Verkehrssünder-Identifizierung auf Radarfotos (Archivversion) «Etwas schwieriger nur mit Sturmhaube“

Der Anthropologe Dr. Cornelius Schott ist der Experte für Personenerkennung in Deutschland.

? Wie schlecht darf ein Radarbild sein, um noch Beweiskraft zu haben?Da reicht, um es salopp auszudrücken, ein Foto, das auf den ersten Blick von minderer Qualität zu sein scheint, völlig aus. Wenn ein Radarbild sehr kontrastarm oder unscharf ist, heißt das nicht, daß diese Aufnahme nicht auszuwerten sei. Dafür genügt, daß einzelne Gesichtspartien und Konturen noch bestimmbar sind. ? Wo liegen die Schwierigkeiten beim Identifizieren von Motorradfahrern mit Vollvisierhelmen?Da gibt es keine größeren Probleme. Das Infrarot des Radarblitzes hellt die Gesichtspartie auf. Schwierig wird es nur dann, wenn der betreffende Motorradfahrer eine Sturmmaske trägt und nur wenig vom Gesicht zu sehen ist. Aber auch in solchen Fällen, wo nur Augen und Nasenwurzel erkennbar sind, ist zumindest eine tendenzielle Aussage möglich. ? Wie haben Sie gelernt zu sehen, was andere nicht sehen?Ich sehe natürlich nicht, was andere nicht sehen, ich sehe das nur mit anderen, geschulten Augen. Und mit denen konnte ich übrigens in 15 Prozent der Fälle den Angeklagten entlasten.? Die Wissenschaft, auf die Sie sich berufen, die Biologische Anthropologie, existiert seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Wie kommt es, daß ihre Erkenntnisse erst seit ein paar Jahren bei der Identifizierung von Verkehrssündern angewendet werden?Merkmalsvergleiche konnte die Anthropologie schon immer durchführen; als Sachverständiger vor Gericht aufzutreten und dort auch akzeptiert zu werden setzt freilich voraus, daß die Resultate dieser Wissenschaft anerkannt sind. Und diese Anerkennung war erst nach Reihenuntersuchungen gegeben, die an der Universität Frankfurt stattfanden, an denen ich beteiligt war. Dazu kommt, daß die Ermittlung von Verkehrssündern nach Radaraufnahmen erst Anfang der 80er Jahre zu einem Problem wurde.

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