Trial in der Kletterwand (Archivversion) Wandfiguren

0Nicht schlecht gestaunt hat die Freeclimberin, als plötzlich Trial-Profi Christian Pfeiffer an ihr vorbei in die Wand fuhr. Perfekt war die Sensation aber erst, als er auch ganz oben wieder rausgesprungen ist.

Fast noch vom Ufer des gut zehn Kilometer entfernten Gardasees ist die moderne Felsenmalerei am Hang über dem Städtchen Arco zu erkennen. »Tata Ti Amo - Ciao Méno« kündet in schwindelnder Höhe von der glühenden Liebe ebenso wie von den offenbaren Kletterkünsten des uns unbekannten Künstlers.Einen anderen, zwar weniger dauerhaften, dafür aber um so spektakuläreren Weg, an diesem Felsen die restliche Menschheit zu beeindrucken, wählt Trial-Profi Christian Pfeiffer. »Der Aufstieg führt ganz gerade nach oben, ungefähr über das zweite T von ‘Tata’ und dann mit einem kleinen Sprung wieder hinaus«, erklärt der Bayer sein Vorhaben. Die Tatsache, daß er statt Seil, Magnesium und Kletterhaftschuhen lediglich sein Gas Gas-Trial-Motorrad dabei hat, versetzt die anwesende Freeclimber-Schar in ungläubiges Staunen. Schließlich handelt es sich bei der »Via Tina«, wie der Weg durch den bemalten Fels unter Kletterfreaks heißt, immerhin um den Schwierigkeitsgrad vier plus auf der bis »zehn plus« reichenden Skala, also durchaus eine mittelschwere Aufgabe, die gewöhnlich nicht ohne Seilsicherung in Angriff genommen wird.Doch der Motorrad-Extremist vertraut weder auf Seil noch auf doppelten Boden, sondern nur auf die Durchzugskraft des 340-cm³-Gas Gas-Motors, sein exzellentes Balancegefühl sowie ganz besonders auf die Haftkräfte der nur mit etwa 0,5 Bar Luftdruck gefüllten Spezialreifen. »Der Grip ist entscheidend«, erläutert Pfeiffer vorab, »deshalb mußten wir auch warten, bis die Mittagssonne den Fels vom Morgentau etwas abgetrocknet hat.« So gönnt sich Christian zwei Probeanläufe über jeweils rund zehn Meter Strecke, um sich der Harmonie zwischen Reifen und Felswand zu versichern, bevor er ernst macht. Mit einem kleinen Hüpfer über einen als improvisierte Schanze bereitgelegten, etwa fußballgroßen Stein schwingt sich das Trial-Moped in die etwa 250 Meter hohe Wand. Der Gesichtsausdruck der Freeclimbing-Instruktorin aus dem Fränkischen, an der Christian nach einem knappem Drittel der Wegstrecke freundlich lächelnd vorbeibrummt, verändert sich schlagartig von ungläubigem Staunen zu grenzenloser Bewunderung.In wahrsten Sinne des Wortes der Knackpunkt kommt für unseren Mountain Biker aber unmittelbar danach. Über einen Vorsprung in der Felswand gibt es nämlich nur eine Chance. In einem nahezu ansatzlosen Sprung, fast aus der Senkrechten wohlgemerkt, fliegt die Gas Gas über die kritische Stelle. Und mit dem gleichmäßigen Geräusch mittlerer Drehzahlen strebt die leichte Maschine sowie ihr Reiter weiter dem Gipfel entgegen, unaufhaltsam und mit wachsender Höhe in der Wand auch immer selbstverständlicher.Erst ganz oben, am Gipfelgrad, wirkt es wieder richtig spektakulär, als Christian Pfeiffer auf den letzten Metern der Erstbefahrung der Via Tina gar noch die Hände vom Lenker nimmt und in Siegerpose mit hocherhobenen Armen aus der Wand heraus auf das Hochplateau springt.Im Gegensatz zu den mehr oder weniger sachkundigen, in jedem Fall aber hochgradig begeisterten Schaulustigen hat der Kletterkünstler weniger das Gefühl, etwas Sensationelles veranstaltet zu haben. »Du weißt schon relativ früh in der Wand, daß es klappen wird, vom Grip und von der Motorkraft her. Der Rest ist dann nur noch die Konzentration auf die richtige Körperhaltung und die Vermeidung von rutschigen Stellen am Fels«, erklärt Pfeiffer zwar mit sichtlicher Freude, aber dennoch sehr ruhig und rollt auf einem Umweg nach unten, um das Spielchen, ganz zur Freude des Fotografen und seiner neuen Fans, die das alles für ganz und gar nicht unspektakulär, sondern für schlicht unglaublich halten, einfach mal zu wiederholen.Aber auch der Star selbst fühlt sich von der Zweit- und Drittbegehung nicht gelangweilt, sondern ganz im Gegenteil inspiriert zu neuen, noch schrägeren Taten. »Gar nicht weit weg von hier, in einem Seitental in Südtirol steht eine Holzhängebrücke. Dort wollte ich schon immer mal drüberfahren«, schildert Christian Pfeiffer, der neben seinen professionellen Auftritten als Trial-Show-Artist auch noch eine Gas Gas-Vertretung im heimischen Bernbeuren betreibt, hintergründig, »natürlich über die Umrandung der Hängekonstruktion.«Er wird uns hoffentlich benachrichtigen, damit unser Fotograf sich rechtzeitig in Stellung bringen kann.

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