Supersport-WM (Archivversion) In der Ruhe liegt die Kraft

Dass sich ein Rennen in Hockenheim oft darauf reduziert, wer in der letzten Runde als Erster ins Motodrom einbiegt und ob er sich dann noch durch die Sachs-Kurve behaupten kann, ist ein Binsenweisheit. Dass aber auch einer am Schluss als Triumphator durchs Motorsport-Stadion pfeiffen kann, der nach dem Start erst so ungefähr als 15 in die erste Kurve gegangen ist, das mussten die Fahrer der Supersport-WM dieses Jahr neu lernen.Und zwar von Jörg Teuchert, der im Verlauf seiner zweiten WM-Saison allmählich verdeutlicht, dass diese ganze Hektik am Start doch völlig überflüssig ist. Der coole Franke vergeigt regelmäßig den Start, und wer sich ihm danach in den Weg stellt, der wird halt überholt. Und wenn das Rennen lang genug ist, dann gewinnt er auch, wie jetzt wieder in Hockenheim, und bereits im April in Sugo. »Die sollten mal eine Sondertrophäe schaffen für den, der im Rennen die meisten Gegner überholt. Da würde ich ohne Probleme gewinnen«, grinste der Alpha Technik-Yamaha-Fahrer im Ziel. Andere waren aber nicht so glücklich. So etwa Ducati-Teamchef Davide Tardozzi, der durch die Extremsituation überfordert war, als in der letzten Runde gleich sieben wildgewordene und siegessichere Supersportler auf den Motodrom-Eingang zurasten und Jörg Teuchert sich etwas rustikal, aber dennoch fair und vor allem mit Nachdruck durchsetzte, erst gegen Ducati-Werksfahrer Paolo Casoli, was nicht ohne Berührung der beiden abging, und dann auch noch gegen dessen Teamkollegen Ruben Xaus.Wutentbrannt ging Tardozzi seinem Kollegen, dem Alpha Technik-Yamaha-Teamchef Udo Mark, buchstäblich an den Kragen und räsonierte tobend über Fairness und Gefährdung der anderen Fahrer und so weiter. Eine spontan angesetzte Jury-Sitzung, im übrigen ohne förmlichen Protest seitens des überkochenden Italieners, schaffte dann Klarheit. Der Kontakt mit Teuchert ging auf das Konto von Casoli, der unmittelbar davor über die Wiese geräubert war und seine Ducati 748 nicht schon wieder perfekt unter Kontrolle hatte.Außerdem ging der Rempler zu Lasten von Teucherts Teamkollegen Christian Kellner, der zuvor noch einen neuen Supersport-Runden-Rekord gefahren war. Durch die plötzliche Unruhe aber in der Spitzengrupe war er schlagartig in einer denkbar ungünstigen Position und konnte nur noch als Siebter ins Ziel rollen, mit gerade mal einer Sekunde Rückstand auf den Sieger Teuchert.

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