Supermoto-DM in Friedrichshafen (Archivversion)

Vollgas

Ob im Zeppelin oder in Jürgen Künzels Siegerbike (74) – bei der Supermoto-Premiere in Friedrichshafen zählte bei beiden vor allem eins: Gas – und zwar möglichst viel davon.

Das Phänomen ist bekannt: Alles läuft wie am Schnürchen, die Dinge fügen sich ineinander, man ist bereit, den Beweis der eigenen Fähigkeiten anzutreten – und am Tag X läuft alles schief.
Vorzeigeeffekt nennt man das. Bernd Hiemer weiß
Genaueres darüber – spätestens seit diesem ersten Juli-Wochenende in Friedrichshafen. Bis dahin hätte die Saison für den jungen Allgäuer kaum besser laufen können.

Zuerst der Vertrag mit KTM inklusive Werksmaterial, Festgehalt und hochprofessionellen Trainingsbedingungen. Dann trotz kurzer Verletzungspause wegen einer gebrochenen Ferse der Durchbruch in der WM. Erst zwei Wochen vor dem DM-Meeting in
Friedrichshafen hatte sich der 22-Jährige im österreichischen Melk sensationell die Führung in der hubraumoffenen, so genannten S1-Klasse unter den Nagel gerissen.
Doch dann kam Friedrichshafen: Pole Position, Führung in Lauf eins, Sturz – Platz fünf. Mäßiger Start in Lauf zwei, Aufholjagd an die Spitze, Sturz – Platz 16, bescheidene fünf Punkte. Zu mehr als dem vierten Platz in der DM-Zwischenwertung reicht’s nicht. Der 3. Juli 2005 war kein Tag für Bernd.
Dabei bot dieses Wochenende nicht nur für den amtierenden Deutschen Meister etwas Außergewöhnliches. Schließlich ergänzte die Piste in Friedrichshafen die ohnehin ungewöhnliche Mixtur der Supermoto-Rennstrecken aus Flugplätzen, Stadtparks und Kartstrecken um eine weitere Facette. Die 1400 Meter lange, sehr kreativ gestaltete Piste schlängelte sich
über das Freigelände der lokalen Messe, eine abgesperrte Landstraße und einen 300 Meter langen
Offroad-Teil nämlich unmittelbar am Landeplatz
der Zeppeline entlang.
Von der Kulisse der ständig startenden und
landenden Enkel des legendären Hindenburg
ließen sich dafür offensichtlich andere inspirieren – Michael Herrmann zum Beispiel. Der 22-Jährige aus dem thüringischen Rottleben ist in Supermoto-Kreisen noch nicht allzu lange bekannt. Verständlich, schließlich betreiben die Eltern des Youngsters
eine der wenigen Supercross-Trainingshallen in Deutschland –, und so sicherte sich der Filius
vor zwei Jahren immerhin den Vizetitel in der
125er-Klasse des ADAC-Supercross-Cups.
Zumindest seine permanent blendende Laune hat ihm der Umstieg in die Welt der Asphalt-Drifter nicht verdorben. Auch nicht, dass Teamkollege und Vizemeister Alex Blößl, der wegen eines völlig lädierten Handgelenks wenige Wochen zuvor seinen Helm an den Nagel hängen musste, nun den Erfolgsdruck an Spezi Herrmann weiterreichte. Im Gegenteil. Der ehemals stämmige Twen witterte Morgenluft und hungerte sich stolze 15 Kilo von den Rippen. In Friedrichshafen nutzte der KTM-Pilot die neue Leichtigkeit des Seins, um seinen bisherigen Karriere-Höhepunkt zu inszenieren: den Sieg im ersten 450er-Lauf. Und wenn der Sturz am Start im zweiten Heat letztlich auch den ganz großen
Triumph verhinderte, ist dennoch sicher: Von der Frohnatur wird man auf den
gemischten Asphalt-/ Schotter-Kursen noch öfter hören.

Was man von Jürgen Künzel schon länger tut. Abgesehen von gelegentlichen Ausnahmen wie im besagten ersten 450er-Lauf kämpft der 30-Jährige vor allem mit sich selbst. Zwei von den am Renntag möglichen vier Laufsiegen gehören zum sportlichen Mindest-Erfolgsprogramm in der DM. Das kommt nicht von ungefähr. Der völlig austrainierte Sportsmann legt sich anstatt mit Hiemer und Co. in der WM parallel
zur DM im noch jungen US-amerikanischen Championat an. Was überm Teich
für den aktuellen zweiten Platz im Zwischenklassement reicht, gerät hier zu Lande zur Dominanz. Mit zwei weiteren Siegen schaffte sich der Führende in beiden DM-Klassen auch in Friedrichshafen Reserven für die kommenden Termin-Überschneidungen der zwei Serien. Denn ausgerechnet beim Finale in Saarbrücken wird der Profi die DM-Punkte kampflos dem Rest der Truppe überlassen müssen.
Worauf Supermoto-Haudegen wie der Schweizer Dani Müller gar nicht erst warten. Der holte sich am Bodensee nach drei Podestplätzen im zweiten Lauf der Prestige Open auf der 450er-Yamaha endlich seinen ersten DM-Laufsieg. Kein Wunder, war ja nicht sein Heimrennen.
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MZ-YOUNGSTER-Cup (Archivversion)

Ein Achtelliter Hubraum, 15 PS, knapp über 3000 Euro Anschaffungspreis für die rennfertige, nahezu unzerstörbare MZ 125 SM samt allen Nenngeldern – die Eckdaten des MZ-Youngster-Cup sind in der Tat hochattraktiv. Verständlich, dass sich der Cup der Sachsen längst zum Nachwuchs-Pool schlechthin
für die Driftbranche entwickelt hat.
Umso erfreulicher, dass derzeit die ganz junge Garde in dieser Liga den Ton angibt. So dominierte nicht nur in Friedrichshafen der erst zwölfjährige Kevin Würterle das Geschehen und liegt zwei Veranstaltungen vor Schluss mit 182 Punkten locker in Front vor dem bereits 16-jährigen Mirco Möller aus Kiel mit 144 Punkten. Stark im Kommen trotz seines momentan nur sechsten Platzes: der Sieger des zweiten Laufs in Friedrichshafen, der zwölfjährige Toni Krettek aus Luckau.

Ergebnisse (Archivversion)

DM-Stand nach acht von 14 Läufen
(Platzierungen in den beiden Rennläufen in Klammern)

Prestige 450
1. Jürgen Künzel KTM (2/1) 178 Punkte
2. Dirk Spaniol Suzuki (9/5) 117 Punkte
3. Michael Herrmann KTM (1/-) 113 Punkte
4. Petr Vorlicek (CZ) Suzuki (-/-) 105 Punkte
5. Jean-Marc Gaillard (B) Honda (4/5) 92 Punkte

Prestige Open
1. Jürgen Künzel KTM (1/2) 144 Punkte
2. Jochen Jasinski Husaberg (4/7) 126 Punkte
3. Marcel Götz (CH) KTM (-/5) 104 Punkte
4. Bernd Hiemer KTM (5/16) 96 Punkte
5. Christian Ackerl (A) Honda (10/6) 94 Punkte

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