Munde: der hochmodernen Arena Auf Schalke, ausgestattet mit allem, was sich Fans und VIP-Gäste in Sachen Komfort so wünschen.Als der belgische Motocross-Promoter Reiner Verherstraeten vom Stadionprojekt in Gelsenkirchen hörte, war er sofort Feuer und Flamme. Die Schalker Anlage erschien ihm geradezu perfekt für ein Supercross. Das komplette Spielfeld kann nach außen gefahren werden – da braucht man beim Modellieren des Kurses aus 500 Lkw-Ladungen Erde keine Rücksicht auf den Rasen der Kicker zu nehmen. Das Dach lässt sich verschließen – da kann das Wetter am Renntag sein, wie es will. Aus der Idee wurde dann auch sehr schnell Realität. Mitte November, gerademal vier Monate nach der Stadioneröffnung, knatterten in der Schalke-Arena tatsächlich die Motoren.Reiner Verherstraeten ließ es nicht bei der Supercross-Premiere in einem Bundesliga-Stadion bewenden. Neben den zum Standard-Beiprogramm gehörenden Freestyle-Artisten packte er noch ein international besetztes Super-Moto-Rennen und einen umfangreichen Showblock drauf. Für stramme Eintrittspreise von 79 Mark im Vorverkauf und 90 Mark an der Abendkasse sollte den Fans einiges geboten werden.17000 Zuschauer ließen sich nach Schalke locken, was den riesigen Sportpalast nur zu gut einem Viertel füllte, für ein deutsches Supercross an sich aber ein guter Wert ist. Mit den sportlichen Darbietungen konnte das Publikum durchaus zufrieden sein. Der 550 Meter lange Supercross-Parcours bot viel fürs Auge: Er war flüssig gesteckt und erlaubte weite Sprünge. Die ganz großen Stars der Indoor-Szene fehlten zwar, doch die von Verherstraeten präsentierten Piloten machten ihren Job richtig gut. Nach drei Läufen hatte der bis dato in Europa völlig unbekannte US-Boy Kevin Crine mit seiner Honda die Nase vorn.Äußerst skeptisch wurde zunächst dagegen die ins Supercross-Geläuf integrierte Super-Moto-Piste betrachtet. Vielen erschien sie mit 525 Metern zu kurz, zu eng und wegen des großen Offroad-Anteils zu sehr auf die Crossprofis zugeschnitten. Doch dafür konnte der Promoter ein sehr namhaftes Fahrerfeld aus dem Hut zaubern. Aus Belgien hatte Reiner Verherstraeten zum Beispiel 500er-Weltmeister Stefan Everts und dessen Yamaha-Teamkollegen Marnicq Bervoets mitgebracht. Die deutschen Farben wurden unter anderem von Pit Beirer vertreten. Aus England war Kurt Nicoll in den Ruhrpott gekommen, der es sich als Chef des KTM-Motocross-Werksteams nicht nehmen lässt, immer mal wieder selbst am Gasgriff zu drehen. Und mit Loris Capirossi stieg Auf Schalke sogar ein waschechter Grand-Prix-Star in den Ring.Die Crosser hatten bei ihrem Ausflug in die Welt des Super-Moto in der Tat große Vorteile, was der Qualität der Rennen aber keineswegs schadete. Everts, Bervoets und Nicoll ließen es auf ihren Viertaktern ordentlich krachen, dazwischen driftete Pit Beirer mit der Zweitakt-Yamaha – und holte sich sehr zur Freude der heimischen Fans am Ende eines langen Renntags nach drei Läufen den Gesamtsieg.Der Jubel über den Triumph des deutschen Vorzeigecrossers war groß, dennoch traten sicher nicht alle Fans zufrieden ihre Heimreise an. In diversen Internet-Foren und in Leserbriefen taten einige Schalke-Besucher spontan kund, was ihnen an ihrem Abend in der Arena nicht gefallen hatte. Zum Beispiel die frostigen Temperaturen, die auf die Stimmung drückten, denn im Stadion war es erstaunlicherweise ein paar Grad kälter als draußen. Auch das überlange Showprogramm auf Ballermann-Niveau mit Darbietungen von Jürgen Drews und DJ Ötzi konnte nicht alle Besucher in Fahrt bringen. Der König von Mallorca und der Anton aus Tirol sind gewiss nicht jedermanns Geschmack. Zudem wurde die schlappe Fahrervorstellung und die schlechte Akkustik im Stadion kritisiert.Da gilt es für eine zweite Auflage des Arena- Supercross einiges zu überdenken. Ob es im nächsten Winter dazu kommt, steht allerdings in den Sternen. Promoter Reiner Verherstraeten hat sich mit dem Schalker Event wohl etwas übernommen, denn nach dem Rennen musste er sich wegen totaler Erschöpfung in ein Krankenhaus begeben. Sein nächstes Rennen in Deutschland, das Leipziger Supercross Anfang Dezember, hat er daraufhin kurzfristig abgesagt.
Anzeige

Supercross Schalke (Archivversion) - Erlebniswelt

Spielfeld raus, Supercross rein – so einfach lässt sich die Arena Auf Schalke umfunktionieren. Eine vielseitige Nutzung des Stadions, das als modernste Sportstätte Europas gilt, ist auch aus finanziellen Gründen angesagt, schließlich muss der FC Schalke 04 Baukosten von 358 Millionen Mark erwirtschaften. An Komfort mangelt es in der 62 000 Zuschauer fassenden Anlage nicht. Bequeme Sitzplätze mit guter Übersicht, 72 VIP-Logen sowie diverse Restaurants, Bars und Imbissstände machen den Stadionbesuch zum Erlebnis. Das Dach der Arena ist verschließbar.

Supercross Schalke (Archivversion)

ErgebnisseSupercross1. Kevin Crine (USA) Honda 67 Punkte2. Brett Metcalf (AUS) KTM 513. Johnny Aubert (F) Yamaha 504. Nic Wey (USA) Yamaha 495. Mike Craig (USA) Suzuki 49Super Moto1. Pit Beirer (D) Yamaha 69 Punkte2. Stefan Everts (B) Yamaha 563. Kurt Nicoll (GB) KTM 564. Jacky Martens (B) Husaberg 525. Johan Boonen (B) KTM 50

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote