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PS-Racer Horst Saiger startet bei der Tourist Trophy 2013 Das Bike für die Isle of Man

Es sind die letzten Tage vor dem großen Moment. PS-Racer Horst Saiger schlägt das Herz bis zum Hals, denn die TT steht unmittelbar bevor. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen - ist wirklich alles getan?

Mit kleinem Ford Fiesta über den Mountain-Kurs

Die Zeit verfliegt. Jetzt ist es bald so weit, die TT geht los. Immer öfter bekomme ich deshalb Bedenken wegen meiner Vorbereitung oder eher Panikanfälle. Zu viel war um mich herum los und hat mich abgelenkt: Arbeiten, das Bol d’Or-24-Stunden-Rennen, und nicht zuletzt musste ich alles um die TT selbst organisieren.

Aber fünf Tage auf der Isle of Man waren auch dabei, und die habe ich genutzt. Jeden Morgen zwischen Finsternis und erstem Verkehr (Berufsverkehr!) bin ich um den Mountain-Kurs gefahren - mit einem kleinen Ford Fiesta. Damit konnte ich den ganzen Kurs ziemlich Vollgas fahren und habe trotzdem noch immer keine Ahnung, wie es ist, wenn man mit dem Bike richtig schnell fährt. Gleichzeitig war der sogenannte „TT Press Launch“ mit den absoluten TT-Stars. Nur drei von 18 Newcomern waren zu diesem Festakt in Douglas eingeladen, für mich eine -besondere Ehre. Es gibt einen Fahreransturm wie schon lange nicht. Paul Phillips, der TT-Organisator, sagte mir, dass in jeder Klasse über 100 Nennungen eingegangen sind und nur 70 fahren dürfen. Bei den Newcomern musste von 30 auf 18 gekürzt werden.

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Wenn ich da war, lag noch Schnee und es war eiskalt

An einem frühen Trainingsmorgen gegen sieben Uhr fuhr vor meinem Hotel gerade der BSB-Suzuki-Star und TT-Newcomer Josh Brooks vor. Ich fragte ihn, ob er jetzt auch ein paar Runden dreht. Er sah mich nur verwundert an und meinte, dass er gerade von seinen Runden zurückkommt. Der Verkehr nehme auch schon zu. Verdammt, da war ich wohl nicht der bravste Trainierer! Auf die Frage, wie viele Runden er schon über den Mountain-Kurs gemacht hat, fragte er zurück: „Mit dem Motorrad oder dem Auto?“ Was sollte das denn? Immer wenn ich da war, lag noch Schnee und es war eiskalt. Und wenn er so früh fährt, wie will er im Dunkeln denn die Strecke lernen?

Am letzten Abend erfuhr ich aber, dass Josh schon seit Jahren auf die Isle of Man kommt und auch bereits Runden auf der abgesperrten Strecke bei den Parade-Laps zur TT gedreht hat. Zwei weitere Newcomer verbringen die letzten sechs Wochen vor der TT komplett auf der Insel, um die Strecke noch besser zu lernen. Und ich? Ich fliege zwischen dem North West 200-Rennen und der TT nochmals heim, um zwei Tage arbeiten zu gehen. Sonst wäre ich vier Wochen am Stück weg und mein Boss stinksauer. Ich brauche meine Arbeit später aber noch. Ein streng limitierter Blick auf mein Konto bestätigt diesen Plan. Also keine Zeit damit verschwenden, ob zusätzliches Training nicht doch besser wäre. Vielmehr beschäftige ich mich jetzt mit Dingen wie Reifen, Sitzposition und Fahrwerk.

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Host Saiger erklärt die wichtigsten Abschnitte des Kurses.
Foto: Saiger

Sitzposition

Die Sitzposition ist das größere Problem, vielmehr die Sitzposition bei den wilden Schlägen und Vollgas im sechsten Gang zu halten. Wenn man verrutscht und sich am Lenker halten muss, hat man verloren. Roadracing verzeiht keine ungewollten Impulse vom Fahrer. In der ultraschnellen Rechts bei der NW 200 ist mir das letztes Jahr passiert: Ich musste mich am Lenker halten und habe dabei unbewusst gezogen. Die Kawa verließ sofort die -Linie und bockte Richtung Stacheldrahtzaun - das ganze bei weit über 200km/h. Das Unterhosen-Data-Recording reagiert empfindlich auf solche Mätzchen! Die Auswertung überließ ich aber der allwissenden Mülltonne.

