Technik: BMW Integral ABS (Archivversion) Verzögerungstaktik

Mit neu entwickeltem ABS, Integralbremse und Bremskraftverstärker läutet BMW eine neue Ära auf dem Sektor der Motorradbremsen ein.

Die Bayern präsentierten 1988 das erste ABS für Motorräder. Nun stellt BMW mit dem sogenannten »Integral ABS« erneut eine innovative Bremsentechnologie vor. Während Honda bei der ST 1100 zwar bereits ein ABS mit einer Verbundbremse gekoppelt hat, gehen die Münchner mit ihrem neuen System noch einen Schritt weiter. Zusätzlich zu den beiden Funktionen sollen ein Bremskraftverstärker und eine »adaptive Bremskraftverteilung« dem Fahrer beim Verzögerungsvorgang assistieren.Zu diesem Zweck entwickelte BMW zusammen mit der Firma FTE automotive ein völlig neues System, bei dem die gesamte Steuerelektronik, Elektrik und Hydraulik in einem »Druckmodulator« integriert sind. Zusätzlich überarbeiteten die Bayern gleich noch die nun Evo getaufte Bremsanlage, mit größeren Bremsscheiben (320 Millimeter Durchmesser) soll sie 20 Prozent mehr Leistung bringen. Das Integral ABS hat grundsätzlich die gleiche Funktion wie die beiden vorherigen Generationen von Antiblockiersystemen, kann aber aufgrund leichterer Bauteile (rund zwanzig Prozent weniger Gewicht als das ABS II) den Bremsdruck bei Bedarf noch schneller abbauen und besitzt eine verbesserte Regelcharakteristik. Darüber hinaus verbindet das Vollintegralsystem die Bremskreise von Vorder- und Hinterrad miteinander. Hand- und Fußbremshebel wirken jeweils auf beide Radbremsen. Die adaptive Bremskraftverteilung trägt unterschiedlichen Beladungszuständen und der starken dynamischen Radlastverlagerung beim Motorrad – das Vorderrad wird mit zunehmender Verzögerung stärker be-, das Hinterrad entsprechend entlastet – Rechnung. Mit Hilfe von Drucksensoren im Bremskreis des Hinterrads reduziert die Elektronik über Regelventile den Bremsdruck am Hinterrad. Absolut neu im Motorradbau ist ein Bremskraftverstärker. Eine von einem Elektromotor angetriebene Hydraulikpumpe baut abhängig von den Hand- oder Fußbremskräften den Bremsdruck auf. In Verbindung mit der neuen Evo-Bremsanlage verringern sich die Betätigungskräfte dadurch um etwa 50 Prozent. Insgesamt bietet das neue Bremssystem von BMW dem Fahrer sicherlich nicht nur einen höheren Bedienungskomfort. Durch das gleichzeitige Betätigen von Vorder- und Hinterradbremse und die den jeweiligen Verhältnissen angepasste Bremskraftverteilung sind optimale Bremswege zu erwarten. Und im Ernstfall verhindert ABS das gefährliche Blockieren der Räder.Das Integral ABS kommt zunächst bei der K 1200 LT als Serienausstattung zum Einsatz, danach werden neue sowie überarbeitete Modelle damit ausgerüstet. Für die sportlichen Maschinen haben die Techniker für einen späteren Zeitpunkt ein Teilintegralsystem geplant, bei dem Handbremshebel auf Vorder- und Hinterradbremse, der Fußbremshebel dagegen nur die hintere Bremse betätigt. Mit der konsequenten Nutzung der Möglichkeiten, die im Pkw heute Stand der Technik sind, weist das neue Intergralbremssystem zumindest theoretisch den Weg in die Zukunft. Über die praktischen Erfahrungen wird MOTORRAD in einer der nächsten Ausgaben berichten.

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