Supersport 750-Cup: Vorstellung (Archivversion) Nicht ohne meine Tochter

Die Superbike-Klasse hat Nachwuchs bekommen - die neue Supersport 750-Serie. GP-Rennfahrer Oliver Koch durfte mit der Erstgeborenen, der Yamaha YZF 750, ausgehen.

Nein, das darfst du nicht - nein, das kriegst du nicht. Ein Supersport-Bike hat’s nicht leicht mit dem strengen Reglement, auch nicht in der neuen 750-cm³-Klasse. Durch großkalibrige Rennvergaser darf es das Gemisch nicht inhalieren. Und die scharfen und edlen Motorenteile aus geheimen Entwicklungslabors der großen Werke bekommt es nicht. Alles verboten. Da gibt’s nix. Oder jedenfalls fast nichts. Trotzdem sagen die Auguren des deutschen Zweiradrennsports der neuen Superbike-Tochtergesellschaft mit Namen »Deutscher Supersport 750-Cup« eine glänzende Zukunft voraus, gerade weil die Beschränkungen des Regelwerks so eng sind und damit die Kosten wesentlich geringer bleiben sollen als in der verwandten Superbike-Klasse. Mitsui-Yamaha Deutschland hat das Rennen vor dem Rennen in der neuen Kategorie gewonnen und steht als erster mit einer fahrfertigen und käuflichen Supersport-YZF 750 SP an der Startlinie.Dieses Bike stand dem frisch zurück getretenen 125er GP-Pilot Oliver Koch, der als Gast-Testfahrer für MOTORRAD einsprang, auf dem regennassen Kurs im italienischen Misano zur Verfügung. Leider konnte Koch aufgrund der widrigen Bedingungen nicht viel mehr als eine gutmütige Motorcharakteristik und ein überraschend leichtes Handling feststellen. »Ich habe mir schwere Viertakt-Bikes, zumal in einer so seriennahen Klasse, im Fahrverhalten sehr viel monströser und bockiger vorgestellt«, staunte der an leichte Zweitakter gewöhnte 125er Ex-Europameister.Für Staunen sorgt das jungfräuliche Rennmotorrad auch, wenn es um die Finanzen geht. Die YZF 750 SP in der Grundversion, für 15 500 Mark zu haben, ist ein echtes Discountangebot - allerdings gebunden an die schriftliche Verpflichtung gegenüber Mitsui, daß der Besitzer im 750er Cup startet. »Wir nehmen als Basis für die Supersport-Bikes Serienmaschinen aus dem Modelljahr 1994«, erklärt Mitsui-Rennleiter Hayri Winter, »sparen so gegenüber dem 1996er Serienmotorrad einen nicht unbedeutenden Betrag.« Das Reglement erlaubt lediglich Arbeiten an Ein- und Auslaßkanälen sowie Ventilen und Zylinderkopf, was zum Anstieg der Verdichtung und effizienterer Füllung führt. Darüber hinaus sind im Motor nur Feinheiten wie Gewichtsangleichung bei Kolben und Pleueln, Feinwuchten der Kurbelwelle sowie andere Steuerzeiten der nockenwellen erlaubt. Diese Arbeiten werden bei der käuflichen Supersport-YZF 750 von Tuner Herbert Schaumburg ausgeführt und schlagen mit rund 3000 Mark zu Buche. Dazu kommen die Verkleidungsteile der Rennversion (1100 Mark) und der offene Rennauspuff von Termignoni (1200 Mark).Damit ist die gut 135 PS starke Supersport 750-Maschine, grob gesehen, halb so teuer wie das käufliche C-Kit-Superbike gleichen Typs. »Unsere Kunden-Superbikes, wie sie zum Beispiel 1996 von Herbert Kaufmann im Wegener-Team oder Bauer-Racing mit Toni Gruschka eingesetzt werden, kosten rund 50 000 Mark«, stellt Winter den Unterschied zwischen der zweiten Liga und einem sicheren Mittelfeldplatz in der Elite-Klasse des deutschen Motorradrennsports klar.Die Differenz entsteht hauptsächlich durch wesentlich weitergehendes Motortuning beim Superbike. Die Yamaha-C-Kit-Teile kosten die Kleinigkeit von 14 000 Mark, steigern die leistung aber auch auf über 150 PS. Weitere nennenswerte Posten in der Rechnung eines Superbike-Privatteams sind beispielsweise die Gabel - das Öhlins-Teil in der Kit-Yamaha kostet 7500 Mark - sowie Schwinge und Getriebe für jeweils 3500 Mark.Auch wenn die Supersport-YZF ganz klar ein Sonderangebot ist und Konkurrenzmodelle wie die neue Suzuki GSX-R 750 mit 18 690 Mark in der Basisversion deutlich teurer und zumindest vom Anspruch ihrer Macher auch etwas leistungsstärker sind, erscheint der Supersport 750-Cup immer noch eine finanziell hochinteressante Alternative zur Profiliga Superbike-DM, insbesondere für ambitionierte Aufsteiger und Fahrer, denen für erfolgversprechende Superbike-Aktivitäten das entsprechende Budget fehlt. So verspricht die neue Klasse - auf Drängen der Industrie als Unterbau für die Superbikes geschaffen und deshalb bei den meisten Veranstaltungen in das DM-Paket mit den Klassen Superbike, 125, 250 und Supersport 600 integriert - eine brisante Mischung aus jungen Angreifern und etablierten Cracks wie etwa Rainer Jänisch, Claus Ehrenberger, Gerhard Lindner und anderen.Auf Kollisionskurs mit der neuen Klasse befindet sich möglicherweise die momentan international wie national noch höher bewertete kleinere Schwester Supersport 600. Für 1996 sind zwar beide Felder gut gefüllt. Aber die 600er profitieren vom höherwertigen DM-Prädikat, dessen Fehlen sicher einige Fahrer aus dem 750er Cup fernhält. »Für mich ist die Supersport 750-Serie eine Meisterschaft und basta«, zeigt jedoch Suzuki Deutschland-Verkaufsleiter Bert Poensgen künftige Prioritäten auf.Mitsui-Yamaha dagegen setzt zumindest 1996 im Bereich Nachwuchs noch auf die 600er Klasse. »Unsere Top-Leute aus dem Yamaha-Aral-Cup steigen in die 600er Supersport-DM um«, so Hayri Winter, »das ist aus dem 600er Cup logischer. Außerdem hatten wir unsere Planung bereits abgeschlossen, als die neue 750er Klasse geschaffen wurde.«Diese Entscheidung will Winter aber keinesfalls als Mißtrauen gegen die jüngste Tochter seines Hauses verstanden wissen. »Ich denke, daß unsere Supersport 750-Maschine nicht nur sehr günstig, sondern auch voll konkurrenzfähig sein wird. Die anderen müssen ihre hohen Motorleistungen erst einmal in der Realität beweisen.“

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