Versicherungen für Youngtimer (Archivversion) Zwischenlösung

Motorräder aus den 70er Jahren sind noch keine richtigen Oldtimer, aber auch keine Alltagsfahrzeuge mehr. Für sie gibt es spezielle Haftpflicht- und Kaskoangebote.

Manche können sich einfach nicht von den Motorrädern ihrer Jugend trennen. Warum auch? So eine rauchfarben lackierte BMW R 90 S von 1974 macht auch heute noch eine verdammt gute Figur. Schlank und rank, 67 PS stark, über 200 km/h schnell, wer möchte so einen Beinahe-Klassiker nicht sein eigen nennen? Weil sie von ihren Besitzern gehegt und gepflegt, nur bei Sonnenschein bewegt und niemals für Alltagsfahrten missbraucht werden, haben einige Versicherungsgesellschaften diese Youngtimer als lukrative Objekte entdeckt und für sie spezielle Tarife entwickelt. Für die Assekurenzen lohnt sich das, denn allein von den Motorrädern Baujahr 1972 bis 1982 zählt das Kraftfahrtbundesamt 400 000 Stück, darunter 90 000 Maschinen der Baujahre 1972 bis 1977.Lohnt sich solch eine spezielle Versicherung für den Klassiker-Besitzer ebenso? Im Kaskobereich unbedingt, denn diese betagten Schätzchen stehen in den Zeitwerttabellen ganz unten, weswegen der Besitzer im Falle eines Diebstahles von der herkömmlichen Kasko-Versicherung kaum mehr als einen Apfel und ein Ei bekäme. Genau hier liegt der Vorteil der speziellen Tarife für Youngtimer, denn der geschädigte Klassiker-Freund bekommt den tatsächlichen Wert des alten Schätzchens ersetzt. Doch dieser Wert, der in der Versicherungspolice festgeschrieben wird, muss erst einmal ermittelt werden. Zwar ist laut Axa-colonia-Oldtimerversicherung »der Marktwert der Verkaufspreis Ihres Oldtimers und seiner Teile am Spezialmarkt«. Doch was heißt das schon? »Uns genügen aussagekräftige Fotos des Motorrads und die Wertangabe des Eigentümers, der meist auch Experte ist«, erklärt Markus Neser von der Württembergischen Versicherung. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser: »Allerdings lassen wir diese Wertangabe von der Classic Data (einer Sachverständigenorganisation für Oldtimer, d. Red.) nachprüfen.« Sehr teure Motorräder - die Axa-Colonia etwa setzt hier eine Untergrenze von 10000 Euro an - müssen ohnehin von einem Gutachter geschätzt werden, dessen Kosten die Versicherer übernehmen. Die Prämie wird dann in Prozent vom Fahrzeugwert berechnet (siehe Kasten auf Seite 107). Das ist mitunter sogar günstiger als eine normale Kaskoversicherung, obwohl es keine Schadenfreiheitsrabatte gibt. Der Vorteil dieser Sondertarife liegt jedoch nicht in erster Linie beim Sparen, sondern in den besonderen Leistungen. Mitversichert ist so genannter Vandalismus, also die mutwillige Beschädigung durch Dritte. Auch Schäden beim Transport auf dem Hänger, wenn das Zugfahrzeug samt Hänger einen Unfall erleidet, werden abgedeckt - unabhängig von der Schuldfrage. Sodann »Schäden an demontierten Einzelteilen während der Restaurierung oder Reparatur des Fahrzeuges« (Axa-Colonia). Steigt der Wert des Motorrads in der Zeit zwischen der Erstellung des Gutachtens und dem Eintritt des Schadens, fängt das die so genannte Vorsorgeversicherung auf, die meist im Preis eingeschlossen ist. Damit ist gemeint, dass eine maximal zehnprozentige Wertsteigerung seit dem Zeitpunkt seiner Begutachtung zusätzlich erstattet wird, wenn der Youngtimer gestohlen wurde. Alles Posten, die eine Standard-Teilkasko nicht enthalten. Die Youngtimer-Tarife sind naturgemäß an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. In der Regel wird verlangt, dass sich das Motorrad in einem guten und weitgehend originalen Zustand befindet, nicht als Alltagsfahrzeug genutzt wird (meist ist eine Laufleistung von weniger als 5000 Kilometern pro Jahr vorgesehen), in einer Garage abgestellt wird und - das Wichtigste - mindestens 25 Jahre alt ist oder vor einem bestimmten Datum erstmals zum Verkehr zugelassen wurde (Beispiel Gothaer: vor dem 31.12.1975). Hier macht der Gerling-Konzern mit seiner Oldtimerversicherung eine interessante Ausnahme. Sein Tarifpaket greift bereits für Motorräder ab einem Alter von 20 Jahren. Allerdings verlangt dieser Versicherer, dass der heutige Marktwert über dem einstigen Verkaufspreis des Oldies liegt. Ein Beispiel: das besagte Boxer-Spitzenmodell BMW R 90 S, das 1974 auf dem Markt kam, wird mittlerweile deutlich über seinem ehemaligen Neupreis – 1976 kostete es 9510 Mark – gehandelt. Wenn 6000 Euro als Wert angesetzt werden, kostet die Teilkasko mit 500 Euro Selbstbeteiligung läppische 24 Euro pro Jahr (o,4 Prozent des Fahrzeugwerts), die Vollkasko mit Selbstbeteiligung in gleicher Höhe 131,40 Euro (2,19 Prozent des Werts). Andere Assekuranzen setzen ein Mindestalter von 30 Jahren voraus, versichern also nur Maschinen, die in dem meisten Fällen bereits mit einem Oldtimerkennzeichen zugelassen werden können. Dessen Vorteil liegt in der pauschalen Besteuerung von 46,02 Euro pro Jahr, egal bei welchem Hubraum. Die H-Zulassung – das H auf dem Nummernschild steht für historische Fahrzeuge – ist aber nicht Voraussetzung. Ein Tipp zum Schluss: Wem die Suche nach einem geeigneten Versicherer zu mühsam erscheint, der kann sich an einen spezialisierten Versicherungsmakler wie zum Beispiel Voigt Capital Systeme wenden.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote