Test: Motorrad-Spiele (Archivversion) No risk, much fun

Auf der letzten Rille fahren, innen am Konkurrenten vorbeiziehen und mit einem Wheely über die Zielgerade - das macht jedem jedem Biker Spaß und ist völlig ungefährlich. Daheim auf dem PC.

Die Zeiten der Klötzchengrafik und des Knattersounds sind endgültig vorbei. In Spielhallen zeigen die großen Hersteller schon lange, was bei realistischen Rennsimulationen möglich ist. Aber auch PCs und Spielekonsolen haben inzwischen so viel Rechenpower, daß sie Rennkurse und Motorräder bis ins kleinste Detail nachbilden können. Die Auswahl der Spiele, bei denen Freaks ein Motorrad über einen Rennkurs jagen können, ist im Vergleich zu Autorennen sehr klein. Bei den Spielekonsolen gibt es derzeit nur Moto Racer 2 von Delphine Software International (DSI) auch für die Sony-Playstation. Das Spiel bietet für 90 Mark immerhin ein Rundum-glücklich-Paket: Es ist das einzige, das sowohl Straßen- als auch Geländerennen zuläßt. Entweder kratzt der Spieler mit einer Yamaha YZF-R1 die Kurve (siehe Bild Seite 72) oder driftet per Enduro über die Buckelpisten.Branchenriese Microsoft setzt auf Off Road-Action: MOTOCROSS MADNESS heißt der Zweiradspaß, der schon im letzten Jahr auf den Markt kam, aber deshalb nicht weniger Laune macht. Rund 90 Mark muß der Crosser hinlegen, um Freestyle-Sprünge, Hallen-Cross oder Baja-Verfolgungsjagden auf seinem Bildschirm zu erleben. Die beiden anderen Kandidaten haben sich auf Straßenrennen in verschiedenen Ligen spezialisiert: Grand Prix 500 (GP 500) und Superbike World Championship (SBK). GP 500 kommt von der deutschen Spiele-Schmiede Ascaron und ist seit letztem Herbst für 89 Mark zu haben. Schnäppchenjäger können es aber in manchen Computerläden für weniger als die Hälfte ergattern. Für den Realismus im Renngeschehen der 125er, 250er und 500er Klasse zeichnete kein anderer als Shootingstar Alex Hofmann und sein Team verantwortlich. Hofmann ist auch der einzige real existierende Rennfahrer, dessen Namen man sich aus dem Menü auswählen kann. Alle anderen Fahrer wie Rennteams und Marken entspringen der Phantasie, da es Ascaron verwehrt wurde, Originale zu verwenden.Damit kann die Superbike-Variante dienen, da sich Hersteller Electronic Arts Sport die Rechte gesichert hat. Zum Test kam gleich SBK in bestem Italienisch in der Redaktion an. Die deutsche Version ist inzwischen ebenfalls für 89 Mark in jedem gut sortierten Computerladen erhältlich. SBK ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Spiel Honda Castrol Superbike World Champion von Funsoft, das zwar auch hübsch anzusehen ist, aber bei weitem nicht so moderne Grafik, Einstellungen und Spielespaß bietet.Alle vier Hersteller nennen etwas zu niedrige Systemanforderungen (siehe Tabelle Seite 73). Schnell und gut aufgelöst läuft so ein Spiel ab einem Pentium-Rechner mit 200 Megahertz mit Multimedia Extension (MMX), 32 Megabyte (MB) Hauptspeicher und 8 MB 3D-Beschleunigerkarte mit Voodoo²-Chip oder Varianten wie etwa TNT, Rage oder Banshee. Für die gute Darstellung ist die Auflösung, sprich die Anzahl der Bildpunkte (Pixel) entscheidend: 800 waagrecht und 600 senkrecht aneinander sollten es sein. Bei geringerer Auflösung ist das Bild zwar noch zu erkennen, aber der Realismus leidet darunter, da schräge Linien unansehnliche Treppenmuster bekommen. Sofern es die Leistung des Rechners zuläßt, können Spieler auf einem größeren 17-Zoll-Monitor auf 1024 mal 768 Pixeln umschalten. Sollte es im Spiel mal ruckeln, kann man beispielsweise bei MOTOCROSS MADNESS Schatten, Staub oder Wolken weglassen und beschleunigt damit deutlich den Bildaufbau. Fahrszenen werden dadurch rasanter und flüssiger. Wer sich heute einen PC neu zulegt, ist fein raus: Nahezu alle modernen Computer haben genug Dampf unter der Haube, um selbst bei hoher Güte des Bilds jeden Ruckler auszumerzen. Als Testgerät diente ein angejahrter Pentium II mit einer Drehzahl von 350 MHz, einer Reichweite von 64 MB Arbeitsspeicher und einem Cockpit mit neuer Elsa Erazor II Grafikkarte, die mit 16 MB Speicher genug Reserven bietet.Vor dem Spielen kommt jedoch die Installation. Das heißt, daß Teile des gelieferten CD-Inhalts erst einmal auf die Festplatte kopiert werden, da sie wesentlich schneller arbeitet als ein CD-Rom-Laufwerk. Die Vorgehensweise ist bei allen Spielen dieselbe: CD ins Laufwerk einlegen und den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen. Wer noch nicht die Schnittstellen-Software Direct X Version 6.0 installiert hat, wird an dieser Stelle dazu aufgefordert. Danach geht aber alles ganz schnell. Rechner neu starten und auf das entsprechende Symbol klicken.Alle Kandidaten verwöhnen mit aufwendig digitalisierten, actionreichen Trailern, die die ganze Pracht des Motorradsports in wenigen Bildern präsentieren. Doch halt. Ist der Joystick angeschlossen und kalibriert? Mit der Tastatur macht das Fahren jedenfalls kein Spaß, denn eine Zehntelsekunde zu lang den Knopf gequält, heißt unweigerlich Kontakt mit dem Kiesbett oder an der Leitplanke nehmen. Das tut zwar nicht weh, kostet aber mächtig Zeit. Deshalb also einen Joystick verwenden, der jeden Schlenker des Handgelenks in gleicher Eleganz aufs virtuelle Motorrad überträgt. Die Spiel-Modi sind bei allen Games vergleichbar. Man kann sein Rennglück als einzelner Spieler oder mit mehreren über ein Netzwerk versuchen, Spieleinstellungen ändern oder etwa in der Bestenliste schmökern. Nach einem weiterem Klick geht´s dann endgültig los. Beispiel: Moto Racer 2. Der Spieler nimmt seinen Platz an der letzten Stelle im Starterfeld ein. Der Countdown wird von einem Sprecher runtergezählt, die Motoren heulen auf, und wenn die Startampel auf grün springt, schießen die Konkurrenten davon. Das Rennas muß jetzt mit dem Steuerknüppel Gas geben, um dranzubleiben. Für ein bißchen mehr Vorwärtstrieb sorgt die Joysticktaste mit dem Turbo, worauf sich das Motorrad mit einem Wheely noch vorn schiebt. Eine quietschbunte Kulisse aus Bäumen und Blumen umschließt den Fahrer, die mit zunehmender Geschwindigkeit immer undeutlicher wird. Im Hanging off schrappt der Fahrer durch die Kurven und kann, wenn kein Sturz dazwischen kommt, sehr schnell Boden gut machen. Alles in allem eine gelungene Vorstellung der vier Testkandidaten, die aber eines nicht ersetzen können: Den Ritt auf einem richtigen Motorrad, mit echtem Fahrtwind und dem Fühlingsduft frischer Wiesen.

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