US-Supercross Daytona Supercross in Daytona - Einsame Entscheidung?

Das Supercrossrennen in Daytona ist immer ein ganz besonderes Ereigniss - besonders bei deutscher Beteiligung in Form von Ken Roczen.

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Noch vier Wochen vor dem einzigartigen Daytona-Motocross am 5. März war sich Bert Poensgen, früher Geschäftsführer beim deutschen Suzuki-Importeur, heutzutage in gleicher Funktion bei der Rennstrecke Eurospeedway Lausitz, Besitzer und zumindest am Wochenende auch Wirt des Alphotels Bodenseehütte in Balderschwang, vor allem aber Manager des deutschen Motocross-Hypertalents Ken Roczen, noch sicher. Sein 16-jähriger Schützling würde beim Motocross während der Daytona Bike Week, dem eigenartigsten und selbst ernannt selbstverständlich größten Supercross-Event der Welt, nicht antreten. "Nein, nein, Kenny muss rechtzeitig nach Hause kommen, um sich auf die MX2-WM-Saison noch perfekt vorbereiten zu können", räsonierte der mit allen Wassern gewaschene Motorradsport-Fuchs, während er am Bartresen seiner Allgäuer Skihütte dafür sorgte, dass seine zahlreichen Gäste zur Mittagszeit keinen Mangel an Kaltgetränken erleiden würden. "Daytona steht nicht auf unserem Plan. Ken wird nach dem Rennen in San Diego am 19. Februar nach Europa zurückkommen, auch wenn ich weiß, dass er mit der größeren 350er KTM, die er in Daytona ja fahren würde, noch besser klarkommt als mit der kleinen MX2-250er, die er bei seinen regulären US-Rennen in der Lite-Serie fährt."

Nur wenige Tage später flatterte die offizielle Pressemitteilung ins Haus: "Ken Roczen in Daytona mit der KTM 350 SX-F am Start." Ein Grinsen macht sich breit beim Chronisten. Ob wir mit unserer lockeren Frage zwischen alkoholfreiem Weißbier und Erbseneintopf hoch oben unter Allgäuer Wintersonne dem großen Poe vielleicht einen Floh ins Ohr gesetzt und/oder Sehnsucht nach der Vorfrühlingswärme in Südflorida erzeugt haben? Sei's drum. Auf jeden Fall verlängerte "The German Sensation", zu diesem US-Kampfnamen war der junge King Kenny sehr schnell gekommen, kurz entschlossen seinen US-Aufenthalt, holte die 350er KTM, mit der er schon beim Gastauftritt in Houston, Texas, als Siebter auch im Feld der großen Supercross-Jungs sehr beeindruckend mitgespielt hatte, noch einmal raus und zog von seinem US-Domizil in Kalifornien an die Ostküste gen Florida.

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Und Ken Roczens Debüt im Infield des Daytona International Speedway zwischen der Boxengasse und dem Ziel-Bereich des Steilwand-Triovals geriet zu einer weiteren Demonstration des unglaublichen Potenzials des, wir müssen es uns immer wieder vergegenwärtigen, immer noch erst 16-jährigen Thüringers.

Ein paar unverbesserliche Optimisten wollten schon an Wunder glauben angesichts des sehr eigenen Charakters der Daytona-Piste, die wesentlich weitläufiger als klassische US-Supercross-Stadien und mit weniger hohen, dafür allerdings weiteren und schnelleren Sprüngen eher an dem jungen Herrn Roczen geläufige WM-Motocross-Pisten als an reinrassiges Supercross erinnert. Und manche Erwartung flog in schwindelerregende Höhen.

Ken Roczen indes ließ sich nicht beirren und überzeugte auch vor der großen Daytona-Kulisse voll und ganz.

Nach intelligentem Start über die Mitte der ersten Geraden setzte er sich zwischen Rang sieben und neun im 20 Fahrer starken Finale fest und schaffte es in seinem erst zweiten Supercross schon zum zweiten Mal, die Ziellinie vor Hyperstar James Stewart auf Yamaha zu erreichen, der wie schon in Houston auch in Daytona nach einem Sturz in der Anfangsphase zur Aufholjagd gezwungen war.

Der Daytona-Motocross-Sieg 2011 ging wie eine Woche später in Indianapolis, dann wieder ohne Roczen, an Kawasaki-Werksfahrer Ryan Villopoto, der auch die als US- wie als Weltmeisterschaft gewertete Serie weiter anführt.

Little King Kenny steht in der Tabelle, obwohl er von den bisherigen zehn Rennen der großen Klasse überhaupt nur zwei bestritten hat, immerhin auf Platz 18 - durchaus beeindruckend vor dem Hintergrund, dass sich zum Finale jeder Veranstaltung 20 Fahrer qualifizieren.

Ob jetzt die Entscheidung, Ken Roczen in Daytona starten zu lassen, wirklich in einer ruhigen Minute in der Einsamkeit der Allgäuer Bergwelt gefallen ist? Völlig wurscht, auf jedem Fall war es richtig.

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