Video-Dreh auf dem Motorrad (Archivversion)

FILMSTORY

Welche Kamera taugt für den Dreh während der Fahrt? Wie und wo wird sie befestigt? Quälende Fragen - bohrende Antworten.

Urlaubs-Videos sind meist ziemlich langweilig - die geplagten Daheimgebliebenen, die sich später die hübschen Filmchen anschauen dürfen, können ein Lied davon singen. Häufigster Grund für die einschläfernde Wirkung: Die Action fehlt, die Aufnahmen wirken statisch. Die Lösung: Ab mit der Kamera aufs Motorrad, Fahraufnahmen wirken belebend.Grundsätzlich gilt, daß die besten Aufnahmen herauskommen, wenn das Objektiv nach vorn oder nach hinten schaut. Zeigt die Kamera zur Seite, nimmt sie nur verwaschene Konturen der vorbeiflitzenden Landschaft auf. Auch der Bildauschnitt muß passen: Finger weg von Teleaufnahmen, denn Kurven haben die gleiche Wirkung wie schnelle Kameraschwenks. Das Bild bleibt nur dann ruhig, wenn der Ausschnitt groß ist, daher sollte der Zoom in der maximalen Weitwinkelstellung verharren. So kommt neben der Straße auch die umgebende Landschaft gut ins Bild.Besonders interessante Aufnahmen entstehen, wenn die Kamera, auf der Sitzbank befestigt, nach hinten schaut, da diese Blickrichtung ungewohnt ist. Außerdem kommen so endlich auch einmal eventuell hinterherfahrende Freunde ins Fernsehen.Schaut die Kamera nach vorn, sollte der Bildausschnitt so gewählt werden, daß die Instrumente mit zu sehen sind, um einen besseren Bezug zur Geschwindigkeit zu bekommen. Ein konstanter Bildausschnitt setzt natürlich voraus, daß die Kamera einen festen Halt auf dem Motorrad hat. Wenn sie in ihrer Halterung schwingen kann, werden die Aufnahmen garantiert nichts - statt Kurvenrausch gibt’s Bildruckeln und -aussetzer. Stativgestänge oder Ausleger am Heck sind demnach für Videoaufnahmen ungeeignet. Mit dem auf Seite 132 vorgestellten Eigenbau-Stativ dagegen sitzt der Camcorder stabil auf der Sitzbank oder dem Tank.Wer sich eine Videocamera zulegen will, findet ein fast unüberschaubares Angebot an Geräten und Marken vor. Für Fahraufnahmen fast unerläßlich: Die Kamera sollte über einen Bildstabilisator verfügen. Der nämlich gleicht die Vibrationen des Motors oder Wackler durch Fahrbahnwellen aus.Es gibt mittlerweile fünf verschiedene Videosysteme: Die vier analogen Standards VHS-C oder S-VHS-C, Video-8 oder Hi-8 und das digitale Mini-DV-System. VHS-C- und Video-8-Geräte werden ab zirka 1000 Mark angeboten. Bild- und Tonqualität sind eher mäßig, ein Bildstabilisator gehört nur selten zur Ausstattung. Daher eigenen sie sich kaum für den Einsatz auf dem Motorrad.S-VHS-C- und Hi-8-Camcorder wie der SX-3 von Panasonic oder der TR 2200 von Sony gibt’s ab zirka 1800 Mark. Geräte dieser Klasse bieten eine deutlich bessere Bildqualität, der Bildstabilisator findet sich hier bei fast allen Modellen in der Liste der Ausstattungsdetails.Die Oberklasse der Amateurfilmer benutzt seit etwa einem Jahr Digital-Kameras mit dem neuen Mini-DV-Format. Die Digital-Kassetten sind gerade mal so groß wie eine Streichholzschachtel - entsprechend klein fallen auch die Kameras aus.Während eines Urlaubs montierte ein MOTORRAD-Mitarbeiter die S-VHS-C-Camera SX-3 von Panasonic (elektronischer Bildstabilisator, 1800 Mark) und das Hi-8-Modell TR 2200 von Sony (optischer Bildstabilisator, 2300 Mark) auf eine Suzuki GSX 600 F Bandit. Ergebnis: Beide Kameras lieferten auf dem Eigenbau-Stativ Fahraufnahmen in befriedigender Bildqualität. Nur auf holprigen Straßen versagten die Bildstabilisatoren und ließen dann immer wieder die Synchronisation aussetzen. Die ultrakompakte Digitalcamera GR-DV-1 von JVC (4000 Mark) dagegen zeigte sich von Straßenunebenheiten nahezu unbeeindruckt - ihre Bildqualität erreicht fast das Niveau von Fernsehaufnahmen. Weil die JVC-Kamera so klein und leicht ist, läßt sie sich auch besser am Motorradstativ befestigen als die Analogmodelle.Übrigens: Erfahrungsgemäß kommen bei mäßiger Geschwindigkeit und mittlerer Schräglage die eindrucksvollsten Bilder zustande. Wer meint, er müsse mit laufender Kamera besonders kräftig Gas geben, gefährdet nicht nur sich selbst und andere, sondern wird auch vom Ergebnis enttäuscht sein. Ebenso sollte man aus Sicherheitsgründen während der Fahrt die Finger von der Kamera lassen. Selbst das Ein- und Ausschalten sollte man im Stand erledigen.
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Videostativ selbstgebaut (Archivversion)

MOTORRAD hat es ausprobiert: Mit einem einfachen Eigenbau-Stativ lassen sich die besten Videobilder vom Motorrad aus aufnehmen.Die Auflage für die Videokamera besteht aus einer fünf bis sieben Millimeter dicken und etwa 15 mal 20 Zentimeter große Stahlplatte. Die Platte kann jeder Schlosser zuschneiden - Kostenpunkt rund zehn Mark. In die Mitte wird ein sechs-Millimeter-Loch gebohrt, hier kommt später die zirka 15 Millimeter lange Stativschraube hinein - gibt’s im Fotofachgeschäft uind kostet rund fünf Mark.Auf die Platte klebt man mit doppelseitigem Teppich-Verlegeband eine zirka ein bis zwei Millimeter dicke Moosgummiplatte. Sie verhindert, daß die teure Kamera durch die dauernden Vibrationen auf der Stahlplatte zerkratzt.Je nach benötigter Höhe und Ausrichtung des Statives werden mehrere Moosgummistücke benötigt. Sie fungieren als Vibrationsdämpfer und Schockabsorber. Bewährt hat sich die Dimension 15 x 5 Zentimeter, solche Reste gibt’s für ein paar Mark beim Gummihändler. Mit einem kräftigen Gewebeband werden nun die Moosgummiklötze und die Stahlplatte zusammengeklebt - fertig.Nimmt die Kamera jetzt immer noch verwackelte Bilder auf, hilft vielleicht die zusätzliche Fixierung mit einem gepolsterten Spannriemen.

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