Supersport 600-WM (Archivversion) Einsam, aber schneller

Stéphane Chambon wollte diesmal allein spielen. Nach einer, wie in der Supersport 600-WM üblich, äußerst turbulenten Anfangsphase mit zahlreichen Führungswechsel übernahm der Südfranzose auf seiner Corona-Alstare-Suzuki noch im ersten Renndrittel das Kommando.Mit einigen Rekord-Runden setzte sich der WM-Tabellenführer souverän von seinen Verfolgern ab. Die beiden Yamaha-Werksfahrer Ruben Xaus und Piergiorgio Bontempi sowie Kawasaki-Solist Iain MacPherson, im Lauf der bisherigen WM-Saison alle schon in den Siegerlisten, fanden plötzlich kein Gegenmittel mehr gegen den begnadeten Motorradartisten Chambon. Wobei dieser auf seiner erfolgreichen Flucht überraschend präzise und diszipliniert vorging. Lediglich seine in manchen Kurven extrem kurzen, eckigen Wege verblüfften die Konkurrenz.Am Ende hatte der Sieger sogar noch Zeit, bereits vor der Ziellinie die englischen Fan-Massen mit Super Moto-Show-Elementen zu begeistern. Auf einem Bein auf der Sitzbank stehend, trieb er die gelb-balue Suzuki im Wheelie der schwarz-weiß karierten Flagge entgegen.Aber nicht nur Chambons Show-Talent hielt die Fans bei Laune. Denn rund acht Sekunden hinter ging es im Kampf um Platz zwei drunter und drüber. Xaus, Bontempi, MacPherson, dazu noch Bontempis Teamkollge Massimo Meregalli und Suzuki-Italia-Fahrer Cristiano Migliorati schenkten sich keinen Millimeter. Lediglich der bedauernswerte Schotte MacPherson, vom südenglischen Publikum frenetisch als einer der ihren angefeuert, musste seine Kawasaki gegen Mitte des Rennens mit beschädigtem Motor abstellen. Im Finale konnten sich Xaus und Migliorati etwas von der restlichen Bande absetzen und sich die Podestränge zwei und drei sichern.Mal wieder auf der Jagd nach verlorener Trainingszeit war das Yamaha Deutschland-Duo. Der Auftrag für Jörg Teuchert auf Startplatz 13 und Christian Kellner, gar noch vier Plätze weiter hinten, war klar: so viele Gegner überholen wie möglich. Dem Oberbayern Kellner erschien diese Aufgabe offenbar ein wenig zu leicht. Denn erst nach einem schwachen Start und Rang 21 am Ende der ersten Runde begann er die »Mission impossible«. Wie schon Ende Mai in Monza fuhr der deutsche 125er-Meister von 1996 mit Abstand die schnellsten Runden im gesamten Feld. Doch diesmal wurde er besser belohnt. Platz sechs im Rennen und in der WM-Tabelle der Sprung auf Gesamtrang vier.Teamkollege Teuchert, in der Endphase zusammen mit Kellner auf dem Weg nach vorn, hatte dagegen Riesenpech. Kurz vor Schluss des Rennens geriet er mit dem Briten Steve Plater aneinander. Beide stürzten. Nur die leichten Blessuren, die Plater in die Obhut der Sanitäter zwangen, brachten ihn in Sicherheit vor dem extrem aufgebrachten Franken.

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