Versicherungstarife 1996 (Archivversion) Aber, aber Herr Kaiser

... zugegeben, Versicherungen verscherbeln ist kein Zuckerschlecken. Und auch Sie, Frau König von der Humbug-Alzheimer, halten Sie Ihre Zunge im Zaum. MOTORRAD bringt jetzt Fakten, Fakten, Fakten.

Biker sind brav. Sie bauen immer weniger Unfälle. Verwickelten 1990 noch 41 von 1000 Fahrern ihre Motorräder in Crashs, so waren´s vier Jahre später nur noch 27 von 1000. Auch der Motorradklau geht zurück. Auf diese positive Entwicklung reagieren die Versicherungen, indem sie die Prämien senken. Mittlerweile gibt´s aber für Motorradfahrer noch einen Vorteil: Durch der Liberalisierung des EU-Binnenmarkts wächst die Angst vor der Konkurrenz. Die Versicherungen kämpfen inzwischen um Zweiradpiloten als Kunden. Während Autofahrer sich die Haare raufen ob des undurchsichtigen Dschungels aus Sonderrabatten für Singles, Frauen oder Garagenbesitzer über 65 Jahren, bleibt bei Motorrädern vieles beim alten. Die Assekuranzen behalten die bewährte Einstufung nach Pferdestärken und Schadensfreiheitsrabatten in der Haftpflicht weitgehend bei. Solch klare Vorgaben erleichtern Bikern den Prämien-Überblick. Doch verschenkt wird nichts. Die allermeisten Versicherungen kassieren bei der Haftpflicht von Neueinsteigern wie bisher 100 Prozent der Tarifprämie. Nur die Neckura verlangt 120 Prozent, ihre Tochter Auto Direkt 110. Eine gute Nachricht gibt´s für Wiedereinsteiger: Bei einigen Versicherungen können Biker neuerdings ihren Motorradvertrag bis zu sieben Jahre ruhen lassen, ohne den Rabatt zu verlieren. Hochgestuft wird allerdings immer nach einem Unfall, meist eine Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) pro Crash.Für Einsteiger, die den Führerschein schon drei Jahre lang in der Tasche haben, sind bei der Neckura nur 85 Prozent der Prämie fällig, bei der Vereinten gar nur 70 Prozent. Gleiches gilt für Biker, die schon ein Auto oder Motorrad bei derselben Gesellschaft versichert haben. Auch die Itzehoer, Lloyd, Generali und Garanta bieten eine solche »Zweitfahrzeugregelung«. Aber Vorsicht. Häufig bestehen die Gesellschaften auf einer Klausel: Der Versicherte muß das Zweitfahrzeug allein nutzen. Läßt der Biker seinen Kumpel an den Lenker, kann´s teuer werden. Falls der einen Unfall baut. Denn dann bittet die Versicherung den Halter wegen Vertragsverletzung zur Kasse. Ähnlich liegt der Fall bei der Vereinten, die verschiedene Bedingungen kombiniert. Diese Gesellschaft stuft ein Zweitmotorrad gleich mit 45 Prozent ein, wenn schon ein Motorrad-Vertrag in dieser Schadensfreiheitsklasse besteht, der Halter mindestens 25 Jahre alt ist, drei Jahre den Führerschein hat - und jetzt kommt´s - ganz allein sein Motorrad nutzt.Wer nur nach Rabatten heischt, hat also später vielleicht das Nachsehen. Auch bei der Motorradversicherung werden Kaskoprämien - und allmählich auch Klauseln - zusehends wichtiger als die reinen Haftpflichtprämien. So kann eine Teilkasko mit 300 Mark Selbstbeteiligung bei einer Versicherung günstiger sein als bei einer anderen mit 1000 Mark Eigenanteil. Überhaupt sieht´s bei der Kasko weniger rosig aus: Trotz hoher Prämien lehnen viele Gesellschaften den Diebstahlschutz für teure Maschinen immer noch ab oder sie erheben weitere Zuschläge. Die Grenze liegt meist bei 20 000 bis 25 000 Mark. Zudem ziehen etliche Versicherer bei Diebstahl zehn Prozent des Zeitwertes ab, wenn ein Motorrad ohne elektronische Wegfahrsperre ausgerüstet ist. Was für die allermeisten gilt. Den vollen Preis zahlen Gerling, Auto Direkt, Neckura, HDI, HUK-Coburg und die Itzehoer. Es lohnt sich also allemal, Herrn Kaiser Löcher in den Bauch zu fragen, bevor der Vertrag unterschrieben wird.

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