15.02.2011
Erschienen in: 06/ 2010 MOTORRAD CLASSIC

Szene: Horex VR6 Die Wiedergeburt einer legendären Marke

+++ Jetzt die neue Horex in der serienreifen Version in Dortmund auf der Motorradmesse bewundern. +++ Eine Gruppe Motorrad-Enthusiasten will dem Markennamen Horex neues Leben einhauchen. Ein 200-PS-Motorrad soll für Furore sorgen.
In diesem Artikel: Horex VR6

Horex 6-Zylinder-Motorrad: so sieht es aus

Die neue Horex - Technischer Overkill? "Premium-Technik", sagt Horex-Macher Clemens Neese.  

IN DIESEM ARTIKEL

Horex – was für ein Name, was für eine Tradition! Kann die Marke, die in den 50er-Jahren zu den großen Motorradherstellern gehörte, je wieder aufleben? Diese Frage erübrigt sich seit Juni 2010. Denn als am 15.6. die neuen Eigner der Markenrechte an die Öffentlichkeit traten, hatten sie längst in aller Heimlichkeit agiert: die Marke gesichert, eine Website gestaltet, eine Agentur engagiert und die wichtigsten Motorradjournalisten nach München-Oberschleißheim ins Luftfahrt­museum eingeladen; ein würdiger Rahmen für die Präsentation der ersten neuen Maschine.

Mehr über ...
Horex  VR6  Naked Bike 

Hinter Horex stecken drei ehemalige Hewlett-Packard-Manager. Chef ist Clemens Neese, ein vom Premium-Gedanken beseelter, unheimlich überzeugender Macher-Typ, dem man sofort abnimmt, dass er weiß, was er tut. Finanzchef Frank Fischer muss es ebenso wissen, denn er sorgte dafür und soll es noch einige Jahre tun, dass der neu gegründeten Horex GmbH die Mittel zur Verfügung stehen, um eine Serienproduktion zu starten und am Leben zu halten. Und dann ist da noch Fritz Rombach, ein in Ehren ergrauter Vertriebsmann, der sich um die Geschäftsentwicklung und das Händlernetz kümmert. Drei Männer, die mit ihren sechs Beinen mitten im Leben stehen. Drei Männer, die man nicht so einfach als Spinner abtun kann. Dazu ist das ganze Projekt auch schon zu weit gediehen, viel zu viel Geld ausgegeben und viel zu seriöse Menschen und Firmen im Umfeld eingesetzt worden. Aber davon später.

Was soll da 2011 als Horex auf den Markt kommen? Ein 200-PS-Kracher mit sensationellem VR6-Motor und Kompressor. Das Ganze auch noch als eher zahm gestalteter Roadster, der dem gemütlichen Spazierenfahren näher steht als dem ultrabrutalen Beschleunigen. Einen Namen hat die neue Horex noch nicht, aber wenn man sich die Eckwerte vor Augen führt, dürfte mindestens ein „Imperator“ auf dem Tank der Neuen prangen.

Horex Regina

Die einzylindrige Horex Regina war in den 1950er-Jahren die meistgebaute 350er der Welt.  

Foto: Werk  

Clemens Neese hat sich den VR6-Motor für Einspurfahrzeuge patentieren lassen. Der große Vorteil dieser Bauweise ist der geringe Platzbedarf. Mit keiner anderen Konfiguration lassen sich sechs Zylinder so dicht packen. Nachteil: Einlass- und Auslasskanäle liegen sehr eng beieinander, große Querschnitte und optimale Füllungsgrade sind schwer zu erreichen. Weil die Zylinderachsen verschränkt sind, können die Kolben nicht radialsymmetrisch zu ihrer Längsachse ausgeführt werden: Der Kolbenboden sitzt schräg auf dem Kolbenhemd. So richtig große Kolben passen bei der Kompaktbauweise auch nicht in den Block.

Der neue Horex-VR6-Motor spreizt die Zylinder, wie die VR6-Motoren von VW, um 15 Grad. Die je drei Ventile pro Brennraum sind radial angeordnet. Drei obenliegende Nockenwellen betätigen die 18 Ventile, die mittlere sechs Einlass- und drei Auslassventile. Die Einlasskanäle verlaufen senkrecht geführt, damit Ventile und Steuerung Platz finden.

Die gut 1200 cm³ Hubraum würden genügen, um leistungsverwöhnte Zeitgenossen zufriedenzustellen. Ein dicker roter Kompressor soll denen auch noch den Kitt aus der Brille blasen. Der per Zahnriemen von der Kurbelwelle angetriebene Radialverdichter spricht ohne Verzögerung an; ihn unterstützt ein im Luftfilterkasten integrierter Ladeluftkühler. Technologischer Overkill? „Nein“, sagt Clemens Neese, „Premium-Technik für Premium-Ansprüche. Horex stand immer für technisch anspruchsvolle Maschinen, das soll als Markenkern auch heute und in Zukunft so sein.“

Bauen wird die Motorprototypen Rupert Baindl, genialer Schöpfer ultrastarker Einzylindermotoren und des Neander-Diesel-Twins. Er hat schon den ersten frei saugenden VR6 fertig; kein anderer in Deutschland kann so etwas zum Laufen bringen. Mutig auch die Kraftübertragung: Erstmals in dieser Leistungsklasse soll ein Zahnriemen eingesetzt werden. Das konventionelle Sechsganggetriebe wirkt dagegen geradezu banal. Gabel, Räder und Bremsen werden gute Stangenware sein; das reicht ja auch für höchste Ansprüche.

Horex Imperator

Horex Imperator mit wegweisenden, damals revolutionärem Zweizylindermotor.  

Foto: Werk  

Nicht jeder wird beim Anblick der neuen Horex gleich auf ein 200-PS-Monster tippen. Der Designer Peter Naumann ging neue Wege und entwarf ein sehr friedvolles Motorrad. Ungewöhnlich wirkt die horizontale Teilung des Tanks, dessen untere Hälfte der Rahmen ist. Die braune Sitzbank wird nicht jeden begeistern, wirkt aber wertig. Man braucht ein paar Tage, um sich an die Linie zu gewöhnen, dann hat man verstanden: Die Horex ist ein Roadster für den solventen Genießer, der nicht gleich jedes verfügbare Pferdchen galoppieren lässt. Sie protzt nicht mit billigen Effekten, sondern soll lange hochwertig wirken. Naumann, der für BMW am C1 und für MZ an der 1000 S gewirkt hat, lehnt sich nirgends an, sondern hat etwas Eigenständiges geschaffen. Die Horex gefällt nicht jedem, aber jeder erkennt sie sofort.

Für die Fahrzeugauslegung holte sich Clemens Neese einen renommierten Produktplaner: Hennes Fischer, in den frühen 80ern MOTORRAD-Mitarbeiter und seither in Yamaha-Diensten, hilft bei der Positionierung und Planung des Roadsters und der folgenden Modellpalette. Sukzessive sollen zusätzliche Modelle auf den Markt kommen: Tourer, Sportler, Sauger, VR4 – es gibt viele Ideen.

Neue Zeiten brechen also an für die fast 90 Jahre alte Marke Horex. Sie werden mit den alten nichts zu tun haben. Auf der Kölner Intermot wird die Horex zum ersten Mal für die Weltöffentlichkeit zu sehen sein. Ende 2011 soll die Serienproduktion anlaufen. Zu Redaktionsschluss gab es noch keinen Produktionsstandort, und auf dem Prüfstand rennt gerade mal ein Sauger. Noch steht enorm viel Arbeit an und man kann diesen Zeitplan als Himmelfahrtskommando ansehen. Allerdings: Keiner hätte vor einem halben Jahr gedacht, jemals wieder eine neue Horex zu Gesicht zu bekommen. Bisher haben Clemens Neese und seine Mitstreiter alles durchgezogen. Möge ihnen der riesige Rest nun auch noch gelingen.


WEITER ZU SEITE 2: Interview mit dem CEO

1 | 2 |     

DIESEN ARTIKEL KOMMENTIEREN 


  • Marke

    Lade...

  • Modell

    Bitte Marke auswählen!

Thema: Elektro-Bikes
Das E-Bike ist im Stadtverkehr eine echte Alternative. Hier finden Sie alle Infos zu E-Bikes und alternativen Antrieben.
PS-Redaktion: VIP-Fahrtraining mit Neukirchner
Für das zweitägige Motorradtraining auf dem Sachsenring gibt es noch freie Plätze. Mit dabei: Redakteure und Profi-Rennfahrer!
Neu: iPhone-App von MOTORRAD
Ab sofort steht die neue iPhone-App "MOTORRAD für iPhone" im App-Store zum Download zur Verfügung.
"Oben ohne" an der star Tankstelle
Gratis-Kaffee für alle Biker – Die Kaffee-Biker-Aktion der star Tankstellen geht pünktlich zum Beginn der Saison in die nächste Runde.
Reifen-Spezial: Alles über Motorradreifen
Große Übersicht über Tourenreifen, Sportreifen und Hypersportreifen - inklusive Testergebnisse, Reifenkunde und Testtagebuch.