TT Isle of Man - oder die Lust am Rennsport (Archivversion) TT Isle of Man

Sicher, der deutsche Motorrad-Rennsport hat keinen Michael Schumacher, der mit seinen Fahrkünsten Fans in Massen auf die Rennstrecken zieht oder vor dem Bildschirm süchteln läßt. Und die spannenden Zeiten, als noch ein Toni Mang beherzt am Gasgriff drehte, sind leider auch schon lange vorbei. Rennsport, das kann man drehen und wenden wie man will, verlangt nun mal nach Überirdischen, fahrerischen Lichtgestalten eben. Sonst bleibt der Hund halt hinterm Ofen und läßt sich nicht locken. Und genau da liegt das Problem des Straßenrennsports heute in Deutschland. Wir haben zwar viele ganz ordentliche Fahrer, aber eben keine Überflieger. Die Folge: Die Szene dümpelt vor sich hin, die Zuschauer bleiben aus - und wenn nicht, dann kommen sie nur, wenn garantiert die Sonne scheint und die Eintrittspreise so niedrig sind, daß sie kaum die Kosten der Veranstalter decken. Auf der anderen Seite dann dieses Phänomen: Die Zahl der deutschen Zuschauer, die die Mühen auf sich nehmen und seit drei, vier Jahren mit bemerkenswerten Zuwachsraten zur Isle of Man in der Irischen See pilgern, stimmt nachdenklich. Inzwischen sind es mehrere 10 000 deutsche Motorradfahrer, die alljährlich die Tourist Trophy erleben wollen. Warum? Weil dort auf den Naturstrecken gewaltig Stoff gegeben wird. Da jucken halsbrecherische Kurven, Buckelpisten oder Häuserschluchten die Piloten wenig. Das Prickeln des Gefährlichen lockt. Hinzu kommt die unbeschreibliche Rennatmosphäre: Zuschauer können die Akteure und deren Maschinen beriechen, befühlen und bequatschen. Da gibt es so gut wie keine Tabuzonen, wo irgendwelche aufgeblasenen Funktionäre im negativen Sinn für Recht und Ordnung sorgen. Und obendrein haben alle Besucher die Möglichkeit, mit ihrem Wald-und-Wiesen-Motorrad selbst die Strecke zu probieren. Das alles zusammen, dieses britische Renngebräu der Isle of Man, ist wie Opium. Einmal probiert, können viele es nicht mehr lassen. Doch die TT hat auch Gegner. Jene, die meinen, so gefährliche Rennen paßten nicht mehr in unsere Zeit. Betbrüder und -schwestern eben. Sollte man denn immer gleich alles verbieten, was Gefahren birgt? Dann empfehle ich: Lieber morgens im Bett bleiben, nicht aufstehen. Denn das Leben an und für sich ist schon gefährlich. Und man könnte ja beim Aufstehen von der Bettkante fallen. Und sich die Ohren brechen. In diesem Sinne viel Vergnügen mit den TT-Seiten 42 bis 44. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

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