Versicherungswechsel: Info und Tarife im Vergleich (Archivversion) Die GDV-Empfehlungen

Seit Anfang dieses Jahres empfiehlt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weitreichende Änderungen bei der Prämienberechnung. Wie sehen die aus?

Einige Assekuranzen setzen die Empfehlungen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) um, ein paar lehnen sie ab, manche glauben, dass sie im nächsten Jahr von allen verwendet werden, und andere hoffen, dass der Markt das verhindern möge. Verbindlich für alle Versicherungen sind die Empfehlungen des GDV also nicht.Analog dem Autobereich legte der GDV fünf Regionalklassen für Motorräder fest. In ihnen sind Zulassungsbezirke, also amtliche Kennzeichen, mit ähnlichem Schadenverlauf zusammengefasst. Der jährliche Check anhand aktueller Statistiken soll die Rangliste korrigieren, die Berlin momentan mit dem höchsten Schadenbedarfsindex anführt. In der Praxis werden diese Klassen bisher weitläufig ignoriert.Der Hauptaspekt zur Prämienermittlung sind nach wie vor die Schadenfreiheitsklassen. Statt der bisher fünf Stufen (0, ½, 1, 2 und 3) werden dreizehn empfohlen (0, ½, 1-10 und die Malusstufe M), die kaum ein Versicherer bisher voll ausreizt.Fahranfänger gehören auf alle Fälle zu den Verlierern, wenn sich die Empfehlung des GDV bei allen Versicherungen durchsetzt. Sie steigen jetzt schon im Schnitt bei 120 bis 140 Prozent ein, nach der neuen Regelung bei 210 Prozent. Ein Schelm, der Böses dabei denkt; verursachen sie tendenziell doch mehr Schäden als die alten Hasen unter den Kradlern.Etliche Assekuranzen verwenden bereits seit Jahren eine erweiterte Staffel, die über SF 3 hinausgeht, zum Teil – wie bei der OVAG – bis SF 8. Die niedrigste Prämienstufe wird dann nach neun schadenfreien Jahre erreicht. Die neue Malusstufe M greift vor allem, wenn der in Stufe 0 eingruppierte Fahranfänger Schäden verursacht. Hier klaffen alte und neue Regelung besonders weit auseinander: Über 200 Prozent der normalen Prämie darf er dann momentan bei den einen Versicherungen berappen, bei den anderen noch 120 bis 125 Prozent. Die Empfehlung, teils schon umgesetzt, geht in Richtung 285 Prozent, wird aber von manchen Assekuranzen noch überboten. So sind 290 Prozent in der Malusstufe bei einigen Usus, zum Beispiel bei Allianz und Axa. Einige Versicherungen denken bisher nur über die Einführung der Malusstufe nach, haben sie aber noch nicht in ihr Vertragswerk aufgenommen.Langjährig Unfallfreie fahren mit dem neuen System gut, so sie sich zur höchsten SF-Stufe heruntergedient haben. Bis zum niedrigsten Beitrag dauert es jetzt allerdings länger. Positiv schlägt zu Buche, dass der Spielraum der höchsten SF-Stufe nach der neuen Regelung einen Prozentsatz von 25 Prozent ermöglicht.Ebenso uneinheitlich wie die Prozente für die einzelnen SF-Stufen zeigt sich die Rückstufungspraxis bei verschuldeten Unfällen. Die SV Baden-Württemberg hat zum Beispiel zwar eine Malusstufe, der so Klassifizierte muss aber nicht mehr zahlen als in SF 0. Er braucht nur entsprechend länger, um erneut in SF ½ zu klettern. Bei der WGV rutschen alle aus SF 0, ½ und 1 in die Malusstufe. Aus SF 2 bis 4 geht´s nur noch bis SF ½ zurück. Die Generali Lloyd dagegen greift besonders hart durch. Deren Kunden fallen sogar von der höchsten Stufe (SF 10) in SF ½.Während die meisten Versicherungen betonen, dass durch die neuen SF-Klassen eine gerechtere Prämienverteilung möglich ist, gibt es auch Gegenstimmen, die harte Zeiten für alle Biker prognostizieren, wenn sich das Regelwerk in empfohlener Weise durchsetzt. Aber keine Panik: Alte Verträge dürfen nicht einfach pauschal gewandelt werden, sondern laufen parallel zu den Neuabschlüssen weiter, die geänderten Bedingungen unterliegen.

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