Supersport 600-WM (Archivversion) Unerlaubter Sieger

Der Teamchef des Corona-Alstare-Suzuki-Werksteams, Francis Batta, schäumte vor Wut: »Wir dürfen offenbar hier nicht gewinnen.« Was war passiert? In der zwölften von 25 Runden hatte sein Fahrer Stéphane Chambon von Ducati-Werksfahrer Paolo Casoli die Führung übernommen, und der Italiener war in der anschließenden Runde, wie einige andere Fahrer auch, auf einer Ölspur gestürzt. Das Rennen wurde abgebrochen und neu gestartet, allerdings nicht mit dem Stand der zwölften Runde, also wie üblich eine Runde vor dem Abbruch. Für den Neustart und damit auch die Gesamtwertung gewertet wurde die Rangliste nach elf Runden - und da war Casoli noch an der Spitze.Im Lauf des Rennen aber konnte sich Monsieur Batta wieder beruhigen. Denn Stéphane Chambon brachte die Sache auf seine Weise in Ordnung. Der Meister aller Driftwinkel kontrollierte den ungestümen Schotten Iain MacPherson auf der Werks-Kawasaki und fuhr überzeugend als Erster des zweiten Rennteils über die Ziellinie. Und da Feind Casoli, offenbar ein wenig von seinem Sturz durcheinander, über zehn Sekunden verloren hatte, war der Sieg dem Franzosen nicht mehr zu nehmen. Zweiter der Gesamtwertung wurde MacPherson vor Casoli.Das Yamaha Deutschland-Duo hatte schon früh einen heftigen Moment zu überstehen. Jörg Teuchert startete mit großem Optimismus von Startplatz vier in der ersten Reihe, direkt vor seinem Teamkollegen Christian Kellner auf Rang acht. Und am Ende der zweiten Runden trafen sie sich auf den Rängen fünf und sechs. Dies leider wörtlich. Teuchert, irritiert und motiviert zugleich von kleineren Problemen seines niederländischen Yamaha-Kollegen Wilco Zeelenberg direkt vor ihm, riß etwas zu früh am Gasgriff seiner R6 und stieg direkt vor der Haupttribüne höchst publikumswirksam von seiner highsidenden Maschine ab. Mit sehr viel Körperbeherrschung und Glück konnte er gröbere Verletzungen vermeiden, sein Motorrad aber fiel direkt vor die Nase von Christian Kellner. Der Bayer wendete zwar einen Sturz gerade noch ab, mußte jedoch mit einem reichlich lädierten Motorrad weiterfahren und war beim Abbruch in der elften Runde gerade mal Zehnter. Mit beherzter Fahrweise kämpfte sich Kellner im zweiten Rennteil auf Rang sechs. Daraus resultierte in der Gesamtwertung Rang neun. Trotz einer versöhnlichen Pool-Party im Hotel der Yamaha-Deutschland-Crew am Sonntag abend war Teamchef Udo Mark während des Rückflugs hoch über dem Atlantik nachdenklich: »Ein eher mäßiges Ergebnis steckst du leichter weg, wenn du näher an zu Hause bist. Aber so fliegst um die halbe Welt und bringst halt kaum was mit.“

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