Unfallprävention der Polizei am Nürburgring und in Rottweil: Report (Archivversion) Aktion2: Rottweil

Von wegen Wonnemonat Mai. Schneeschauer über dem Schwarzwald und auch das schwäbische Rottweil zeigt sich an diesem Sonntag von seiner fiesen Seite – tief hängende Wolken und Dauerregen. Fehlt nur noch Hagel. Eine Polizistin, die beim Aufbau zum Motorradtag der Polizei gerade ein Absperrgitter über den Verkehrsübungsplatz rangiert, weiß Rat. Hagel, Ralf Hagel? »Der da, mit fascht
koine Haar, Kippe und noch ohne Uniform.« Der so Beschriebene nimmt einen Zug aus der Selbstgedrehten und verzieht die Mundwinkel ob des Erkennungsmerkmals fehlende Haarpracht. Müde sieht er aus, der 43-jährige Polizeihauptkommissar.
Bis spät in die Nacht saß er mit den zum Teil von weit angereisten Beteilig-
ten des zweiten Motorradtags zusammen – immerhin ist er Initiator, Organisator und Mädchen für alles bei dieser Veranstal-tung. Und nebenbei Motorradfahrer durch und durch. Eine glückliche Fügung – oder auch nicht, denn schließlich muss er von Berufs wegen – Hagel arbeitet bei der
Verkehrsüberwachung Rottweil – konsequent die Verkehrsvorschriften anwenden. Klar, Dass zwei Seelen in der Brust des motorradfahrenden Polizisten wohnen. Aber selbst die größte Sympathie endet irgendwo. Für Ralf Hagel zum Beispiel bei einer montierten Krawalltüte oder abgefahrenen Reifen. »Wir schützen nicht nur die Motorradfahrer«, versichert er, »sondern alle Verkehrsteilnehmer und Bürger.« Die hohe Politik und die darauf folgende Bürokratie machen es sich einfach. Steigende Unfallzahlen oder schlichter Populismus haben beim langen Marsch durch die Instanzen immer dieselbe Konsequenz: Egal, was ihr macht, macht was! Tatsächlich – das zeigt das Beispiel Rottweil – entscheiden dann einzelne Beamte vor Ort, womit der gemeine Biker sich konfrontiert sieht. Für den leidenschaftlichen Yamaha-Fazer- und Suzuki-GSX-R-Piloten Ralf Hagel steht fest: Aufklärung statt Hammer.
Ohne eigenes Budget, dafür mit umso mehr Idealismus entsteht Hagels Idee eines Aktionstags, den die Polizei anschiebt und unterstützt, sich ansonsten aber eher zurückhält. Mit anderen Worten: Händler und Kumpels geben die Tipps, die Polizei spielt den Moderator im Hintergrund. Doch Ralf Hagel möchte noch mehr: »Der gute, vielleicht auch zügige Motorradfahrer ist nicht das Problem, sondern der, der es nicht richtig kann, sich übernimmt und abfliegt. Geschwindigkeit ist zwar das Problem, aber nicht die Ursache.« Motorradfahrer sollten einfach besser fahren, ist er überzeugt.
Und was bietet so ein Motorradtag, diesem Ziel vielleicht ein Stück näher zu kommen? Inzwischen in schmucker Uniform, trotzt Ralf Hagel als Moderator dem miesen Wetter wie auch den spärlichen Zuschauern und kommentiert die Vor-
führungen des gut gelaunten Motorrad-
polizisten Eddi di Santo nebst Kollegen,
die zeigen, was ein Fahrsicherheitstraining
alles umfasst. Dann lässt sich der wackere di Santo im Dienste der Sicherheit an
einem Seil hängend über den Platz schleifen. Beeindruckend, wie schnell Textil in Fetzen geht.
Helm- und Lederkombihersteller sind ebenso präsent wie reichlich Gastronomie. Die örtlichen Händler zeigen ihre Mopeds, und ein mobiler Leistungsprüfstand ist
aufgebaut. Natürlich, ein bisschen Abschreckung ist auch dabei. Die fast schon legendäre Video-BMW aus Tübingen erinnert mit Hightech-Ausstattung beiläufig daran, dass jeder BMW-Fahrer genauso gut der Videomann der Polizei sein könnte.
Kommentator Hagel hat seinen Spaß, als zwei Supermoto-Fahrer auf nasser, glibberiger Aktionsfläche auf dem Hinterrad um die Wette fahren, Stoppies machen und burnouten. Sicherheit und Spaß gehören für Ralf Hagel zusammen – ob es funktioniert? »Wir wollen damit nicht nur die Freunde der Polizei erreichen«, meint er – und möchte insbesondere seinen Namen nicht im Vordergrund sehen. Schon gar nicht beim Wetter.

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