Supersport-WM in Phillip Island (Archivversion) Die Kängurus versenken den Drachen

Nach einem Blitzstart an die Spitze des Supersport-Feldes wehrte sich Katsuaki Fujiwara, wie es sich für einen guten Samurai-Kämpfer gehört, mit größtem Heldenmut, um sich in der australischen Sintflut, die gleich im Flottenverband angetretene australische Marine vom Leibe zu halten. Die drei feindlichen Honda-Brüder Kevin Curtain, Adam Fergusson und Chris Vermeulen sowie Kawasaki-Werksfahrer Andrew Pitt aber zeigten auch bei übelstem Wind und Nässe in Perfektion die kämpferischen Tugenden, welche die inoffzielle australische Sportflagge mit den boxenden gelben Känguru auf grünem Grund symbolisiert. Sie befehdeten sich gegenseitig, vor allem aber den japanischen Eindringling, als gäbe es die katastrophalen Wetterumstände überhaupt nicht.Und tatsächlich, das ungleiche Känguru-Quartett schaffte es, den bösen Drachen ins Aus zu boxen. Nach 13 von 21 Runden rutschte Fujiwara von seiner Alstare-Corona-Suzuki, gerade als er sich entschossen hatte, den an der Spitze entfliehenden Kevin Curtain und dessen BKM-Honda wieder zu stellen. Auch die einheimischen Verbände hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Verluste erlitten. Der schon länger in England lebende Chris Vermeulen war zwei Runden vor Fujiwara schon von seiner Castrol-Honda geweht worden.Das verbliebene Trio aber segelte zu einem souveränen australischen Totaltriumph. Curtain und Alpha Technik-Reiter Fergusson besorgten den Honda-Doppelsieg. Und Andrew Pitt sorgte für die dritte australische Fahne am Siegerpodest. »Gesehen hast du da draußen außer den Reifenspuren deines Vordermannes eigentlich gar nichts«, grinste Sieger Curtain, der mit dem in Phillip Island Viertplazierten Valencia-Sieger Pere Riba an der WM-Spitze gleichzog. Bemerkenswert an dem australischen Dreifachsieg ist aus deutschsprachiger Sicht, dass in allen drei Siegerteams im wesentlichen deutsch gesprochen wird. Kevin Curtains BKM-Crew sitzt in Eupen im deutschsprachigen Ostteil von Belgien. Und Teamchef Michael Bartholemy fühlte sich »endlich in unserer jahrelangen Arbeit bestätigt. Wir haben in diesem Jahr mit Honda erstmals einen großen Hersteller als offiziellen Partner. Und da stehen wir schon im zweiten Rennen ganz oben. Das ist unglaublich.«Im bayerischen Alpha Technik-Honda-Team freute sich Teamchef Sepp Hofmann ganz besonders über den zweiten Rang von Adam Fergusson: »Nach dem schweren Sturz bei den Wintertests in Misano ist es sensationell, das Adam gleich bei seinem ersten Rennen für uns auf das Siegerpodest fährt. Das gibt der ganzen Truppe natürlich massiv Auftrieb, nachdem die letzten Testfahrten und auch das erste Rennen im März in Valencia uns doch ernüchtert haben.« Fergussons Teamgefährte, MOTORRAD-Mitarbeiter Markus Barth kämpfte sich von Startplatz 22 auf Rang 13 zu drei WM-Punkten durch. »Es war nicht zu fassen«, so Markus im Ziel, »ich habe schon in der ersten Kurve fast nichts mehr gesehen und war Letzter. So habe ich mich im Blindflug nach vorn gekämpft.« Andrew Pitts Boss, Kawasaki Racing Team-Chef Harald Eckl, fasste sich eher kurz: »Endlich haben unsere Supersport-Jungs wieder ein Erfolgserlebnis. Das war auch höchste Zeit.«Das eigentliche deutsche Vorzeige-Supersport-Team Wilbers-Suspension-Yamaha um Weltmeister Jörg Teuchert und Christian Kellner erlebte dagegen ein annähernd katastrophales Phillip Island-Wochenende. Im Training lief weder am trockenen Freitag noch später im Nassen auch nur irgendwas zusammen. Titelverteidiger Teuchert und der aktuelle WM-Tabellendritte Kellner starteten neben Markus Barth als 21. und 23. Im Ziel war wenigstens der Champion einigermaßen versöhnt. »Von soweit hinten noch auf den achten Platz zu fahren, da darfst du nicht mehr meckern«, resümierte der Franke. Kellner verlor, symptomatisch für den ganzen Australien-Trip seines Teams, in der letzten Runde noch den 15. Platz und damit den letzten WM-Punkt an den italienischen Suzuki-Fahrer Iannuzzi und war entsprechend niedergeschlagen: »Das ganze Wochenende kannst du nur ganz schnell abhaken.«Teamchef Udo Mark dagegen blickt lieber nach vorn: »Nächste Woche sind wir in Sugo. Und dort in Japan haben wir einen Doppelsieg zu verteidigen.“

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