Tom Lüthi (Archivversion) Glanzvolle Auferstehung

Harter Saisonstart für Tom Lüthi: Der 125er-Champion fuhr meist hinterher. Bis jetzt.

Beim China-Grand-Prix hatte Tom Lüthi nach einem heftigen Rutscher die Batterieaufhängung seiner Elit-Honda demoliert und wegen Fehlzündungen ein weiteres Null-Punkte-Ergebnis eingefahren. Nach vier Rennen hatte der Weltmeister gerade mal zwölf WM-Zähler gesammelt, Pessimisten glaubten den Titel des 19-jährigen Schweizers bereits verloren. Doch Totgesagte leben länger. Genau ein Jahr nach seinem ersten
Sieg in Le Mans meldete sich Lüthi beim Frankreich-Grand-Prix mit einem großartigen Rennen und seinem ersten Triumph der neuen Saison in der Weltspitze zurück.
Freilich waren es nicht nur die guten Erinnerungen ans Vorjahr, sondern auch das wechselhafte Wetter und eine meisterhafte Taktik bei der Reifenwahl, die den Welt-
meister beflügelten. Am Sonntagmorgen regnete es, worauf sich Lüthi im Warm-up vor dem Rennen bereits wetterfest zeigte und den zweiten Platz eroberte. Knapp zwei
Stunden später, vor dem Start der 125er-Klasse, hatte die Strecke abzutrocknen
begonnen. »Es wurde heller und wärmer, worauf wir uns entschieden, reinrassige Slicks aufzuziehen. Es war klar, dass sich Tom in den ersten Runden schwer tun würde. Doch später verschaffte ihm das einen Vorteil«,
erklärte Cheftechniker Sepp Schlögl.
Genau so war es. Vierter nach dem Start, fuhr Lüthi sieben Runden lang auf Platz
zwei, übernahm in Runde elf die Führung und zog davon – die meisten Gegner hatten sich für Intermediates entschieden und konnten das Tempo auf trockener Piste nicht mehr mitgehen. Einziger Spitzenpilot neben Lüthi, der ebenfalls auf Slicks gesetzt hatte, war WM-Leader Alvaro Bautista. Der Spanier kam zum Rennende hin ebenfalls immer besser in Schwung und überholte Lüthi drei Runden vor Schluss. Doch der ließ nicht locker und wollte in der letzten Runde einen Gegenattacke reiten. Wenige Kilometer vor dem Ziel erledigte sich das Problem von selbst: Die bislang so perfekt laufende Aprilia des Spaniers erlitt
einen Zündungsschaden, am Ende rollte Bautista enttäuscht als Vierter über die Ziellinie.
Lüthi hingegen war außer sich vor Freude. »Dieses Resultat ist einfach großartig«, strahlte er. »Wir haben uns fürs Risiko entschieden – und gewonnen. Für Alvaro Bautista hatte ich bereits einen guten Plan und hätte ihn
in der letzten Runde bestimmt überholen können. So war’s natürlich einfacher«, schmunzelte er glücklich.
Elit-Honda-Teamchef Daniel Epp, der
dem neuen Hauptsponsor mit dem Caffè-
Latte-Logo endlich das ersehnte Resultat bescheren konnte, war genauso erleichtert. »Schon im nassen Training gestern und heute im Warm-up zählte Tom zu den Schnellsten. Da habe ich gespürt, dass sein Feeling fürs Motorrad zurückkommt und vieles wieder funktioniert, was in den ersten Rennen nicht geklappt hat. Dass gleich ein Sieg daraus wurde, ist für uns alle eine Riesenüberraschung – wir wären auch mit einem vierten oder fünften Platz zufrieden gewesen.« fk

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