Versicherungen wollen Typentarife für Motorräder (Archivversion) Versicherungen

Noch zählt die Leistung. Ein Bike mit 17 PS kostet einfach weniger Haftpflicht als eins mit 98 PS. So kann jeder Motorradfahrer die Tarife der Versicherungen ganz prima vergleichen. Ohne sich im undurchschaubaren Dschungel unterschiedlicher Merkmale zu verheddern. Damit ist es künftig wohl vorbei. Denn Statistiker des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnen gerade aus Daten, die das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg liefert, eine Einteilung der Motorräder in Typklassen. Im November liegen erste Ergebnisse vor. »Es ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß schon am 1. Januar 1998 eine Empfehlung kommt«, meint Klaus Brandenstein, Pressesprecher des GDV. Rät der Verband aber erst mal zu dieser Art der Tarifierung, gedenken einige Assekuranzen, die auch anzubieten, zum Beispiel die HUK Coburg oder auch der HDI. Vorgeprescht ist bereits die Württembergische Versicherung, die als erste Assekuranz überhaupt einen Tarif für 17 Motorradtypen anbietet, der unter anderen Chopper, Enduros und Sportler unterscheidet. Abgesehen vom Zulassungsort und dem Schadenfreiheitsrabatt, der auch bisher bei der Prämienhöhe entscheidend war, führt die Württembergische das Alter des Fahrers und das Alter des Fahrzeugs als Merkmal ein. Soll heißen, daß Biker mit 40 Lenzen, die einen acht Jahre alten Chopper fahren, viel weniger berappen als 20jährige, die einen brandneuen Sportler bewegen. Klingt gut. Aber nur für die Zweirad-Oldies. Denn durch Typentarife geht die Solidarität flöten. Bislang bezahlen die Biker-Opas nämlich durchaus auch Unfallschäden der Youngster mit. »Da wird zuviel subventioniert«, kommentiert Hans-Dieter Schremm, Leiter der Abteilung Kraftfahrt-Betrieb bei der Württembergischen Versicherung. Dort werden künftig Besitzer von Supersportlern und junge Fahrer kräftig zur Kasse gebeten. »Wenn sich Prämien für bestimmte Gruppen verbilligen, müssen sie bei dieser Gesellschaft für andere teurer werden.« So argumentiert der Bund der Versicherten: »Denn der Gesamtschadensaufwand bleibt unverändert, er wird nur anders verteilt.« Die Versicherungen treffen durch die Aufspreizung der Tarife natürlich auch eine Auswahl. Schrem: »Wir nehmen jeden, wenn er den Preis bezahlt.“

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