VdS-Untersuchung über Pkw/Motorrad-Unfälle (Archivversion) Was lernen und heil bleiben

Unfallsituationen in sieben Folgen. Wer die Tips beherzigt, fährt fortan sicherer. Eine Schlußbetrachtung.

Schauen wir uns zunächst die zwei letzten Unfalltypen (Fall sechs und sieben) an, die der Verband der Schadensversicherer (VdS) analysiert hat - Unfälle im Gegenverkehr. Zum Glück kollidieren Motorradfahrer nur höchst selten mit entgegenkommenden Pkw, denn dann sind schwere Verletzungen - oft mit Todesfolge - die Regel. Nur in zwei Prozent der untersuchten Fälle kam es zum Crash des Bikers mit einem überholenden Pkw (Fall sechs). Die Absicht des Autolenkers zu überholen erkennt der Motorradfahrer fast immer zu spät, seine Reaktion fällt folglich träge aus, oder er reagiert gar nicht. Denn es gibt keine frühzeitigen Anzeichen beim Verhalten des Pkw-Lenkers, aus dem Rückschlüsse auf sein gefahrenträchtiges Verhalten zu ziehen wären. Wenn ein Pkw etwa aus einer Kolonne ausschert, bleibt wenig Zeit zu reagieren. Dabei bestünde häufig die Chance, auf den äußersten rechten Fahrbahnrand oder gar auf einen manchmal vorhandenen Grünstreifen auszuweichen und so dem Zusammenprall zu entgehen. Selbst wenn es dabei zum Sturz kommt, sind die Folgen meist weniger gravierend als bei der Kollision mit dem Pkw. Da der Autofahrer den Überholvorgang beginnt, weil er das Bike übersehen hat, hilft auch manchmal die Lichthupe, damit der Automobilist den Biker überhaupt wahrnimmt und es vielleicht noch schafft, den Überholvorgang zu stoppen oder zumindest dichter am zu überholenden Fahrzeug vorbeizufahren. Aber das ist oft nur ein Rettungsversuch mit ungewissem Ausgang. Kaum Chancen auszuweichen hat der Biker auf engen Landstraßen. Daher dort besonders weit vorausschauen und auf hintereinander herfahrende Pkw auf der Gegenfahrbahn achten. Auf den meisten Straßen bleibt jedoch Platz genug für Ausweichmanöver. Diese auf alle Fälle vorher schon einmal mental durchspielen, um im Falle eines Falles schneller reagieren zu können. Kommen wir schließlich zum siebten und letzten Fallbeispiel, dem Zusammenstoß mit einem die Kurve schneidenden Auto. Fünf Prozent der untersuchten Unfälle zwischen Pkw und Motorrad geschahen auf diese Weise. Hier liegt die Ursache entweder wie gehabt darin, daß der Autofahrer den Biker schlicht übersieht oder aber den Platzbedarf des Motorrads falsch einschätzt, der bei Schräglage in etwa dem eines normalen Pkw entspricht. Aus der Sicht des Motorradfahrers entsteht beim kurvenschneidenden Auto eine Bedrohung, die in den beobachteten Fällen eine solche Unsicherheit beim Biker auslöste, daß es zum Sturz oder schlimmer noch zur Kollision kam. Auch hier gilt für den Biker wieder: Auf kurvenreicher Strecke mit einer solchen bedrohlichen Situation rechnen, damit sie einen nicht überrascht. Immer die Breite der Fahrbahn im Hinterkopf haben und auf Ausweichmöglichkeiten achten.Ziel der Untersuchung von Pkw/Motorradkollisionen, die das Büro für Kfz-Technik für den VdS durchgeführt hat, war es, den Fahrschulen und anderen im Bereich der Motorrad- und Pkw-Fahrausbildung Tätigen Erkenntnisse zu vermitteln, um Unfälle besser vermeiden zu helfen. Diese in MOTORRAD abgedruckte Serie kann aber auch dem einzelnen Biker Verhaltenstips für unfallträchtige Situationen an die Hand geben. Untersucht wurden mit Absicht lediglich jene zwei Drittel aller Kollisionen, bei denen der Pkw-Fahrer Schuld trug. Der Gedanke dabei war, daß gerade auch der schuldlose Motorradfahrer in solchen scheinbar aussichtlos erscheinenden Situationen, die durch das Fehlverhalten des Autofahrers erzeugt werden, noch etliche Verhaltensmuster trainieren kann, die den Unfall vermeiden helfen. Ebenso wichtig: Es gilt, das Auge für das frühzeitige Erkennen von Gefahrenmomenten zu schärfen, um Reaktionszeit zu sparen und die Schrecksekunde zu verkürzen.Der Biker muß sein Frühwarnsystem schulen, seine Alarmglocken sensibilisieren. Hier noch einmal ein paar Verhaltensweisen des Unfallgegners, bei denen sofort die rote Lampe leuchten muß:Zögerliche Fahrweise des Autofahrers. Beispiele: - Er fährt in eine Kreuzung im Schneckentempo ein.- Er fährt an und stoppt wieder beim Einbiegen in eine Vorfahrtstraße.- Er versucht, die Fahrspur zu wechseln, tut dies aber nur mit zwei Rädern.Reaktionslose Fahrweise des Automobilisten. Beispiele:- Der Pkw nähert sich der Kreuzung oder Vorfahrtstraße, ohne merklich abzubremsen.- Er beginnt abzubiegen, obwohl der Biker naht.- Verdächtig ist auch jede kontinuierliche Geschwindigkeit, die im Widerspüruch zu der Verkehrssituation steht.Jeder Biker muß auch sein eigenes Verhalten kritisch anschauen. Ganz falsch sind folgende Verhaltens- und Einstellungsweisen:- grenzenloses Vertrauen in die eigene Vorfahrt- der Glaube, man würde jederzeit vom Pkw-Fahrer erkannt- der Glaube, die eigene Gesachwindigkeit würde vom Autofahrer richtig eingeschätzt- Sturheit und Pochen auf sein Recht- Gedankenlosigkeit.Gute Fahrt.

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