Technik: Neuer 125er MuZ-Motor (Archivversion) Ur-Ahnung

Mit 125ern haben sie in Zschopau Erfahrung: Sechs Jahrzehnte nach der legendären DKW RT 125 hebt MuZ ein neues Achtellitertriebwerk aus der Taufe.

Als DKW 1939 die RT 125 ins Rennen um die Gunst der Käufer schickte, ahnte noch niemand, daß diese Maschine das meistkopierte Zweirad der Welt werden würde. Selbst Yamahas Zweiradexistenz basiert auf dem kleinen Zweitakter. Neben BSA in England und Harley-Davidson in USA bauten zahlreiche weitere Firmen die RT 125 nach. Selbst MZ, Nachfolger von DKW in Zschopau begann die Produktion mit dem simplen Zweitakter. 60 Jahre später will nun MuZ wieder ein 125er Modell auf den Markt bringen, das aber zeitgemäß nach dem Viertaktprinzip arbeiten wird. Die Konstrukteure im erzgebirgischen Hohndorf wissen: »MuZ muß weg vom Zweitaktimage.«Die endgültige Entscheidung zum Bau der 125er fiel im Herbst 1997, zu einem Zeitpunkt also, als Motorräder und Roller mit 125 cm³ Hochkonjunktur hatten. Doch mittlerweile hat sich die Marktsituation geändert. Die sinkenden Absatzzahlen in diesem Segment sieht Geschäftsführer Petr-Karel Korous gelassen: Unser Produkt zielt auf diejenigen, die nach den ersten Erfahrungen mit Schrott etwas Höherwertiges kaufen wollen.« Die Sachsen haben allerdings nicht nur den deutschen Markt im Visier. Sie hoffen potentielle Interessenten für ihr Triebwerk in Europa und über den malaysischen Besitzer auch in Asien zu finden. Mit der 125er stellte sich MuZ einer echten Herausforderung, ist sie doch die erste hauseigene Konstruktion mit selbst entwickeltem Triebwerk. Die Grundkonzeption und das Projektmanagement lagen in den Händen der MuZ Engineering. Teilaufgaben übernahmen außenstehende Firmen. So entstand ein Motor, der sich von den gängigen 125ern durch einige technische Details abhebt. Zwei obenliegende, von der Kurbelwelle direkt über Zahnkette angetriebene Nockenwellen betätigen über Tassenstößel die Ventile. Damit avanciert das wassergekühlte Triebwerk zum sportlichsten Vertreter seiner Gattung. Den vergleichsweise hohen Aufwand begründen die Techniker mit weiteren Einsatzzwecken, die sich nicht nur auf die 15-PS-Führerscheinklasse beschränken. So ist beispielsweise ein Einsteigercup mit Motoren bis 20 PS denkbar. Die sportlichen Ambitionen unterstreicht auch die in dieser Klasse außergewöhnlich kurzhubige Motorauslegung mit 60 Millimetern Bohrung und 44 Millimetern Hub. Auch für Standfestigkeit und Laufkultur haben die Konstrukteure vorgesorgt. Die Kurbelwelle ist vollständig gleitgelagert, eine Ausgleichswelle soll Vibrationen unterdrücken. Das Getriebe hat je nach Verwendungszweck fünf oder sechs Gänge. Doch nicht nur der Einsatz als Antrieb vom Cruiser bis zur Enduro ist breit gefächert. Auch in Rollern soll der Motor seine Qualitäten beweisen. Kopf, Zylinder und Kurbeltrieb stammen direkt vom Grundmotor ab, die Kraftübertragung mit Riemenautomatik soll ein italienischer Hersteller beisteuern. Die Expansion ist nicht nur marktpolitisch geplant: Die Konstruktion hat mit maximal 74 Millimetern Bohrung und 58 Millimetern Hub genügend Reserven auch für 250 cm³ Hubraum. Doch das sind Zukunftspläne. Realität hingegen war der erste Prüfstandslauf im Februar 1998, bei dem der Motor mit rund zehn PS die Erwartungen noch nicht erfüllte. Nach entscheidenden Änderungen der Abstimmung leistet der kleine Single mittlerweile gesunde 15 PS bei 9600/min. Die Prüfstandsmotoren und die Aggregate der beiden Straßendauerläufer atmen momentan noch durch Vergaser, doch das soll nur eine Übergangslösung sein: Petr-Karel Korous gibt sich umweltbewußt: »Nach dem Jahr 2000 sollte kein Zweirad mehr ohne Katalysator auf den Markt kommen.« Denkbar ist eine Zwischenlösung mit ungeregeltem Katalysator, langfristig sind aber Einspritzung und geregelter Kat vorgesehen.Die Präsentation des 125er Projekts erfolgt in Etappen. Auf der INTERMOT MÜNCHEN ist nur der Motor zu sehen, der im Frühjahr 1999 in Nullserie gehen soll. Auf ein konkretes Datum für die Präsentation des Basismotorrads, also der Straßenvariante, läßt sich Petr-Karel Korous aber nicht festlegen: »Verzögerungen zwischen Vorstellung und Auslieferung will und kann sich MuZ nicht noch einmal leisten.« Erst in einem zweiten Schritt sollen Cruiser und Enduro folgen.Doch damit sind die Aktivitäten in Hohndorf noch nicht erschöpft. Vor allem die geplante Zweizylindergeneration mit 750 cm³ hat oberste Priorität, und auch über die Ablösung des Yamaha-Einzylinders denkt MuZ offensichtlich intensiv nach. Weiter gediehen sind da schon Projekte wie Zahnriemen als Sekundärantrieb und ABS, die bereits in Versuchsträgern rund um Zschopau gesichtet wurden. Bleibt nur zu hoffen, daß MuZ nicht zu spät kommt, denn die Popularität des 125er Urahnen aus Zschopau ist dem neuen Single nicht in die Wiege gelegt.

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