Supersport 600-Weltcup in Oschersleben (Archivversion) «Motorräder nicht auf die leichte Schulter nehmen“

Der neue Motopark Oschersleben zeigt gute Anlagen, aber es ist auch noch Sand im Getriebe

Der Motopark Oschersleben hat seine Feuertaufe bestanden, zumindest was die Anlage selbst angeht. Die Strecke entspricht hinsichtlich Verlauf und Sicherheit, modernsten Anforderungen. Die 30 Boxen sind überaus großzügig dimensioniert und auch die Funktionsgebäude mit Medical Center, Pressezentrum, Race-Control-Räumen und den noch im Innenausbau befindlichen Hospitality-Lounges geben kaum Anlaß zu Kritik. Im Gegensatz dazu aber standen beim ersten internationalen Rennen ganz erhebliche organisatorische Mängel. So begann die gesamte Veranstaltung am Freitagmorgen mit 90 Minuten Verspätung, weil gleich reihenweise Streckenposten nicht erschienen waren. Und an die Freiwilligen, die jetzt auf die Schnelle noch aufgetrieben werden konnten, durfte man nicht allzu hohe Anforderungen stellen. Die überwiegend Jugendlichen im Mittelstufenalter waren zum Teil von keinerlei Kenntnis des Motorsports getrübt, erkannten zwar die unterschiedlichen Farben der ihnen überantworteten Flaggen, nicht aber deren Bedeutung.Während des leider nur schwach besetzten freien Test-Trainings der Superbike-WM-Teams traf der Honda-Werksfahrer Aaron Slight an der Boxenausfahrt auf einen Radlader, der gerade im Begriff war, mitsamt eines massiven Formbetonteiles die Strecke zu überqueren. Den wild gestikulierenden Slight ließ der Baggerfahrer ebenso passieren wie den wenig später mit Volldampf die Zielgerade herunterbrausenden John Kocinski. Dann aber setzte er ungerührt seine Arbeit fort und lieferte den Betonklotz auftragsgemäß im Innenbereich der Rennstrecke ab.Solche Dinge dürfen und werden auch nicht mehr passieren, wenn in der Organisation alle Instanzen professionell zusammenwachsen. Da aber muß das überwiegend aus der Automobilsport-Szene stammende Motopark-Team verstehen, daß ein Motorrad-Rennen nicht derart auf die leichte Schulter genommen werden darf, wie es leider über weite Strecken des Premieren-Wochenendes erschien.

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