Taktfrage (Archivversion) Taktfrage

Die Tage der Zweitakter sind gezählt. Selbst in ihrer letzten Bastion, dem Rennsport, werden sie in der künftigen MotoGP-WM, in der ihr Hubraum kraft Reglement gerade mal auf die Hälfte der neuen Viertakter beschränkt ist, untergehen. Schon heute fahren die 990-cm3-Viertakter genauso schnell wie die Zweitakter, selbst wenn Filou Valentino Rossi in Jerez bei den Testfahrten mit der neuen V5-Honda RC 211 V pokerte und zwar eine sehr gute, doch nicht Bestzeit fuhr (siehe Seite 144). Mit den 500er-Zweitaktern endet nicht nur eine Ära im Rennsport. Damit wird auch die letzte Illusion begraben, dass die Zweitakter noch einmal im großen Stil im Serienmotorradbau auftauchen könnten. Sicherlich begannen so manche von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wie ich die Motorradkarriere auf den seinerzeit unheimlich günstigen, aber trotzdem leistungsstarken Zweitaktmaschinen. Die Yamaha RD 250 elektrisierte mich, weil sie den GP-Rennern von Yamaha technisch nachempfunden war – und weil ich sie mir leisten konnte. Fasziniert hat mich außerdem, dass ein Zweitakt-Motor eigentlich nur drei bewegte Teile braucht, um zu funktionieren. Kolben, Pleuel und Kurbelwelle genügen für bissige Power. Geringe Reibungsverluste und hohe Leistungsausbeute sind auch heute noch wichtige Aspekte bei Motoren. Leider haben sich die großen Hersteller nicht wirklich bemüht, die Nachteile dieser Triebwerke wie hoher Schadstoffausstoß, hoher Verbrauch wegen der Spülverluste sowie die inhomogene Leistungsentfaltung zu beseitigen. Lediglich Bimota hat mit der 500 Vdue einen ernsthaften Versuch unternommen und ist gescheitert. Schade.Denn nach wie vor gehört die fulminante Leistungsentfaltung eines starken Zweitakters zu den beeindruckendsten Erlebnissen, die man als Motorradfahrer haben kann. Die Erfahrung, als ich die Suzuki RG 500 Gamma als Tester unter die Lupe nahm, ist mir noch sehr eindrückllich im Gedächtnis. Unglaublich, wie diese Maschine mit ihren 95 PS ging. GP-Feeling pur, vom Sound über den Geruch bis zu der extremen Beschleunigung. Für MOTORRAD deshalb eine Ehre, die legendäre RG 500 noch einmal bellen zu lassen. Meisterlich vorgetragen von Werner »Mini« Koch ab Seite 82.

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