Trial-WM in Großheubach (Archivversion) Maxi Mumm

Zehn Läufe - zehn Siege. Weltmeister Doug Lampkin (1) balanciert in der Trial-WM auf Maximalkurs.

Wäre Doug Lampkin einer wie du und ich, er hätte allen Grund zufrieden zu sein. Mit zehn Siegen in allen zehn WM-Läufen erstrahlt die diesjährige Erfolgsbilanz im glänzendsten Licht. Doch Doug ist eben keiner wie unsereiner. Doug ist zweifacher Trial-Weltmeister und nach der brillanten ersten Saisonhälfte in diesem Jahr unaufhaltsam auf dem Weg zum dritten Titel. Doch der Beta-Werksfahrer will noch mehr: Rekorde brechen. Die von Jordi Tarrès, der Ende 1997 zurückgetretenen Ikone des Trialsports. Das erste Maximum des Spaniers dürfte demnächst aufgestockt werden. Vierzehn WM-Läufe hatte Señor Tarrès zu seinen besten Zeiten in Folge gewonnen. Diese Hürde könnte bei der aktuellen Form des Briten schon beim übernächsten WM-Lauf fallen. Und selbst um die Rekordmarke von sieben WM-Titeln des Spaniers zu knacken, bleibt für Lampkin mit 23 Jahren noch genug Zeit. Es sei denn, Maestro Tarrès sorgt vor: per Junior-Team seines ehemaligen Arbeitgebers Gas Gas. Für den aufstrebenden Trial- und Enduromaschinen-Hersteller aus der Nähe von Girona soll der Grandseigneur der Balancekünstler seit Beginn vergangener Saison quasi seine eigenen sportlichen Nachfolger großziehen. Gleich drei spanische Teenager leben und trainieren seitdem im stattlichen Anwesen des Trial-Großmeisters in der Nähe von Barcelona: der 17jährige Adam Raga, der 19jährige Marc Freixa und sein gleichaltriger Kollege Albert Cabestany. Die Nähe zum Chef macht sich bemerkbar. Raga dominiert locker die Europameisterschaft, Freixa liegt derzeit auf dem neunten Rang der WM, und Cabestany hätte beim deutschen WM-Lauf im Spessart-Städtchen Großheubach sogar beinahe für eine Sensation gesorgt. Bei der - wohlgemerkt nur in Insider-Kreisen - als relativ leicht eingestuften Kletterpartie blieb der Junge aus Tarragona dem versierten Briten nämlich permanent auf den Fersen. Lediglich jeweils einen einzigen Fehler mehr pro Runde erlaubte sich der Tarrès-Schützling pro Tag und versetzte damit - wohlgemerkt nicht nur Insider-Kreise - in größtes Erstaunen.Das Marc Colomer in anderer Beziehung wohl auch empfindet. Die sportlichen Tiefschläge des seit zwei Jahren so überlegen agierenden Lampkin haben dem Weltmeister des Jahres 1996 den ehemaligen Schneid restlos abgekauft. Wie ein geschlagener Hund zirkelt der 25jährige aus dem Pyrenäen-Örtchen Olot nicht nur in Großheubach durch die Sektionen. Freilich, das ehedem weltmeisterliche Können blitzt hie und da auf, doch Flüchtigkeitsfehler als Zeichen der inneren Unsicherheit verdonnerten den Montesa-Werksfahrer in Großheubach sogar zum schlechtesten persönlichen Ergebnis seit drei Jahren: Platz sieben und vier. Zum Vorteil von Takahisa Fujinami. Der 19jährige Japaner rettete mit zwei dritten Rängen wenigstens die Markenehre. Selbst wenn der Japaner in den Ranglisten auf Honda erscheint, entsteht sein Untersatz in der Sportabteilung von Montesa in Barcelona, weil Honda seit vielen Jahren das Zepter im katalanischen Betrieb schwingt. Weniger Geschmack findet die deutsche Trial-Abordnung an WM-Auftritten. Während der amtierende deutsche Meister Jens ter Jung sich den WM-Streß gleich gar nicht antun wollte, blieb die Last des Lokalmatadoren wieder einmal an Andreas Lettenbichler hängen. Der hochtalentierte Bayer, der mit entsprechendem Engagement durchaus das Zeug zu einem WM-Trialer hätte, zollte bei der Lokalrunde, wie in jedem Jahr, seiner mangelnden Erfahrung auf WM-Ebene Tribut: Er mußte sich mit den undankbaren, weil punktelosen Rängen 18 und 20 zufriedengeben.

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