Versicherungstarife für Motorräder (Archivversion)

Da kommt Freude auf

Biker können jetzt Geld sparen. Bei den Versicherungen nämlich. Denn die Haftpflichtprämien sinken 1998 um bis zu 25 Prozent.

»Überall ist der Teufel los«, sagt Peter Gauly. Der Pressesprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) spricht von einem knallharten Wettbewerb. Davon profitiert König Kunde, weil etliche Assekuranzen ihre Prämien 1998 deutlich gesenkt haben. Dazu gehören bei der Haftpflicht zum Beispiel die HUK Coburg Allgemeine (Minus 11,9), WGV Schwäbische (Minus 18), HDI (Minus 15,7 Prozent), DEVK und viele andere. Die bloße Reduzierung der Prämien bedeutet natürlich noch lange nicht, daß diese Assekuranzen auch die billigsten sind. Bei Motorrädern schnitt die WGV bei Haftpflicht und Teilkasko am besten ab, HDI, Auto Direkt, HUK Coburg, Bruderhilfe, DA Deutsche Allgemeine gehören derzeit laut Umfrage der Wirtschaftsanalysen GmbH zu den preiswertesten Versicherungen (siehe Tabellen). Solche Ergebnisse haben jedoch ein rasches Verfallsdatum. Denn seit der Liberalisierung des europäischen Versicherungsmarkts können die Assekuranzen Tarife sowie Tarifierungsmerkmale jederzeit ändern. So wollen die HUK Coburg, die DEVK und die Allianz ihre Kunden bereits am 1. April mit einer Neuerung überraschen, über deren Details die Versicherer freilich bislang nichts rauslassen. Derzeit läuft auch noch eine Studie des GDV. Vom Ergebnis hängt ab, ob Typentarife, wie sie es bereits bei den Autos gibt, eingeführt werden. »In diesem Jahr tut sich wohl nichts mehr«, räumt Pressesprecher Gauly ein. »Wir müssen erst sehen, ob ein Typentarif überhaupt tragfähig ist.« Schließlich sind die Stückzahlen einfach geringer als bei den Blechkisten. Vorgeprescht ist dagegen bereits die Württembergische Versicherung, die ihre Prämien unter anderem von der Fahrzeugart, dem Alter des Motorrads, aber auch dem Fahreralter abhängig macht. Auf eins kann man sich bei aller Vielfalt jedoch verlassen: Die Assekuranzen verschenken kein Geld. Alleiniger Grund für die Tarifsenkungen ist das Verhalten der Motorradfahrer. »Seit zwölf Jahren wird der Schadenverlauf immer besser«, so Gauly. Die Zulassungszahlen steigen, dabei gehen die Unfallzahlen zurück. Verunglückten 1987 noch 54 von 1000 Motorradfahrern, so waren´s 1996 nur noch 19. Der Schadenbedarf, dargestellt als Index für die Anzahl der Schäden und die sich daraus ergebenden Kosten, reduzierte sich allein zwischen 1994 und 1996 von 185 auf 141 (minus 24 Prozent). Besitzer von Motorrädern bis 27 PS sparen neuerdings eine Menge Geld. Kein Wunder, denn Einsteiger mit Stufenführerschein bewegen heute Motorräder mit 34 PS, und die werden in der Klasse bis 50 Pferde versichert. Aber auch dort ist eine Tarifsenkung festzustellen. Big Bike-Besitzer mußten vordem richtig bluten und üppige Prämien entrichten, weil sie angeblich sehr unfallträchtig fuhren. Dieses Jahr ist es besser: Beim HDI etwa beträgt das Minus 19,8 Prozent, andere haben auch die Preise gesenkt. Welche Assekuranz nun die richtige ist, läßt sich nur im Einzelfall beantworten. »Die billigste Versicherung ist die beste«, meint zwar Hans-Dieter Meyer, Geschäftsführer des Bunds der Versicherten, und empfiehlt, die zehn preiswertesten Assekuranzen anzuschreiben und neben den Tarifen auch die Vertragsbedingungen gründlich zu prüfen. Doch günstige Tarife sind nicht alles, denn es gibt mittlerweile unterschiedliche Schadenfreiheitsrabatte. Zum Beispiel geht die Neckura bis zur Schadenfreiheitsklasse 7- auf 30 Prozent - runter, während die klassische Abstufung bei SF 3 und 45 Prozent endet. Auch andere Nachlässe sparen Geld. Wer seinen Führerschein drei Jahre lang besitzt, steigt bei der Europa neuerdings mit 75 Prozent ein. Andere Assekuranzen wie der LVM offerieren den sogenannten Zweitfahrzeugtarif. Ein Auto muß beim selben Versicherer in der Schadensfreiheitsklasse 1/2 angemeldet sein, das Krad darf nur vom Versicherungsnehmer oder dessen Lebenspartner gefahren werden. Ein leidiges Thema bleibt die Kaskoversicherung. Zwar haben viele Assekuranzen auch diese Prämien gesenkt, weil die Diebstähle allein zwischen 1992 und 1996 von 1,8 Prozent auf 1,05 Prozent zurückgingen. Trotzdem mögen einige Versicherungen keine Harley-Davidson oder Liebhaberfahrzeuge. Einige Unternehmen nehmen deshalb individuelle Risikoprüfungen vor. Nur die Neckura berechnet einen Prozentsatz des Neuwerts.
Anzeige

