Think big? (Archivversion) Think big?

Beginnt jetzt die Welle der Monster-Bikes? Ultra-starke Maschinen mit über 200 PS, riesigen Hubräumen und kaum beherrschbaren Fahrwerken? Es ist zwar Zufall, dass wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Ausgabe von MOTORRAD nicht nur einen exklusiven Fahrbericht der Münch Mammut 2000 bieten können, sondern auch noch topaktuell die Suzuki-Studie B-King. Aber die Konzepte ähneln sich auf verblüffende Weise: Beide besitzen genügend Leistung, um einen Luxusklasse-Pkw standesgemäß anzutreiben. Beide nehmen das Thema Streetfighter als Grundidee des Designs auf und zeigen viel sauber gestaltete Technik. Beide besitzen aufgeladene Motoren, als wäre ein Zwei-Liter-Vierzylinder-Sauger bei der Münch oder der wahrlich gut gehende 1300er-Hayabusa-Motor bei der Suzuki nicht schon stark genug.Die Fachzeitschrift MOTORRAD, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, unabhängig, neutral, gerecht und so seriös als irgend möglich über Motorräder zu berichten, tut sich ein wenig schwer mit solchen Maschinen. Das hat mir die Münch Mammut wieder gezeigt. Sie ist nur mit Mühe zu beherrschen, viel zu mächtig und somit kaum zu empfehlen. Doch selten bin ich nach einer Testfahrt so fasziniert abgestiegen. Und noch nie lauschte die gesamte Redaktion so gespannt wie bei meinem Bericht von der ersten Fahrt mit der Münch.Es sind die reinen Emotionen, die solche Zweiräder in uns hervorrufen. Emotionen, die sich vielleicht in einer außergewöhnlich guten Durchzugszeit oder in einem immensen Hubraum messen und ausdrücken lassen, denen ein richtiger Test jedoch, wie ihn MOTORRAD durchführt, niemals entsprechen kann. Es ist ein ganz eigenes Erlebnis, ein Untier wie die Mammut zu bewegen, die unbändige Kraft zu spüren, sie nach einiger Zeit zu kennen, aber niemals auszureizen. Ähnlich wird es einem mit der Suzuki B-King gehen, wenn sie denn gebaut wird.Die Idee solcher Big Bikes ist keineswegs neu. Münch baute Motorräder dieser Art schon in den Sechzigern. Kawasaki gründete sein ganzes Markenimage auf dem Mythos der übermotorisierten Mach 3, H2 und Z 900. Und die Yamaha Vmax besitzt noch heute, über 15 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen, eine treue Fangemeinde. Starke Motoren in wackelnden Fahrwerken machen den Piloten zum Dompteur. Er beherrscht damit das Unbeherrschbare, zähmt die Raubkatzen, lässt die Elefanten tanzen, den Pitbull friedlich an der Leine laufen. Nicht immer ging das gut.

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