Versicherungstarife 1997 (Archivversion)

Tarifverhandlungen

Durch Sonderangebote und spezielle Rabatte wird der Abschluß einer Motorrad-Versicherung immer mehr zur Verhandlungssache.

Wer soll da noch durchblicken: Zweitwagenregelung für Motorräder, Alleinfahrerklausel, Garagen- und Markenrabatt und weitere Sonderregelungen. Da gerät das Versichern eines Bikes zur abendfüllenden Beschäftigung. Die neuen Tarife für Haftpflicht, Teil- und Vollkasko können lediglich als Basisinformation dienen. Zumal die Tabellen natürlich nur Tarife von Versicherern enthalten, die bei der MOTORRAD-Umfrage mitgewirkt haben. Letztlich hilft nur eins: Den Versicherungsagenten nach allen Details ausquetschen. Wer etwa seiner Kiste ein Garagenplätzchen gönnt, spart bei der Quelle-Versicherung fünf Prozent. Aber Vorsicht vor dem Kleingedruckten. Wird das Bike vor der Haustür geklaut und das nach 22 Uhr, zahlt die Assekuranz vielleicht nicht. Oder bei der Alleinfahrerklausel: Fährt der Kumpel, entfällt zwar nicht der Versicherungsschutz, aber im Schadensfall darf eine Strafe oder ein erhöhter Tarif nachgezahlt werden. Wer sparen will, weil er immer gut auf sein kostbares Stück achtgibt, könnte etwa bei einer Gesellschaft einchecken, die bei der Teilkasko eine höhere Selbstbeteiligung von 650 oder 1000 Mark möglich macht und dafür tatsächlich auch weniger Prämie kassiert. Das bieten unter anderen Auto Direkt, Neckura und DA-Deutsche Allgemeine an. Was MOTORRAD schon lange forderte, hat zumindest die Neckura für 1997 in die Tat umgesetzt: Ab dem siebten Jahr reduziert sich der Schadensfreiheitsrabatt auf 30 Prozent der Grundprämie, während bislang nach drei Jahren bei 45 Prozent Schluß war. Das macht Motorradfahren selbst in der Big Bike-Kategorie über 98 PS fast schon preiswert. Natürlich nur für solche Biker, die keine Unfälle erleiden oder Bagatellschäden aus der eigenen Tasche bezahlen. Leider schließt sich von den Versicherern, die ihre Tarife der Redaktion offengelegt haben, sonst niemand dieser bikerfreundlichen Regelung an. Nur die Quelle-Versicherung hat noch eine neue Rabattstaffelung: 45 Prozent werden zwar erst nach vier Jahren erreicht, dafür geht`s nach fünf Jahren bis auf 40 Prozent runter. Seltsame Blüten treibt das Rabattwesen allemal. So fahren offenbar Triumph-Besitzer besonders schonungsvoll ums Eck, denn denen gewährt die Württembergische Versicherung bei den Haftpflichttarifen glatte 15 Prozent Ermäßigung im Vergleich zum Rest der Motorradwelt. Bei den Deckungssummen tut sich 1997 etwas. Die unbegrenzte Deckung gilt nur für Sachschäden, während verletzte und in der Folge invalide Biker bisher lediglich bis zu einer Obergrenze von 7,5 Millionen Mark abgesichert waren. HDI, HUK-Coburg, DEVK, VHV und WGV haben diesen Satz bei Neuverträgen ab 1997 auf immerhin 12,5 Millionen Mark erhöht. Jetzt noch ein unerfreuliches Kapitel: Thema Diebstahl. Da machen es sich viele Versicherer ziemlich einfach. Sie rücken für Bikes, die mehr als 20 000 Mark kosten, einfach keine Teil- und Vollkasko raus. Daher haben es die rühmlichen Ausnahmen verdient, namentlich genannt zu werden. Es sind dies die Gothaer, die Hamburg-Mannheimer, R+V und die Allianz. Auch der HDI gibt den Besitzern teurer Maschinen eine Chance, bittet sich aber eine spezielle Risikoprüfung aus. Gleichermaßen verfährt die DEVK, verlangt dazu einen Prämienaufschlag. Und die Barmenia ist so gnädig, einen Teilkaskoschutz mit üppiger Selbstbeteiligung zu gewähren. Das kann für manchen Harley-Fahrer die letzte Rettung sein.
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