Damit das nicht wieder passiert, hat mir Tuner Bernd einen Keil hinten an den Sitz gemacht. Jetzt bin ich zwar wie angeschnallt und kann nicht zurück rutschen, dafür bin ich aber mit dem Oberkörper total frei und kann viel besser mit der Lenkung arbeiten. Das kann lebensrettend sein, wenn es einem den Lenker verschlägt, man aber nicht locker lassen kann. Es hat aber auch noch einen unbeabsichtigten, enormen Nebeneffekt: Auf langen Geraden setze ich mich oben auf den Keil, was die Aerodynamik ungemein verbessert. Wenn man irgendwo jenseits der 300 km/h gegen den Luft-widerstand rennt, dann ist jede kleine Verbesserung sofort bemerkbar.

Foto: Stephen Bower

Fahrwerk

Das Lieblingsthema jedes Rennfahrers, und wer weiß schon, was richtig ist? Meiner Meinung nach niemand! Sonst würden nicht Hunderte Fahrwerksexperten durch die Fahrerlager rennen. Meistens ist es ja so, dass man mit den Standardwerten der Hersteller anfängt, was dann gar nicht funktioniert. Nach drei Test-tagen und unzählige Einstellungen später landet man dann wieder bei den Standardwerten.

Es ist zum Verrücktwerden, weil Probleme, die am Anfang auftreten, oft verschwinden, wenn man schneller wird, dafür andere aber wieder auftreten. Mein Plan für die Trainingswoche: Ich fange mit meinem bewährten Öhlins-Fahrwerk an und stecke dann das K-tech rein. Das Rennen fahre ich mit dem Material, mit dem ich mich wohler fühle, ohne viel umstellen zu müssen. Es wird sich ja sowieso alles anders anfühlen, wenn ich schneller werde. Ich hoffe insgeheim auf das K-tech-Fahrwerk. Wenn ich es nicht hinbekomme, ist nämlich ein Serviceteam vor Ort, und das hat große Erfahrung mit dem TT-Kurs.

Foto: Saiger

Reifen

Vom letzten NW 200-Rennen weiß ich, dass der „Roadracing“ und der Standard-Racingreifen von Metzeler nicht das gleiche sind. Kein normaler weicher Rennreifen hält nämlich die langen Geraden mit über 300km/h aus, ohne dass er überhitzt und Blasen wirft. Dazu kommt die Stabilität auf den langen Geradeaus-Passagen, in denen der Reifen auch viele Schläge und Bodenwellen aushalten muss.

Die TT ist außerdem eine Art Langstrecken-Rennen, bei dem die Haltbarkeit generell eine Rolle spielt. In der Superstock-Klasse werden die Reifen im Rennen ja auch nicht gewechselt. Darum ist mein Reifen in der Laufstreifenmitte deutlich härter als alles, was man kaufen kann, während die Flanken den Grip eines Rennreifens haben und entsprechend weich sind. Metzeler hat das so gut im Griff, dass ich mit der Kawa keinen Unterschied zwischen den weichen Reifenschultern und der härteren Mitte beim harten Beschleunigen und Aufrichten gemerkt habe. Reifentechnisch bin ich also bestens gerüstet.

Foto: Saiger

Steckbrief

Horst Saiger wurde 1971 in Zeltweg unweit des Österreich-Rings geboren. Neben Wildcard-Einsätzen in der Superbike-WM (Valencia 2004, Platz 9) fährt er vor allem um die Langstrecken WM (mehrmals Podium), akutell im Schweizer Bollinger Team. Saiger ist amtierender Schweizer Meister in der Klasse Superbike. Außer Macau und der TT-Premiere stehen als Vorbereitung auf dein Isle of Man-Vorhaben Roadraces wie die North-West 200 om Irland auf Horsts Kalender für 2013. PS begleitet den coolen Ösi bei seinem Abenteuer. Das Highlight wird die Rennreportage von der Isle of Man sein und wir werden live über unsere Facebook-Seite und www.ps-online.de darüber berichten.

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