Supercross-WM in Leipzig (Archivversion) Hochsprung Ost

Aufschwung Ost beim Supercross. In Leipzig flogen die Stollen-Stars zum ersten Mal in der Geschichte bei einem deutschen Indoor-Cross um WM-Ehren.

Die Mischung macht´s beim Supercross. Und doch hätte sich der Italiener Giuseppe Luongo, seines Zeichens Vermarkter der Viertelliter-Moto Cross-WM und seit diesem Winter gewissermaßen auch der Bernie Ecclestone der wieder ins Leben gerufenen Supercross-Weltmeisterschaft, eine etwas homogenere Mixtur seiner Wintertour gewünscht. Denn aus dem angekündigten vierteiligen Kampf der Retorten-Cross-Giganten des alten und neuen Kontinents wurde letztlich schlicht und einfach ein Duell der französischen Supercross-Spezialisten gegen eine Handvoll Amerikaner - beim Auftakt im Pariser Stade de France, dem zweiten Lauf in Brasilien und auch bei Station Nummer drei, dem Supercross in Leipzig. Wobei auch die Flugschau im Osten durchaus ihre ganz besondere, eigene Mixtur entwickelte. Einerseits eine Strecke, die zum Besten zählte, was den Hallencross-Flitzern in den letzten Jahren vor die Räder gesetzt wurde. Pfeilschnell, mit gigantischen, aber weitgehend risikoarmen Doppel- und Dreifachsprüngen und - als Unikum im Supercross - einer kniffliggen Tiefsand-Passage. Andererseits aber auch ein mit gerade mal 4000 Fans nur mäßig besuchter Freitag abend, der wiederum von einer mit über 12000 Zuschauern ausverkauften Halle am Samstag abend kontrastiert wurde.Was die bisherigen Herrscher der Indoor-WM jedoch weitgehend kalt ließ. Denn als einziger Hersteller, die im Vorfeld ihre Unterstützung noch vollmundig angekündigt hatten, hielt Suzuki dem sichtlich geknickten Signore Luongo die Treue - und durfte dafür bislang auch die meisten Lorbeeren einstreichen. Wobei nicht Larry Ward, dem Viertem der US-Supercross-Meisterschaft und somit designierten Chef im holprigen Ring, die Schrittmacherrolle zuteil wurde. Die gelben Farben präsentierte nämlich Jung-Star Robbie Reynard wesentlich eindrücklicher. Dem Sieg in Brasilien folgte auch in Sachsen der fahrerisch stärkste Auftritt des gesamten Felds.Der 21jährige aus Oklahoma, der sich am Rennwochenende ausschließlich in den unmittelbar an die Hallen angrenzenden Fast Food-Tempeln ernährte, servierte den Fans seinen eigenen Auftritt ebenfalls im Stil eines Schnellrestaurants. Kein Table top, kein Doppelsprung, kein Waschbrett, das der stämmige Yankee nicht im Rekordtempo hinter sich brachte. Nach dem Start-Ziel-Sieg am Freitag verhinderte nur ein loser Tankdeckel, der Reynard im Samstagsfinale zum einem kurzen Boxenstopp zwang, Triumph Nummer zwei. Dennoch zur Freude der Fans. Denn anschließend jagte der Suzuki-Pilot seinen Untersatz um so vehementer über die Piste und holte - von Platz 15 kommend - am Schluß den sensationellen dritten Rang hinter Kollege Ward und dem Franzosen David Vuillemin.Für eine kleinere Sensation sorgte auch Jochen Jasinski. Der 28jährige Neuankömmling im Team des Westerwälder Honda-Händlers Burkhard Sarholz schlug sich am Freitag im franko-amerikanischen Völkergemisch mit Platz zehn mehr als prächtig. Und wenn´s am Samstag letztlich nur zu Rang 17 reichte, so bleibt danach auch für den langen Hessen das tröstende Resümee: Die Mischung macht’s.

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