Supercross-WM in Paris (Archivversion)

Oben ohne

Fast 50 000 Fans, eine attraktive Strecke, ein renommiertes Stadion - der Auftakt zur Supercross-WM hätte perfekt werden können, wenn nur etwas nicht gefehlt hätte: ein Dach.

Klarer Fall, Wettergott Petrus mag keine Moto Crosser. Erst vor Monatsfrist vermieste der Herrscher über die Naturgewalten die größte Party der Off Road-Fans gewaltig. Zwei Tage lang hatte er das Moto Cross der Nationen im englischen Foxhill einfach wegzuschwemmen versucht und die bedauernswerten Stollenjünger samt flaggenschwenkender Fangemeinde im knietiefen Morast im wahrsten Sinn des Worts versumpfen lassen. So sehr, daß jeder, wirklich jeder der in der Regel gar nicht zimperlichen Stollenfraktion sich sehnlichst nur noch eines herbeiwünschte: die Supercross-Saison. Mit vollbesetzten Zuschauerrängen, dicken Preisgeldern, urbanem Umfeld und vor allem einem Dach über dem Kopf. Das Pariser Stade de France, das erst anläßlich der diesjährigen Fußball-WM eingeweihte, in Beton gegossene Monument nationaler gallischer Größe, sollte die erste Station der anstehenden Wintertour werden. Wobei die Cross-Welt nicht nur auf eine neue Arena, sondern vor allem auf eine Wiederbelebung der im Lauf des letzten Jahrzehnts doch arg gebeutelten Supercross-WM hoffte. Denn gleich ob unter der Obhut der internationalen Motorradsportföderation FIM oder diverser privater Veranstalter, gleich ob unter der Flagge eines offiziellen WM-Titels oder den schnittigen Labels der sogenannten Rodil-Trophy beziehungsweise den Masters of Moto Cross, das Ziel, die besten europäischen und amerikanischen Off Road-Künstler in einer Serie gegeneinander fahren zu lassen, hatte noch kein Organisator erreicht. Denn während die europäischen WM-Crosser einerseits von einer langen Freiluft-Saison ausgepowert der Ruhe bedürfen und andererseits mit den trickreichen Indoor-Pisten fahrtechnisch auf Kriegsfuß stehen, lassen sich die sprunggewaltigen US-Cracks statt mit zweifelhaften Titelehren viel leichter mit einem möglichst großen Bündel Dollars überzeugen. Doch wie gesagt, dieser Winter sollte anders werden. Der Italiener Giuseppe Luongo, seines Zeichens Vermarkter der Viertelliter-Moto Cross-WM, wollte es endlich schaffen: Durch sanften Druck der Hersteller sollten die besten US-Crosser über den großen Teich gebracht werden. Wobei besagte schiebende Hand offensichtlich ihre Finger doch etwas zu gespreizt hielt, so daß die Yankee-Stars doch hindurchschlüpfen konnten. Denn die Sternenbanner-Abordnung zum Auftakt der Supercross-WM in der französischen Metropole hätte bestenfalls für ein Provinz-Indoorcross gereicht. Lediglich Suzuki hatte mit Larry Ward, dem Dritten der aktuellen US-Supercross-Meisterschaft, und dem talentierten Robbie Reynard Wort gehalten und ihre besten Kämpfer in die Schlacht geschickt. Ansonsten herrschte Funkstille. Kein Übercrosser Jeremy McGrath, kein Vizemeister Ezra Lusk, kein Jungstar Ricky Carmichael, kein Viertakt-Kunstflieger Doug Henry. Und weil die Amis schwänzten, fühlten sich auch die Europäer aus ihrer Pflicht genommen. Kein 125er Weltmeister Alessio Chiodi, schon gar kein Viertelliter-Vizechef Stefan Everts, erst recht nicht die verletzten Weltmeister Sébastien Tortelli und Joel Smets. Was die größtenteils französischen Schlachtenbummler jedoch nicht von einem Aufmarsch sondergleichen abhielt. Mit 47 000 zahlenden Zuschauern katapultierte sich die Premiere im Stade de France auf Anhieb zur bestbesuchten europäischen Off Road-Sport-Veranstaltung. Und die vermissten weder Mister McGrath noch Signore Chiodi, sondern nur eins: ein Dach. Was Herrn Petrus - wir erinnern uns seiner Einstellung gegenüber dem erdverbundenen Motorradsport - denn nach Foxhill zum Zweitschlag ausholen ließ. Während die Fans von der Glaskrempe des Nobel-Stadions perfekt trocken gehalten wurden, verwandelte Dauerregen die sorgsam auf dem nicht überdachten Fußball-Spielfeld modellierte Piste in eine moorige Hügellandschaft. Auch wenn das extrem verdichtete Terrain den Fluten erfreulich viel Widerstand leistete und die meisten Sprungkombinationen auch noch im Finallauf überflogen werden konnten, so stellte sich den Fans angesichts der völlig eingeschlammten Piloten die Frage: Wer fliegt denn da? Ein Glück, daß auch weniger versierte Supercross-Freaks den 125er Vizeweltmeister und neu erkorenen französischen Nationalhelden David Vuillemin selbst im eingebräunten Zustand an dessen typischen, fast schlacksig-ungelenk wirkenden Fahrstil zu erkennen vermochten. Denn nach mäßigem Start wühlte sich der 20jährige 125-cm³-Vizeweltmeister aus Marseille am allerbesten durch die schmoddrigen Fluten, ließ die US-Crosser samt Landsmann Mickael Maschio hinter sich und sorgte damit für die Fortsetzung der kurzen Tradition des Stade de France - der, daß seit seiner Einweihung im August noch kein französischer Sportler seinen Gegnern klein beigeben mußte. Was vielleicht auch Promoter Luongo motivieren sollte, im Kampf um seine Supercross-WM nicht aufzugeben. Und zumindest Petrus braucht der Italiener bei den beiden Finalveranstaltungen in Leipzig wie Genua nicht zu fürchten, denn deren Hallen sind überdacht.
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Supercross-WM in Paris: Reportage (Archivversion)