Worauf Sie achten müssen (Archivversion)

Tips für den Wechsel
Wer jetzt seine Versicherung wechseln will, sollte ausrechnen, ob es lohnt. Wenn der Schadenfreiheitsrabatt hoch und die PS-Klasse klein ist, rentiert sich der Aufwand wegen ein paar Mark oft nicht. Zu beachten ist auch, daß die Kasko nicht rabattfähig ist, die Ersparnis mit einer günstigen Haftpflichtprämie durch einen hohen Kaskobeitrag schnell zunichte gemacht wird. Folgende Fragen sollten Sie Ihrem Versicherungsagenten stellen:Welche Schadenfreiheitsrabatte gewährt die Versicherung bei der Haftpflicht? Die klassische Abstufung ist SF 0 = 100 Prozent im ersten halben Jahr, SF ½ = 70 Prozent, SF 1 = 65 Prozent, SF 2 = 65 (60) Prozent; SF 3 = 45 Prozent. Einige Versicherer stufen Anfänger höher als 100 Prozent ein, andere bieten Herabstufungen bis auf 30 Prozent nach sieben schadensfreien Jahren. Bietet die Versicherung zusätzliche Nachlässe an, und an welche Bedingungen sind sie geknüpft? Biker, die Auto und Motorrad bei derselben Assekuranz versichern, bekommen fürs Krad manchmal einen Rabatt.Bleibt die erreichte Schadenfreiheitsrabattstufe erhalten, wenn der Vertrag für mehrere Jahre unterbrochen wird? Manche Versicherer lassen eine siebenjährige Pause zu.Bezahlt die Versicherung im Fall eines Diebstahls bei der Kaskoversicherung 90 oder 100 Prozent des Zeitwerts? Einige Assekuranzen haben die Klausel `Wegfahrsperre` auch beim Motorrad eingeführt.Gewährt die Versicherung überhaupt Kaskoschutz? Viele Assekuranzen schließen Motorräder, die mehr als 20 000 Mark kosten oder Harley-Davidson heißen, vom Versicherungsschutz aus. Andere Versicherer wollen das individuelle Risiko erst mal prüfen oder stufen teure Motorräder hoch.Jeder, der ein Motorrad neu in den Verkehr bringt, kann die Versicherung wechseln. Einen bestehender Vertrag muß spätestens einen Monat vor der Hauptfälligkeit - meist der 1. Januar - gekündigt werden, unabhängig von der Laufzeit des Vertrags.

Versicherungstarife 1998: Übersicht (Archivversion)

Fußnote zu Tabelle:Tarifgruppe N, unbegrenzte Deckung, Jahresprämie 100 % inkl. 15 % Versicherungssteuer; bei halb- bzw. vierteljährlicher Zahlungsweise 3 bis 5 % Aufschlag auf Prämie; Quelle: WHW Wirtschaftsanalysen GmbH (Telefon 04161/745 134), Angaben ohne Gewähr; Stand: 15.1.1998

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote