Tuning: Viertakt-Motortuning (Archivversion) Kopfarbeit

Sehr effektiv ist die Bearbeitung des Zylinderkopfs. Erster Schritt: die Erhöhung der Verdichtung durch Planfräsen oder Hobeln (Schleifen kann wegen zu geringer Oberflächenrauhigkeit zu undichter Kopfdichtung führen). Übrigens treibt bereits das Abfräsen eines Zehntel Millimeters die Verdichtung gewaltig in die Höhe. Vorsicht vor Klopfschäden.Zweiter Schritt: die penible Gestaltung der Ansaugkanäle vom Einlaßtrichter bis zum Ventilsitzring. Erstes Gebot: Kanten, Ecken und Übergänge zwischen den Bauteilen glätten oder ganz beseitigen, gleiche Querschnitte für alle Zylinder schaffen. Bei modernen Motoren kann - wie im Bild - die ohnehin nur wenig in den Kanal ragende Ventilführung gekappt und geglättet werden, bei älteren hilft eine strömungsgünstige Bearbeitung. Die Fotos zeigen einen optimalen Kanal. Thomas Franz nutzt zusätzlich die Materialstärke des Ansaugstutzens, um das Gas noch geradliniger in den Brennraum zu führen. Kanäle polieren bringt kaum etwas. Vorsicht auch vor zu großen Querschnitten! Diese müssen zu Ventildurchmesser und Ansaugmenge passen, damit die Gasgeschwindigkeit nicht zu niedrig wird.Dritter Schritt: Ventil und Ventilsitz bearbeiten. Hier gilt: möglichst großer Durchlaß, wenig Strömungswiderstand, gute Wärmeabfuhr (zum Beispiel durch Sitzringe aus Beryllium-Bronze). Größere Ventile sind meist nur bei aufgebohrten Zylindern sinnvoll. Der Ventilsitz sollte immer möglichst weit außen liegen. Außerdem können Sitzring und Teller strömungsgünstig bearbeitet werden, wodurch das Ventil nebenbei auch leichter wird. Der Sitz des Einlaßventils sollte schmal, der des Auslaßventils genügend breit sein (Wärmeabfuhr). Die Tellerkante am Auslaßventil kann abgerundet werden. Polierte Ventile bieten weniger Ansatzfläche für Ölkohle. Außerdem werden bruchgefährdende Kerben vermieden. Der Ventiltrieb sollte, wo möglich, erleichtert werden (Federteller und Tassenstößel aus Titan). Nachgeschliffene Tassenstößel vermindern die Reibung, harte Ventilfedern erhöhen die Drehzahlsicherheit.Vierter Schritt: Arbeiten am Ventiltrieb. Nockenwellen mit großen Ventilhüben vergrößern die freie Ventilquerschnittsfläche. Zwischen Kolben und Ventiltellern muß aber genügend Platz bleiben, sonst krachts! Scharfe Steuerzeiten mit großen Öffnungswinkeln und langer Überschneidung steigern die Spitzenleistung auf Kosten eines satten Drehmomentverlaufs. Immer sinnvoll ist dagegen penibles Einstellen der Seriensteuerzeiten mittels Langlöchern im Antriebsrad (Foto).Letzter Schritt: die Brennraumgestaltung. Wichtig ist die Gleichheit aller Brennräume (auslitern) sowie die Vermeidung von »Wärmenestern« und Kanten, die ein schnelles Ausbreiten der Verbrennung behindern könnten. Funktion und Bedeutung der »Quetschflächen« erläutert der nächste Kasten.

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