ErgebnisFinale1. David Vuillemin (F) Yamaha, 2. Mickael Maschio (F) Yamaha, 3. Robbie Reynard (USA) Suzuki, 4. Steve Lamson (USA) Yamaha, 5. Ryan Hughes (USA) Honda, 6. Jean-Sébastien Roy (CDN) Kawasaki, 7. Pierrick Paget (F) Honda, 8. Tim Ferry (USA) Yamaha, 9. Xavier Fabre (F) Honda, 10. Nicolas Cailly (F) Honda.Das Ergebnis entspricht dem WM-Stand nach einem von vier Läufen.

Supercross-WM in Paris: Reportage (Archivversion) - Supercross in Deutschland

Eins mal vorab: Die deutschen Supercross-Veranstaltungen finden alle in geschlossenen Hallen statt. Mit Dach. Doch nicht nur deswegen dürfen sich die Fans freuen. Erstmals gibt´s ein konstantes, sehr homogenes Starterfeld für alle Veranstaltungen, nach wie vor den Superjump und immer noch die gleichen Eintrittspreise wie im letzten Jahr.Und noch was zur Supercross-WM: Das ursprünglich zur WM zählende Supercross in Antwerpen am 12./13. Dezember findet zwar statt, besitzt aber kein WM-Prädikat mehr. Die deutschen Supercross:30./31. Oktober Berlin (Velodrom) Ticket-Hotline 030/44304430.13./14. NovemberStuttgart (Schleyerhalle)Ticket-Hotline 0711/280013620./21. November Leipzig (Neue Messe)Ticket-Hotline 0341/35856798.-10. JanuarDortmund (Westfalenhalle)Ticket-Hotline 0231/5499016./17. Januar ´99Kiel (Ostseeehalle)Ticket Hotline 0180/5101112

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