Technik: Anti-Hopping-Kupplung (Archivversion) Abgestempelt

Eine neuartige Kupplung soll das Stempeln des Hinterrads verhindern.

Rennfahrer kennen es fast alle, doch auch Otto-Normalpilot hat es gerade in Notsituationen bisweilen schon erlebt: Eine scharfe Kurve im Visier, bremst der Motorradfahrer mit Vorder- und Hinterradbremse bereits am Rande des Möglichen und schaltet dann auch noch einen oder mehrere Gänge zurück. Plötzlich beginnt das Hinterrad wild zu springen, im Fachjargon Stempeln genannt. Der Hinterreifen verliert an Seitenführungskraft, der Fahrer richtet das Motorrad auf und strebt geradeaus in Richtung Kurvenaußenseite.Beim Stempeln addiert sich zum Bremsmoment der Hinterradbremse das speziell in den kleinen Gängen durch die Gesamtübersetzung vervielfachte Schleppmoment des Motors. Dieses variiert wegen des Spiels in der Kraftübertragung und des stark schwankenden Motorbremsmoments zudem noch stark.Honda löste dieses Problem in den achtziger Jahren bei einigen Modellen mit einer sogenannten Anti-Hopping-Clutch. Die arbeitete mit einem Freilauf, der das Bremsmoment des Motors begrenzte.Die Racing-Version der Ducati 916 hat ebenfalls eine Antihopping-Kupplung, die aber nach einem anderen Prinzip funktioniert: Bei der Kupplungsnabe ist die untere Anlage für die Kupplungsscheiben, anders als sonst üblich, vom eigentlichen Nabenkörper getrennt. Beide Bauteile haben an den einander zugewandten Seiten Rampen mit Kugellaufbahnen. Je nachdem, ob das Antriebsmoment vom Motor oder vom Hinterrad kommt, verändert sich über schiefe Ebenen mit Hilfe der Kugeln reibungsarm der Abstand zueinander. Treibt der Motor die Kupplung an, liegt die Nabe an der Scheibe an, und die Kupplung kann ein hohes Antriebsmoment übertragen. Treibt im Schiebebetrieb das Hinterrad über die Kupplung den Motor, hebt die Nabe die Druckplatte an, die Reibscheiben trennen sich voneinander, und der Motor wird vom Antrieb entkuppelt.Soweit zur Theorie. In der Praxis überzeugte sich MOTORRAD anhand einer Ducati 900 SS von der Wirksamkeit des Systems. Während beim Original beherztes Zurückschalten bei starkem Bremsen das Hinterrad wild zum Stempeln anregt, läßt sich die von Ducati-Hegemann modifizierte 900 SS selbst von rüden Schaltmanövern nicht aus der Ruhe bringen. Deutliches Pulsieren bei leichtem Druck auf den Kupplungshebel signalisiert dann, daß sich die Druckplatte hebt, das System also arbeitet. Billig ist das Vergnügen allerdings nicht, kostet doch die komplette Kupplung der italienischen Firma STM stolze 2500 Mark. Dafür bekommt man allerdings ein edel gefertigtes Bauteil mit dem Flair der Ducati Werksrenner, das zudem in Extremsituationen einen Sicherheitszugewinn bietet.

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