Technik Kawasaki ZX-12R-Rahmen (Archivversion) Rahmen-Handlung

Kawasakis neue ZX-12R macht vor allem durch ihre Leistungsdaten auf sich aufmerksam. Dabei ist die eigentliche Sensation das bei Serienmotorrädern neue Rahmenkonzept.

Kawasakis neues Powerbike sollte das geringste Gewicht in seiner Klasse mit supersportlichem Fahrverhalten und perfekter Fahrstabilität bis in höchste Geschwindigkeitsbereiche verbinden. Zugleich war überdurchschnittlich gute Aerodynamik gefragt. Für die Konstrukteure Anlass, über ein neues Rahmenkonzept nachzudenken. Denn der gängige Brückenrahmen japanischer Vierzylindersportler zwingt zu Kompromissen. Hohe Steifigkeit verlangt voluminöse Rahmenprofile. Die steigern in Verbindung mit den breiten Vierzylindern die Baubreite und somit die Frontfläche, was die Aerodynamik verschlechtert. Versuche, den Rahmen über den Zylinderkopf hinwegzuführen, scheiterten an den leistungsfördernden, steil nach oben verlaufenden Einlasskanälen. Bei der ZX-12R griff Kawasaki nun auf das sogenannte Monocoque zurück, eine einschalige Bauweise, die bei Formel-Rennwagen längst nicht mehr wegzudenken ist. Früher aus genieteten Alublechen gefertigt, übernehmen heute Schalen aus Kohlefaser die Funktion des Chassis. Auch im Motorrad-Rennsport gab es derartige Lösungen, in der Serienfertigung aber bislang noch nie. Kawasaki entwickelte nun ein Monocoque in mehrteiliger Bauweise. Wie bei anderen Rahmen bestehen der Steuerkopf und die Schwingenlagerung aus Gussteilen. Die Verbindung stellt ein Hohlkörper her, der aus einer aus tiefgezogenen Aluminiumblechen hergestellten Ober- und Unterschale verschweißt ist und durch versteifende Zwischenbleche in mehrere Kammern unterteilt wird. Der große Vorteil: Die Form lässt mehr Freiraum für konstruktive Vorgaben und kann an hochbelasteten Zonen durch überlappende Bleche versteift werden. Zusammen mit dem Motor ergibt sich eine leichte Struktur, die an Steifigkeit alles übertreffe, was man von konventionellen Rahmen kenne. Ein weiteres Plus: Die Kanäle des Ram-Air-Systems und die Einlasskanäle münden in Kammern, die als Luftfiltergehäuse dienen oder die Batterie aufnehmen. Separate Airboxen oder Kästen entfallen. 2,5 Kilogramm soll das neue Chassis gegenüber dem Alu-Brückenrahmen einer ZZ-R 1100 einsparen. Leichter und steifer – der neue Rahmen dürfte in Zukunft eine tragende Rolle spielen.

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